Julia Roberts
Hugh Grant
Hugh Bonneville
Regie: Roger Michell
Verleih: UIP
Buchhändler William Thacker traut seinen Augen nicht, als Anna Scott, der größte Star Hollywoods, in seinem Laden auftaucht. Angezogen von der Normalität von Williams Leben entwickelt sich zwischen der Leinwandgöttin und dem schüchternen Single eine fragile Liebe, die sich allerdings unter dem Druck scheinbar unvereinbarer Welten bewähren muß.

"Kann sich der berühmteste Filmstar der Welt in einen ganz gewöhnlichen Mann verlieben?" fragt sich fünf Jahre nach "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" dieses lang gehegte romantische Märchen, das Hugh Grant, Drehbuchautor Richard Curtis sowie das Produzententrio Duncan Kenworthy, Tim Bevan und Eric Fellner erneut zusammenführt. Und wer will zweifeln, daß auch diese, von Presse-Echo und massiven Promotionaktionen begleitete süße Romanze die Welt erobern wird, wenn das Erfolgsgespann von 1994 mit Julia Roberts das in diesem Kinogenre unverändert beste Zugpferd erhält?
Schon in den ersten, mit Charles Aznavours Evergreen "She" unterlegten Bildern markiert der von Roger Michell ("Verführung") inszenierte Film seine Attraktionen: Rehauge Julia Roberts, die als Kinoprinzessin Anna Scott jeder kennt; Hugh Grant als sympathisch schüchterner Buchhändler; Londons charmanter Stadtteil Notting Hill, zu dem sich der dort auch wohnende Autor mit Liebe bekennt, und schließlich ein konsequent romantischer, von Audrey Hepburns "Ein Herz und eine Krone" inspirierter heiterer Ton, der sich auch von melancholischen Zäsuren nicht trüben läßt. Bei der Zusammenführung seines Traumpaars verschwendet das Skript keine Zeit. Schon nach fünf Minuten taucht Roberts in die Beschaulichkeit Notting Hills abgetauchter Hollywoodstar in Grants Laden auf - die erste von mehreren Szenen, in denen trotz einer wundersamen, märchenhaften Situation jeder etwas verkrampft um die Bewahrung von Normalität ringt. 20 Minuten später sind Grant und sein Orangensaft mit Roberts kollidiert, hat sie sich bei ihm umgezogen und ihre Distanz für einen magischen Moment mit einem Kuß aufgegeben, womit das Unmögliche erstmals erreichbar scheint. Die unvereinbaren Welten begegnen sich erneut auf einem Pressetermin für Roberts neuesten Film (einige Szenen daraus sind kuriose Zitate aus Kubricks "2001") - die wohl schwächste, zu ausgedehnte Sequenz des Films, in der Grant als Reporter wider Willen in peinliche Interviews stolpern und seine cineastische Ahnungslosigkeit (die Roberts für ihn einnimmt) eher platt ("Di Caprio, ist er Ihr italienischer Lieblingssregisseur?") outen muß. Danach aber findet "Notting Hill" wieder zur Form zurück, konsolidiert sich Roberts' Interesse an Grant, der sie zur Geburtstagsfeier seiner Schwester mitnimmt. Wie schon in "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" etabliert Autor Curtis hier einen Kreis aus exzentrischen, aber warmherzigen Freunden, die trotz diverser Rückschläge Lebenslust und die von Roberts so vermißte bodenständige Normalität vermitteln. Das dem Dinner folgende Spiel, in dem der letzte Dessertrest an die Person mit dem schlimmsten Schicksal geht, ist als Botschafter des schwarzen, etwas masochistischen, Ernsthaftigkeit integrierenden, aber wieder überwindenden britischen Humors ein Highlight des Films wie auch Grants schlampiger, proletenhafter, schrulliger Mitbewohner Spike (Rhys Ifans), der als Running Gag für die derberen komödiantischen Facetten zuständig ist. Nach Alec Baldwins Cameo als Roberts' plötzlich auftauchender Freund sorgt Spikes Geschwätzigkeit mit dem daraus resultierenen Paparazzi-Ansturm für die zweite Komplikation der fragilen Liebe, die Grant, erneut von Roberts abserviert, ein weiteres Mal in Melancholie stürzen läßt. Unterlegt mit Bill Withers Oldie "Ain't No Sunshine" sehen wir in der visuell originellsten Sequenz des Films Grant durch Notting Hill laufen, während die Jahreszeiten magisch fließend ineinander übergehen. Natürlich wartet am Ende dieses mit spritzigen Dialogen aufwartenden, gelegentlich vielleicht eine Spur zu bemüht romantischen, vom Druck des Vorgängers nicht ganz unbelastet wirkenden Films ein Happy End, nachdem Roberts' Figur mit ihren (das Realleben der beiden Stars spiegelnden) Problemen mit Klatsch und Schmutzpresse vom Sockel geholt und somit auf Grants Ebene gebracht wurde. Keine Frage, daß diese Hochzeit aus märchenhafter Lovestory und charmanten Stars, der erste Auftritt der Universal Pictures Germany, auch bei uns Millionen Besucher anlocken wird. kob.
| Darsteller: | Julia Roberts | als Anna Scott | |
|---|---|---|---|
| Hugh Grant | als William Thacker | ||
| Hugh Bonneville | als Bernie | ||
| Emma Chambers | als Honey | ||
| James Dreyfus | als Martin | ||
| Rhys Ifans | als Spike | ||
| Tim McInnerny | als Max | ||
| Gina McKee | als Bella | ||
| Richard McCabe | als Tony | ||
| Mischa Barton | als Amerikanisches Starlet | ||
| Dylan Moran | |||
| Roger Frost | |||
| Julian Rhind-Tutt | |||
| Lorelei King | |||
| John Shrapnel | |||
| Clarke Peters | |||
| Arturo Venegas | |||
| Henry Goodman | |||
| Melissa Wilson | |||
| Emma Bernard | |||
| Samuel West | |||
| Ann Beach | |||
| Regie: | Roger Michell | ||
| Drehbuch: | Richard Curtis | ||
| Produzent: | Duncan Kenworthy | ||
| Ausf. Produzent: | Tim Bevan | ||
| Richard Curtis | |||
| Eric Fellner | |||
| Kamera: | Michael Coulter | ||
| Schnitt: | Nick Moore | ||
| Musik: | Trevor Jones | ||
| Produktionsdesign: | Stuart Craig | ||
| Andrew Ackland-Snow | |||
| David Allday | |||
| Kostüme: | Shuna Harwood | ||
| Ton: | David Stephenson | ||
Leinwanddialoge sind eine diffizile Angelegenheit. Meist bewegen sie sich auf einem schmalen Grad zwischen künstlerisch notwendiger Überzeichnung und lächerlicher Übertreibung. Gerade bei Blockbustern geht allzu oft der sprichwörtliche Gaul mit den Drehbuchautoren durch...
Exakt in diesem Moment sehnten sich Millionen von Zuschauern nach einem Eisberg (Foto: Fox)
Majestätisch gleitet der Ozeanriese hinaus in die offene See. Eine förmlich entfesselte Kamera rast über das Promenadendeck und gibt, in Kombination mit perfekten Spezialeffekten, dem Zuschauer das Gefühl, tatsächlich mit an Bord zu sein. Die Musik schwillt dramatisch an, als sich das Bild zwei jungen Männern am Bug nähert. Gebannt nimmt das Publikum die perfekte Symbiose von Bild und Ton auf - und bricht kurz darauf in schallendes Gelächter aus, als einer der jungen Leute sich in theatralische Pose wirft und verkündet: "Ich bin der König der Welt!"
Was wie ein cineastisches Horrorszenario klingt, könnte sich so in dem ein oder anderen Kino abgespielt haben, denn Leonardo DiCaprios Ausruf im erfolgreichsten Film aller Zeiten, James Camerons "Titanic", wurde von Filmfans zur lächerlichsten Dialogzeile der Filmgeschichte gewählt.
Selbstverständlich ist DiCaprio nicht das einzige prominente Opfer der gnadenlosen Wahl. Einige der renommiertesten Stars und erfolgreichsten Filme geben sich in den Top-10 der unerträglichsten Filmdialoge ein munteres Stelldichein. So folgt bereits auf dem zweiten Platz, mit nur wenigen Stimmen Abstand, der Tanzfilm-Klassiker "Dirty Dancing". Patrick Swayze meldet darin mit "Mein Baby gehört zu mir!" amouröse Besitzansprüche an und rührt damit Co-Star Jennifer Grey förmlich zu Tränen.
Feuchte Augen bekam auch das Publikum angesichts solch geballter Emotion - allerdings offenbar vor Heiterkeit. Und Swayze ist sogar doppelt vertreten: Auf dem vierten Platz rangiert sein Film "Ghost - Nachricht von Sam" und das wohl unromantischste Liebesbekenntnis aller Zeiten. Auf sein "Ich liebe Dich!" hat Co-Star Demi Moore nur ein "Dito" parat.
Von einer Karriere als Meteorologin war ihr glücklicherweise abgeraten worden... (Foto: Impuls)
Knapp vor dieser Peinlichkeit komplettiert Andie MacDowell mit "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" die vordersten drei Ränge. "Regnet es noch, ich weiß es gar nicht...", ist aber eigentlich trotz Wolkenbruchs eine verständliche Reaktion, wenn man Frauenschwarm Hugh Grant im Arm hat...
"Top Gun", Tony Scotts Hohelied auf die US-Luftwaffe, findet sich auf dem fünften Platz. "Du bist auch heute noch gefährlich, trotzdem kannst du jederzeit mein Flügelmann sein, Kumpel". Dieses Geständnis von Val Kilmer gegenüber Tom Cruise beendete zwar die Rivalität der Filmfiguren - das Publikum zeigte sich jedoch entschieden weniger versöhnlich mit dem platten Pathos des Militär-Werbefilms.
"Vergiss nicht, ich bin nur ein Mädchen, das vor einem Jungen steht..." hauchte Julia Roberts in "Notting Hill" ihrem Filmpartner Hugh Grant ins Ohr und sicherte sich damit nicht nur ungewollte Heiterkeitsbekundungen der Zuschauer, sondern auch Rang sechs.
Ausgerechnet ein Deutscher zelebrierte US-Patriotismus wie nur wenige Regisseure vor ihm. Als Präsident der Vereinigten Staaten durfte Bill Pullman mit dem Schlachtruf "Heute feiern wir unseren Independence Day!" in sein Kampfflugzeug steigen und bösartigen Aliens zeigen, was es heißt, sich mit Amerika anzulegen. Roland Emmerichs "Independence Day" wurde trotz solcher Stilblüten zum Publikumsrenner - vielleicht auch, weil viele der Dialoge nur schwer im Explosionsgewitter des Special-Effects-Spektakels zu vernehmen waren...
"Ja, sie mögen uns das Leben nehmen, aber niemals nehmen sie uns unsere Freiheit!" - abnehmen hingegen wollte das Kinopublikum diese motivierende Ansprache vor der Schlacht bei Stirling dem Helden aus "Braveheart" nicht, und so landete Mel Gibsons Zitat auf Platz 8. Renée Zellweger hingegen verlor die Gunst der Zuschauer, als sie Tom Cruise in Jerry Maguire gestand: "Du hattest mich schon beim 'Hallo'".
Abgerundet werden die Top-10 von einem Film, bei dem es überrascht, dass er überhaupt von genügend Leute gesehen wurde, um bei der Wahl berücksichtigt zu werden. Als Kevin Costners Held aus "Postman" auf die enthusiastische Begrüßung "Du bist ein Gottgesandter, ein Retter!" nur ein lässiges "Nein, ich bin nur der Postmann" nuschelte, bogen sich die Zuschauer vor Lachen - zumindest jene fünf, die den Megaflop bis zu dieser Szene durchgestanden hatten...
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