Originaltitel: Madeo
Südkorea 2009
Regie: Bong Joon-ho
Verleih: MFA (24 Bilder)
Als ein Schulmädchen ermordet aufgefunden wird, verdächtigen die Behörden des Provinzorts Do-jun, einen geistig verwirrten Mann, der mit seiner Mutter zusammenlebt. Sie bringen Do-jun dazu, ein Geständnis zu unterschreiben. So können die nachlässig ermittelnden Beamten den Fall bequem ad acta legen. Doch sie haben nicht mit der Hartnäckigkeit der Mutter von Do-jun gerechnet. Nachdem auch der arrogante Anwalt sie im Stich lässt, beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln.

Südkoreanische Krimigroteske, mit der "The Host"-Regisseur Bong Joon-Ho stilvoll und absurd über die tragischen Folgen von Mutterliebe räsoniert.
Mit dem Monsterhit "The Host" empfahl sich Bong nicht nur am asiatischen Boxoffice für höhere Weihen, sondern zeigte sich auch als virtuoser Stilist, der er auch in seinem abermals nicht nur in Korea erfolgreichen neuen Film bleibt. Das auf das TV-Idol Kim Hye-ja zugeschnittene Werk entzieht sich lässig allen Kategorisierungen, ziert sich mit zahlreichen Preisen und dem Titel des offiziellen Landesbeitrags für den diesjährigen Auslandsoscar. Die schräge Familienkonstellation aus Bongs Vorgänger erlebt ihre würdige Steigerung mit der bizarren Symbiose einer Witwe (Kim) mit ihrem geistig behinderten, erwachsenen Sohn Do-jun. Der ist permanent verwirrt und vergesslich, weshalb er nicht nur für seinen Kumpel einen idealen Sündenbock darstellt.
Als ein Schulmädchen in der Provinzstadt ermordet aufgefunden wird, gerät Do-jun ins Visier der lokalen Behörden und unterzeichnet ein Geständnis - mit fast derselben Situation begann ebenfalls "Memories of Murder", mit dem Bong vor sieben Jahren erstmals über Landesgrenzen hinweg auffällig wurde. Auch diesmal legen die nachlässig ermittelnden Beamten den Fall bequem ad acta und den Jungen in Ketten. Doch Bong schildert das nicht aus Polizeisicht, sondern aus der Perspektive von Do-juns überfürsorglicher und nun verzweifelter Mutter, die vom arroganten Anwalt und allen anderen im Stich gelassen wird. Die Indizien gegen ihren sensiblen Sohn sind dünn, deshalb beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln. Kim Hye-ja, die Grande Dame des koreanischen Fernsehens legt ihre Rolle als grandiose Mischung aus Miss Marple und Mutter Courage an. Was die mittellose, aber unbeirrbare Frau nach und nach aufdeckt, ist ein wahrlich Schrecken erregendes Ergebnis, das Bong in einer bitterbösen Farce erzählt. Bong lässt sich Zeit und gönnt jeder Figur stilvolle Auftritte, die tragikomisch, satirisch und grotesk ausfallen, aber stets so subtil bleiben, dass nichts in diesem Psychokrimi überbordet. Graduelle Verwandtschaften zu Dürrenmatt ("Es geschah am helllichten Tag") und Dostojewski ("Der Idiot") bleiben unaufdringlich in dem Porträt über den Wahnsinn einer Gesellschaft, die permanent vom eigenen Brudervolk und dessen durchgeknallten Diktator bedroht wird. Hintergründige Cine-Feinkost mit einer großen One-Woman-Show. tk.
| Darsteller: | Kim Hye-ja | als Yoon Hye-ja | |
|---|---|---|---|
| Won Bin | als Yoon Do-jun | ||
| Jin Ku | als Tae Jin | ||
| Regie: | Bong Joon-ho | ||
| Drehbuch: | Park Eun-kyo | ||
| Bong Joon-ho | |||
| Produzent: | Miky Lee | ||
| Seo Woo-sik | |||
| Park Tae-joon | |||
| Koproduzent: | Katharine Kim | ||
| Moon Yang-kwon | |||
| Buchvorlage: | Bong Joon-ho | ||
| Kamera: | Hong Kyung-pyo | ||
| Schnitt: | Moon Sae-kyoung | ||
| Bong Joon-ho | |||
| Musik: | Lee Byeong-woo | ||
| Produktionsdesign: | Ryu Seong-hie | ||
| Kostüme: | Choi Se-yeon | ||
| Maske: | Hwang Hyun-kyu | ||
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