Satire http://images.kino.de/flbilder/max09/mbiz09/mbiz49/z0949512/b150x150.jpg Neue Freiheit - Keine Jobs

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Neue Freiheit - Keine Jobs


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Kritik

Hick ist wieder da. Herbert Achternbuschs ewiges Alter Ego lungert auf dem Münchner Marienplatz, als ihm ein Polizist offenbart: Helmut Kohl ist an allem schuld. Wie es dem ausgekochten Schlitzohr gelingt, mit dieser nackten Wahrheit umzugehen und das Kanzler-Problem mit Hilfe von Ordnungshütern (und der halben Belegschaft der Kammerspiele) ohne Blutvergießen zu lösen, davon handelt - unter anderem - Achternbuschs 27. Film. Ein gewohnt skurriles Kunstfilm-Unikat voller grotesker Manierismen und lakonischer Dialoge, die auf der Berlinale das Panorama-Publikum zu wilden Lachattacken provozierten.

"Lieber ein jedes Jahr ein Wrack als alle Jahre einen aufgedonnerten Dampfer" - Karl Valentin hätte Achternbuschs Arbeitsweise nicht treffender umschreiben können. Als der ORF für die Ausstrahlung von "Picasso in München" statt einer halben Million Schilling 500 000 Mark überwies und die Kammerspiele ihre Werkstätten und Schauspieler zur Verfügung stellten, war die Wachablösung in Bonn nicht mehr aufzuhalten. Mit schwarzer Schuhcreme pinselt der Obdachlose Hick seine Rücktritts-Forderung auf ein Plakat und hält es hinter dem Rathaus in die Sonne. Als ihn die Blase drückt, springen zwei Streifenpolizisten für ihn ein, denen Hicks Anliegen durchaus sympathisch erscheint. Passanten kommentieren die Aktion auf ihre Weise, beim Schichtwechsel treten andere Beamte auf den Plan und am nächsten Morgen ist der Kanzler spurlos verschwunden.

Von einer Handlung läßt sich bei diesem eigenbrödlerischem Zelluloid-Kabarett kaum sprechen, wohl aber vom durchtriebenen Humor seines Autors, der politisch aktuelle Themen, parodistische Anspielungen und seine ureigensten Spinnereien zu einem irrwitzigen Stück Kulturkritik amalgiert, über das man den Kopf zwar schütteln, ihn aber auch zerbrechen kann. Das liegt nicht nur an Achternbuschs cleverem Schachzug, Rolf Boysen oder Thomas Holtzmann in viel zu kleine Polizeiuniformen zu zwängen oder Ringsgwandl und Hube über bayerische Politik philosophieren zu lassen. Im assoziativen Fluß der Gedanken und Bilder springt der Film mehrmals auch in eine Kubrick'sche Urszenerie zurück, wo zwar kein Knochen, dafür aber ein Trinkhalm die Evolution vorantreibt. Freilich nur virtuell, denn der Clan-Chef kapiert den Zusammenhang zwischen Rationalisierung und Arbeitsplätzen - und zieht es vor, Patriarch am Schlammloch zu bleiben. So viel schelmische Sophisterei tut sich naturgemäß schwer an der Kinokasse, weshalb Freunde und Fans der Achternbusch'schen Radikal-Logik bis auf weiteres

nach München pilgern müssen, wo der Film im Werkraum der mitproduzierenden Kammerspiele zu sehen ist. led.

Neue Freiheit - Keine Jobs

Darsteller:  Herbert Achternbusch   als Hick
  Dieter Dorn   als Polizist
  Georg Ringsgwandl   als 1. Polizist
  Jörg Hube   als 2. Polizist
  Axel Milberg   als 3. Polizist
  Horst Kotterba   als 4. Polizist
 
Regie:  Herbert Achternbusch  
Drehbuch:  Herbert Achternbusch  
Produzent:  Herbert Achternbusch  
Koproduzent:  Münchner Kammerspiele  
Kamera:  Michael Wagner  
Schnitt:  Micki Joanni  
Produktionsdesign:  Richard Illmer  
  Wolfgang Staudinger  

Star

Herbert Achternbusch

Einer der eigenwilligsten deutschen und bayerischen Filmautoren, dessen Arbeiten sich jeder Kategorie entziehen. Herbert...

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