Vanessa Redgrave
Natascha McElhone
Rupert Graves
Regie: Marleen Gorris
Verleih: MFA
Clarissa Dalloway gibt eine ihrer perfekten Parties. Dieses Mal bringt ein Mann, den sie seit 30 Jahren nicht mehr gesehen hat, alles durcheinander. Sein überraschendes Erscheinen läßt Erinnerungen an einen vergangenen Sommer aufleben, als Clarissa zwischen zwei Männern stand. Zweifel über ihre damalige Entscheidung kommen auf.

Mit ihrem Oscar-prämierten Meisterwerk "Antonias Welt" hatte die Holländerin Marleen Gorris weltweit Erfolg. Vom ländlichen Leben in der Dorfgemeinschaft wechselt sie in ihrem neuesten Werk "Mrs. Dalloway", der Adaption des gleichnamigen Virginia-Woolf-Romans, ins mondäne London. Dort wird für die elegante Lady Mrs. Dalloway ein sonniger Junitag zur dramatischen Reise in die Vergangenheit.
Als der Roman 1925 erschien, galt er durch seine unkonventionelle Erzähltechnik als Sensation, faßte er doch reale Existenz, innere und äußere Entwicklungen grandios zusammen. Mit ihrer Verfilmung gelingt es Marleen Gorris, die Seelenzustände und Erinnerungen, Vergangenheit und Gegenwart und die zwei unterschiedlichen Handlungsstränge geschickt zu verbinden - sowohl durch die Montage als auch inhaltlich.
Ein Sommertag im Jahre 1923, zwei Geschichten: Die mondäne Clarissa Dalloway bereitet eine ihrer legendären Partys für die Mitglieder der Upper Class vor. Während sie einkauft und durch die Straßen schlendert, erinnert sie sich an den Sommer vor 30 Jahren, als sie mit ihrer Freundin Sally die unbeschwerte Jugend genoß und zwei Männer um ihre Hand anhielten - der spontane Hitzkopf und Abenteurer Peter Walsh und der zurückhaltende, Sicherheit repräsentierende Gentleman Richard Dalloway. Sie entschied sich für den Gentleman.
Den jungen Septimus Warren Smith quälen Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg, an die Schützengräben und Explosionen, an den Tod. Seine Frau sucht ärztliche Hilfe für den psychisch kranken Mann. Doch niemand kann ihn vor Selbstvorwürfen retten, er begeht Selbstmord.
Obgleich Clarissa Dalloway dem Soldaten nie begegnete, hat sein tragisches Ende dennoch Einfluß auf sie. Abends empfängt sie an der Seite ihres Gatten die Gäste, darunter auch Peter Walsh und Sally, die sie Jahrzehnte nicht gesehen hat. Die perfekte Gastgeberin sorgt für gute Stimmung. Als sie vom Tod des Unbekannten erfährt, führt das zur Katharsis, realisiert sie plötzlich ihr eigenes Schicksal, ihre unerfüllten Wünsche, ihr in Wahrheit ungelebtes Leben.
"Mrs. Dalloway" ist ein Film der leisen Töne, eine Reise in eine andere Zeit, eine fast kontemplative Betrachtung der Suche nach und die Angst vor dem Glück. Marleen Gorris erzählt von verkrusteten Strukturen einer Gesellschaft, von einer Frau, die aus Furcht vor der unkalkulierbaren Freiheit den "Goldenen Käfig" wählte. Clarissas Reflexion über das Sein als Mrs. Richard Dalloway ist gekennzeichnet durch Schmerz, Trauer und Selbsterkenntnis, auch wenn sie zuletzt ihr Schicksal, in dem jeder Tag "in Falschheit, Lügen und Geschwätz versank", akzeptiert. Zwar hat "Mrs. Dalloway" vielleicht nicht die urwüchsige Kraft und den Optimismus von "Antonias Welt" und ist auch schwerer zugänglich, entwickelt aber dennoch eine Faszination, vor allem durch Vanessa Redgrave als Heroin zwischen Stärke und Schwäche. Schon aufgrund des Renommées der Regisseurin sollte ein Erfolg in Häusern mit Arthouse-Konzept garantiert sein. mk.
| Darsteller: | Vanessa Redgrave | als Mrs. Dalloway | |
|---|---|---|---|
| Natascha McElhone | als Die junge Clarissa Dalloway | ||
| Rupert Graves | als Septimus Warren Smith | ||
| Michael Kitchen | als Peter Walsh | ||
| John Standing | als Richard Dalloway | ||
| Alan Cox | als Der junge Peter Walsh | ||
| Lena Headey | als Die junge Sally Seton | ||
| Margaret Tyzack | als Lady Bruton | ||
| Sarah Badel | als Lady Rosseter | ||
| Amelia Bullmore | als Rezia Warren Smith | ||
| Regie: | Marleen Gorris | ||
| Drehbuch: | Eileen Atkins | ||
| Produzent: | Stephen Bayly | ||
| Lisa Katselas Paré | |||
| Koproduzent: | Chris J. Ball | ||
| William Tyrer | |||
| Simon Curtis | |||
| Bill Shepherd | |||
| Buchvorlage: | Virginia Woolf | ||
| Kamera: | Sue Gibson | ||
| Schnitt: | Michiel Reichwein | ||
| Robin Sales | |||
| Musik: | Ilona Sekacz | ||
| Produktionsdesign: | David Richens | ||
| Alison Wratten | |||
| Nik Callan | |||
| Kostüme: | Judy Pepperdine | ||
| Ton: | Peter Glossop | ||
| Brian Simmons | |||
In ihrem neuen Film "The Hours" hat Julianne Moore eine Liebesszene mit einer Kollegin. Und die hübsche July ist im wahrsten Sinne des Wortes auf den Geschmack gekommen.
Das mag aber auch an Toni Collette gelegen haben. Die "Fiona" aus "About a Boy" war nämlich die Glückliche, an deren Lippen Julianne knabbern durfte. Und das Fazit von Ms. Moore fällt eindeutig aus:
"Sie hat so gut deduftet. Wenn du einen Mann küsst, weißt du nie, wie er riechen oder schmecken wird - da musst du auf alles gefasst sein. Aber wenn du eine Frau küsst, kannst du sicher sein, dass sie gut riechen wird. Und es ist viel weicher, einfach wunderbar."
Dass Julianne in "The Hours" (ab 27.03.03 im Kino) die Nase von Männern voll hat, ist allerdings kein Wunder. Sie ist so in ihre ach so heile Familienwelt und Rolle als ergebene Gattin eingespannt, dass ein kleines sexuelles Abenteuer wie eine Erlösung erscheint:
"Es ist ein sehr liebevoller, sehr inniger und sehr erotischer Kuss", beschreibt Moore die fragliche Szene.
Am Set ist das Ganze allerdings wesentlich weniger erotisch, als es später auf der Leinwand wirkt, wie die rassige Rothaarige zu berichten weiß:
"Natürlich gibt es beim Dreh nie wirklich Sex - und wenn, dann hat man nicht die Freiheiten wie zu Hause: Man kann es nicht auf dem Boden oder im Stehen tun und man ist nie völlig nackt - das ließe sich alles nicht gut filmen. Außerdem hat man noch nicht mal immer feine Wäsche an."
Womit auch die Gepflogenheiten im Hause Moore ausreichend beleuchtet sein dürften.
Moore ist übrigens nicht die einzige Rothaarige in "The Hours": Sie spielt neben den Hochkaräterinnen Nicole Kidman und - zwar blond, aber ebenso hochkarätig - Meryl Streep.
Vorlage ist ein mit dem Pulitzer Preis augszeichneter Roman von Michael Cunningham. Er erzählt das Schicksal dreier Frauen zu drei verschiedenen Zeiten in der Geschichte. Alle drei erleben eine persönliche Grenzsituation:
Kidman spielt die Autorin Virginia Woolf, als sie ihr Meisterwerk "Mrs. Dalloway" schreibt und über Selbstmord nachdenkt. Moore soll als brave Hausfrau im Jahre 1949 eine Party für ihren Mann vorbereiten, kann sich aber nicht von Woolfs fesselndem Roman lösen. In der Gegenwart bereitet Meryl Streep eine Party für einen berühmten Autor vor (Ed Harris), der kurz davor steht, an AIDS zu sterben.
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