Max Riemelt
Tom Schilling
Devid Striesow
Regie: Dennis Gansel
Verleih: Constantin
Im Kriegswendejahr 1942 beschließt der 16-jährige Friedrich (Max Riemelt), sehr zum Entsetzen seiner kritisch denkenden Eltern, zum Zwecke der persönlichen Reife eine nationalsozialistische Elitebildungsanstalt zu besuchen. Zunächst ist Friedrich begeistert von der Aufbruchstimmung und den dort gebotenen Möglichkeiten. Als er allerdings den sensiblen Albrecht (Tom Schilling) und dessen ebenso analytische wie pazifistische Denkweise kennen lernt, keimen Zweifel an des Führers Herrlichkeit.
Die Welle der deutschen Geschichtsfilme rollt weiter, wenn nach Oliver Hirschbiegels "Untergang" nun "Mädchen, Mädchen"-Kreativleiter Dennis Gansel den mehr oder minder angepassten Teenagern unterm Hakenkreuz nachspürt.
Dennis Gansel erzählt von einer bewegenden Jungenfreundschaft hinter den Mauern von Hitlers Kaderschmieden: bewegend und brisant.
Vom Arbeiter-Sohn zum privilegierten Nazi-Nachwuchs: Friedrich mit Freund Albrecht (Foto: Constantin)
In seinen "Nationalpolitischen Erziehungsanstalten" (Napolas) verfolgte Hitler seine Schreckensvision von der Züchtung neuer Herrenmenschen. Bis 1945 sollten dort über 15.000 Jungen mit militärischem Drill zu treu ergebenen Dienern des Regimes geformt werden.
Regisseur Dennis Gansel ("Mädchen, Mädchen") greift dieses brisante, bislang wenig beachtete Thema auf - und stellt die universelle Gewissensfrage: Was hätten wir getan?!
Der 17-jährige Friedrich (Max Riemelt) wächst im schäbigen Arbeiterviertel Berlin Wedding auf. Sein Box-Talent öffnet ihm die Türen zur Napola Allenstein - eine einmalige Gelegenheit!
Obwohl auf dem Elite-Internat sadistische Lehrmethoden und ideologischer Zwang herrschen, lässt sich Friedrich vom Luxus und der Aussicht auf eine große Karriere blenden.
Erst durch seine Freundschaft mit dem sensiblen Albrecht (Tom Schilling) wird ihm klar, dass er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat. Ein aufwühlender Stoff um jugendliche Verführung in der NS-Zeit - brillant gespielt, ergreifend und spannend inszeniert.
| Darsteller: | Max Riemelt | als Friedrich Weimer | |
|---|---|---|---|
| Tom Schilling | als Albrecht Stein | ||
| Devid Striesow | als Heinrich Vogler | ||
| Joachim Bißmeier | als Dr. Karl Klein | ||
| Justus von Dohnányi | als Gauleiter Heinrich Stein | ||
| Michael Schenk | als Josef Peiner | ||
| Florian Stetter | als Justus von Jaucher | ||
| Alexander Held | als Friedrichs Vater | ||
| Sissy Höfferer | als Friedrichs Mutter | ||
| Jonas Jägermeyr | als Christoph Schneider | ||
| Leon Alexander Kersten | als Tjaden | ||
| Thomas Drechsel | als Hefe | ||
| Martin Goeres | als Siegfried Gladen | ||
| Claudia Michelsen | als Frau Stein/ Albrechts Mutter | ||
| Julie Engelbrecht | als Katharína | ||
| Johannes Zirner | als Torben Send | ||
| Jakob Semotan | als Jungmann 1 | ||
| Michael Gerber | als Biologielehrer | ||
| Wolfgang Pregler | als Weltanschauungslehrer | ||
| Michael Lerchenberg | als Lateinlehrer | ||
| Max Dombrowka | als Fritz Weimer | ||
| Regie: | Dennis Gansel | ||
| Drehbuch: | Dennis Gansel | ||
| Maggie Peren | |||
| Produzent: | Molly von Fürstenberg | ||
| Viola Jäger | |||
| Harry Kügler | |||
| Kamera: | Torsten Breuer | ||
| Schnitt: | Jochen Retter | ||
| Musik: | Normand Corbeil | ||
| Produktionsdesign: | Matthias Müsse | ||
| Kostüme: | Natascha Curtius-Noss | ||
| Ton: | Eckhard Kuchenbecker | ||
| Casting: | Nessie Nesslauer | ||
Bislang wurde der Berlinale-Wettbewerb von eher bedrückenden, wenn auch interessant umgesetzten Themen dominiert.
Stehende Ovationen für Julia Jentsch als Sophie Scholl und Regisseur Marc Rothemund (Foto: Berlinale)
Das Bürgerkriegs-Epos "Hotel Ruanda" und unglückliche Liebesdramen wie "Les temps qui changent - Changing Times" oder "Asylum" trafen die Besucher mitten in die Seele. Doch am Samstag setzte der erste deutsche Wettbewerbsbeitrag einen heiteren Glanzpunkt: Hannes Stöhrs "One Day in Europe", ein Episodenfilm, in dem Touristen in europäischen Städten von Moskau bis Santiago di Compostella (vermeintliche) Opfer von Raubüberfällen werden.
Alle vier Geschichten spielen zeitgleich, vor dem Hintergrund eines fiktiven Champions-League-Finales. Fußball ist das einende Element in Europa. Stöhr bedient die landestypischen Klischees seiner Charaktere, die gleiche Variation des Themas nützt sich im Verlauf des Films ein wenig ab. Doch sein heiterer Tonfall und die kulturelle Interaktion und Kommunikation in sechs verschiedenen Sprachen stießen auf großen Anklang bei Presse und Publikum.
"Asylum"-Star Natasha Richardson geriet beim Feiern im Club 37 im Casino Berlin etwas aus dem Konzept (Foto: 24u Media)
Bei Presse und Fachbesuchern herrscht dieses Jahr ein richtiger Run auf die deutschen Filme - angestachelt durch den Vorjahresbärengewinner "Gegen die Wand" und den internationalen Erfolg von sehr unterschiedlichen Filmen im letzten Jahr: von "Der Untergang" bis "Die fetten Jahre sind vorbei".
Erster wirklicher Bären-Kandidat war dann aber am Sonntag Marc Rothemunds "Sophie Scholl". Das bewegende Drama um die junge Widerstandskämpferin der Weißen Rose erntete zehn Minuten lang stehende Ovationen im bis auf den letzten Platz ausgebuchten Berlinale-Palast. So konnten Rothemund, seine Hauptdarstellerin Julia Jentsch, die wiederum ein heißer Kandidat für den Darstellerpreis ist, Produzenten, Verleiher und Fans anschließend auch entspannt feiern in dem Berliner Szenetreff "week-END Club" - im oberen Stockwerk eines ehemaligen Plattenbaus am Alexanderplatz.
Partymarathon war allgemein angesagt am Wochenende. Die Must-Have-Einladung war am Freitag die von VW gesponsorte People's Night im renommierten Restaurant Borchardt in Mitte. Hier gaben sich deutsche Stars und Sternchen die Klinke in die Hand, von Jungstar Matthias Schweighöfer über Heike Makatsch und Herbert Knaup und Sebastian Koch bis zur zweiten Riege der TV-Celebrities.
Deutlich jünger und handfester ging es dagegen bei der Eröffnungsfeier des Internationalen Forums des Jungen Films und der Party zum osteuropäischen Episodenfilm "Lost and Found" zu.
Jungstars satt gaben sich auch auf der noblen Shooting Stars Gala im traditionsreichen Adlon Hotel die Ehre. Deutscher Shooting Star in diesem Jahr ist der junge Berliner Max Riemelt ("Napola").
München in Berlin erlebte man Sonntagnacht in Oliver Berbens Bar "Sopranos" am Ku'Damm. Dort hatte die Constantin geladen, um die Aufführung des Dokumentarfilms "Inside Deep Throat" über den berüchtigten Siebziger-Jahre-Porno und seine Entstehung zu feiern. Da wollten sich einige weiblichen Gäste wohl nicht lumpen lassen: Sie waren entsprechend leicht bekleidet und mit High Heels bewehrt erschienen. Der Prosecco floss in Strömen bis in die Morgenstunden.
Vorfreude auf "Gespenster": Julia Hummer glaubt, ihre entführte Tochter wiedergefunden zu haben (Foto: Piffl)
Die hiesige Branche ist in Feierstimmung und das internationale Interesse am deutschen Film groß, wie auch die Filmverkäufer auf dem Berlinale Film Markt berichten. Am Dienstag feiert der dritte deutsche Wettbewerbsbeitrag Premiere, Christian Petzolds "Gespenster", der schon mit Spannung erwartet wird.
Es ist also im Bereich des Möglichen, dass auch dieses Jahr die heimischen Filme im Wettbewerb abräumen. Aber noch hat der internationale Film sechs Tage Zeit, Highlights zu positionieren. Es bleibt spannend.
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