Originaltitel: Miss Congeniality
USA 2000
Sandra Bullock
Sir Michael Caine
Benjamin Bratt
Regie: Donald M. Petrie
Verleih: Warner
Weil ein den Behörden bekannter Terrorist droht, beim nationalen Schönheitswettbewerb eine Bombe zu zünden, schickt der junge FBI-Agent Eric seine Kollegin Gracie los zum Undercover-Einsatz. Ausgerechnet Gracie: Die ist die burschikoseste Frau im ganzen Büro und muss erst einmal einem gründlichen Makeover unterzogen werden, bevor sie zum Job antritt.

Ungepflegt. Unpoliert. Unaufhaltsam. Undercover. Alles Attribute, die laut US-Filmposter auf die von Sandra Bullock gespielte FBI-Agentin Gracie Hart zutreffen. Als hässliches Entlein wandelt sich der Publikumsliebling in seiner effektivsten Komödie seit "Während Du schliefst" zum schönen Schwan, um nach einer Terroristendrohung beim Miss Amerika Schönheitswettberb an den Start zu gehen. Nach "Auf die stürmische Art" und "28 Tage" übt sich Amerikas Fräulein Freundlichkeit in der romantischen Slapstick-Komödie einmal mehr nicht nur als Hauptdarstellerin, sondern auch als Produzentin - in den USA mit Erfolg: Wenn sich die Zahlen halten, könnte der solide Spaß von Donald Petrie Bullocks Tophit werden.
Der Prolog zeigt Agentin Gracie Hart als schlagkräftiges Mädchen auf dem Schulplatz und gibt Aufschluss darüber, weshalb sie als Erwachsene einen völlig unfemininen Schutzpanzer angenommen hat. Sie bevorzugt Männeranzüge, ungebändigte Haare, kein Makeup, ihre Tischmanieren lassen zu wünschen übrig, und beim Lachen gibt sie lediglich Grunzlaute von sich. Als ein den Behörden bekannter Terrorist droht, beim nationalen Schönheitswettberb eine Bombe zu zünden, wird die kumpelhafte Gracie von ihrem Kollegen Eric Matthews (Julia Roberts' Verlobter Benjamin Bratt) ausgewählt, den Terrorakt undercover zu unterbinden. Die Organisatoren des Wettbewerbs, die zickige ehemalige Schönheitskönigin Kathy Morningside (Candice Bergen) und Stan Fields ("Captain Kirk" William Shatner vergnüglich als strohdoofer Moderator), sind von der Idee wenig begeistert. Doch mit Hilfe des exaltierten Konsultanten Victor Melling (Oscar-Gewinner Michael Caine scheint einem "Käfig voller Narren" entflogen zu sein) und einem Team von Visagisten und Stylisten wird aus dem "hoffnungslosen Fall" eine strahlende Schönheit. Und die ebenso patente wie ungraziöse (sie stolpert ständig über ihre eigenen Füße) Gracie entwaffnet nicht nur einen (falschen) Verdächtigen, sondern beseitigt auch eventuelle Zweifel, nicht die richtige Frau für den Job zu sein.
Die folgende Plotkonstruktion um Rache und Intrigen in dieser gut gelaunten Mischung aus "Vorher-Nachher-Show" und "Stirb langsam" ist ungefähr so dürftig ausgefallen wie die Taillen der Wettbewerbsteilnehmerinnen. Doch Bullock versteht es, das dahinstotternde Komödien-Gefährt allein unter Einsatz ihres beträchtlichen Charmes und komischen Talents voranzutreiben. Donald Petrie ist kein Filigran-Regisseur. Er ist eher als inszenatorisches Äquivalent der burschikosen Gracie zu bezeichnen - und daher goldrichtig für den Job: Wie schon in seinem letzten Film, "Der Onkel vom Mars", serviert er die Pointen regelmäßig in Holzhammermanier. Aber manchmal ist so ein Mann fürs Grobe genau richtig am Platz, zumal "Miss F.B.I" mehr auf Slapstick als auf ziselierte Verbalkomik setzt. Die sich anbahnende Romanze zwischen Gracie und Eric wird daher auch vernachlässigt. Leichter tut sich Petrie da schon mit den freundschaftlichen Beziehungen zu Gracies Konkurrentinnen, die denn auch einen größeren Teil des Films einnehmen. Während sich die Fernsehausstrahlung der letzten US-Schönheitswahl mit den bislang niedrigsten Einschaltquoten zufrieden geben musste und zwei ebenfalls im Milieu der Schönheitsköniginnen angsiedelten schwarze Komödien, "Gnadenlos schön" und "Beautiful" nicht allzu hübsche Zahlen schrieben, versteht es das Bullock-Starvehikel, sich durchzusetzen: Das Makeover des kumpelhaftesten Girls Hollywoods diesseits von Drew Barrymore kommt an. Und Deutschland war von jeher ein gutes Pflaster für Sandra. ara.
| Darsteller: | Sandra Bullock | als Gracie Hart | |
|---|---|---|---|
| Sir Michael Caine | als Victor Melling | ||
| Benjamin Bratt | als Eric Matthews | ||
| William Shatner | als Stan Fields | ||
| Ernie Hudson | als McDonald | ||
| John DiResta | als Clonsky | ||
| Candice Bergen | als Kathy Morningside | ||
| Heather Burns | als Cheryl "Rhode Island" | ||
| Steve Monroe | als Frank | ||
| Melissa De Sousa | als Karen "New York" | ||
| Regie: | Donald M. Petrie | ||
| Drehbuch: | Marc Lawrence | ||
| Produzent: | Sandra Bullock | ||
| Ausf. Produzent: | Marc Lawrence | ||
| Ginger Sledge | |||
| Bruce Berman | |||
| Kamera: | László Kovács | ||
| Schnitt: | Billy Weber | ||
| Musik: | Edward Shearmur | ||
| Produktionsdesign: | Peter S. Larkin | ||
| Ray Kluga | |||
| Kostüme: | Susie de Santo | ||
| Ton: | John Patrick Pritchett | ||
Es ist der Traum jedes Schauspielers: einmal den Oscar gewinnen und danach so richtig durchstarten! Doch die diesjährige Favoritin Sandra Bullock macht's genau andersherum, sie hat erstmal alle Filmpläne gestoppt.
Steht vor dem Oscar wie das Kaninchen vor der Schlange: Sandry Bullock (Foto: Kurt Krieger)
Bei Sandra Bullock ist das sicher keine Koketterie. Immerhin hat sie in über zwanzig Jahren Hollywood-Karriere und nach Megaerfolgen als Komödienstar in "Miss Undercover", "Ein Chef zum Verlieben" und zuletzt "Selbst ist die Braut" schon so ziemlich alles erlebt. Dass sie nun aber für eine ernste Rolle in "Blind Side - Die große Chance" erstmals für einen Oscar nominiert ist, bringt Sandra doch aus der Fassung:
"Ich habe noch nie in meinem Leben solche Angst gehabt", gesteht Sandra Bullock. "Irgendwie fragt man sich 'Was soll ich danach nur tun?' Dieser Moment ist unvergleichlich, in dieser Chance steckt eine derartige Energie, dass ich beschlossen habe mich überhaupt nicht mehr mit Arbeit zu beschäftigen, bis die Oscars vorbei sind."
Im Klartext heißt das, dass Sandra Bullock derzeit sämtliche Rollenangebote ausschlägt. Das soll aber kein Dauerzustand sein. "Ich will noch zehn bis fünfzehn Jahre hart in diesem Geschäft arbeiten. Wenn mir das jetzt dabei hilft, dann bin ich bereit für alles!"
In der Tat gilt Sandra Bullock bei US-Experten als Favoritin für den Hauptrollen-Oscar. Ihr Drama "Blind Side", in dem sie nach einer wahren Geschichte ein scheinbar chancenloses schwarzes Football-Talent unterstützt, war DER Überraschungserfolg in den amerikanischen Kinos und liegt auch thematisch voll auf Academy-Linie. Anders als bei Sandra Bullocks bisherigen Ausflügen ins Charakterfach wie in "28 Tage", "Mord nach Plan" oder "Die Vorahnung" gab's diesmal auch von der Kritik großes Lob. Sandra Bullocks größte Konkurrentinnen sind Meryl Streep für "Julie & Julia" und Helen Mirren für "Ein russischer Sommer", die haben aber beide bereits Goldjungen im Schrank. Den Jungstars Carey Mulligan für "An Education" und Gabourey Sidibe für "Precious" werden nur Außenseiterchancen eingeräumt.
Es wird spannend, ob Sandra Bullock sich im Fall eines Sieges ausschließlich noch ernsten Rollen verschreibt, oder ob sie ihre Fans zumindest gelegentlich auch weiter als sympathische Spaßmacherin verzückt.
Patent, ein guter Kumpel, mit dem man Pferde stehlen kann, energisch und gleichzeitig das sexy Mädchen von nebenan: So trat Sandra Bullock...
Was ihm mit den Verkörperungen des intellektuellen britischen Geheimagenten Harry Palmer in drei Kinofilmen ("Ipcress - streng geheim...
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.