Fantastisches Abenteuer, in dem Dany Boon als gewitzter Held mit einer Gruppe skurriler Außenseiter den Granden der Waffenindustrie auf der Nase herumtanzt. http://images.kino.de/flbilder/max10/auto10/auto20/10200679/b150x150.jpg Micmacs - Uns gehört Paris!

Filmdetails

Micmacs - Uns gehört Paris!

Fantastisches Abenteuer, in dem Dany Boon als gewitzter Held mit einer Gruppe skurriler Außenseiter den Granden der Waffenindustrie auf der Nase herumtanzt.


Micmacs - Uns gehört Paris!
Start: 22.07.2010

Originaltitel: Micmacs à tire-larigot

Komödie

Frankreich 2009
Laufzeit: 104 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Dany Boon
Julie Ferrier
André Dussollier

Regie: Jean-Pierre Jeunet
Verleih: Studiocanal

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Inhalt

Durch eine Landmine verliert der kleine Bazil seinen Vater und auch die Mutter, die den Tod ihres Mannes nicht verkraftet. Der Junge landet im Heim. 20 Jahre später trifft ihn als Videoverkäufer eine verirrte Pistolenkugel in den Kopf. Als Wohnungsloser wird er von einer Gruppe von Außenseitern aufgenommen, die zu einer Ersatzfamilie für ihn wird. Als Bazil zufällig auf die Waffenkonzerne stößt, die für den Tod seines Vaters und seine Kugel im Kopf verantwortlich sind, schmiedet er mit seinen neuen Freunden einen Plan, die konkurrierenden Waffenhändler gegeneinander auszuspielen.


Kritik

Micmacs - Uns gehört Paris!

In Jean-Pierre Jeunets fantastischem Abenteuer tanzt Dany Boon als gewitzter Held mit einer Gruppe von skurrilen Außenseitern den Granden der Waffenindustrie auf der Nase herum.

Der Kampf zwischen David und Goliath, zwischen dem Schwachen und Starken, daraus lassen sich die besten Kinogeschichten spinnen. Das passende Thema für Jean-Pierre Jeunet, der hier wie Tim Burton oder einst Jacques Tati in ein ganz spezielles Reich der Fantasie entführt. Der Regisseur von "Die fabelhafte Welt der Amélie" und "Mathilde - Eine große Liebe" kehrt vor allem optisch zurück in die Welt von "Delicatessen" und "Die Stadt der verlorenen Kinder", nur dass hier der Ton nicht düster, sondern von einer neuen Leichtfüßigkeit und Unbeschwertheit geprägt ist, auch wenn der Anfang Unheil verheißt.

Durch eine Landmine in den 1970er Jahren in Nordafrika verliert der kleine Bazil seinen Vater und auch die Mutter, die den Tod ihres Mannes nicht verkraftet. Der Junge landet im Heim, büchst aus und Schnitt. 20 Jahre später trifft den harmlosen Videoverkäufer eine verirrte Pistolenkugel in den Kopf. Die Kugel bleibt drin, entscheiden die Ärzte nach dem Münzwurf der OP-Schwester. Ein früherer Kleinkrimineller liest den Job- und Wohnungslosen auf der Straße auf und nimmt ihn mit zu einer Gruppe von Außenseitern in einer Art Ali-Baba-Schrotthöhle. Die neue Familie gibt ihm Kraft und als er zufällig auf die zwei Waffenkonzerne stößt, die für den Tod seines Vaters und seine Kugel im Kopf verantwortlich sind, schmieden die Freunde einen Plan, die konkurrierenden Waffenhändler (Nicolas Marié und André Dussollier) gegeneinander auszuspielen.

Was folgt ist purer Kintopp in seiner schönsten Form. Wie das Trüppchen die "Mission Impossible" meistert, wird zum Ausflug in ein von Braun-, Grün- und Blautönen dominiertes imaginäres Imperium aus Poesie, Bastelfreude und Komik mit kleinen Anspielungen auf die Rachegeschichten von Sergio Leone und einer Verbeugung vor dem großen Charlie Chaplin. Pate stand der poetische Realismus von Jacques Prévert und Marcel Carné. Jeunet, der den fünften "Harry Potter"-Film absagte, weil da Dekors und Kostüme schon feststanden, spielt wie ein großer Junge mit dem Stilbaukasten und feiert die Lust an der grenzenlosen Fantasie, bringt aber auch - wenn es um die Ziele und Argumente der Waffenfabrikanten geht - Authentizität in die Dialoge. Paris erstrahlt in einer Mischung aus nostalgischem Charme und einem architektonischen Stilmix, wirkt fast märchenhaft mit seinen nächtlichen leeren Straßen. Ein bestens gelungener Kontrast zur Jetztzeit ist am Ende die Entlarvung der Bösewichte auf YouTube. Dany Boon in der Rolle des melancholischen zwischen Kindheit und Erwachsensein schwankenden Bazil beweist in dieser anrührenden Komödie, dass er weit mehr kann als bei den Sch'tis die Ulknudel zu mimen. mk.

Micmacs - Uns gehört Paris!

Darsteller:  Dany Boon   als Bazil
  Julie Ferrier   als Mademoiselle Kautschuk
  André Dussollier   als Nicolas Thibault de Fenouillet
  Nicolas Marié   als François Marconi
  Jean-Pierre Marielle   als Canaille
  Yolande Moreau   als Cassoulet
  Omar Sy   als Remington
  Dominique Pinon   als Bricabrac
  Michel Crémadès   als Petit Pierre
  Marie-Julie Baup   als Calculette
  Urbain Cancelier   als Nachtwächter
  Patrick Paroux   als Gerbaud
  Jean-Pierre Becker   als Libarski
  Stéphane Butet   als Mateo
  Philippe Girard   als Gravier
  Doudou Masta   als Chef der Rebellen
  Eric Naggar   als Fahrer von Marconi
  Arsène Mosca   als Serge
  Noé Boon   als Bazil, jung
 
Regie:  Jean-Pierre Jeunet  
Drehbuch:  Guillaume Laurant  
  Jean-Pierre Jeunet  
Produzent:  Frédéric Brillion  
  Gilles Legrand  
  Jean-Pierre Jeunet  
Kamera:  Tetsuo Nagata  
Schnitt:  Hervé Schneid  
Produktionsdesign:  Aline Bonetto  
Kostüme:  Madeleine Fontaine  
Ton:  Jean Umansky  

"Ich will wie bei 'Alien 4' arbeiten, nicht wie bei 'Harry Potter'!"

Mit "Delicatessen", "Alien 4" und "Die fabelhafte Welt der Amélie" erwies sich Jean-Pierre Jeunet als Meister der ganz besonderen Bilder. Für seine schwarze Komödie "Micmacs" arbeitete er mit dem Star aus dem Toperfolg "Willkommen bei den Sch'tis" zusammen.

Großansicht Jean-Pierre Jeunet setzt in "Micmacs - Uns gehört Paris!" auf poetischen Realismus und einen fulminanten Dany Boon als wunderlichen Außenseiter (Foto: Kinowelt)

Jean-Pierre Jeunet setzt in "Micmacs - Uns gehört Paris!" auf poetischen Realismus und einen fulminanten Dany Boon als wunderlichen Außenseiter (Foto: Kinowelt)

Ist Ihr Film eine Rückkehr zu den Ursprüngen von "Delicatessen" und "Die Stadt der verlorenen Kinder"?
JEAN-PIERRE JEUNET: Ich mag die Realität nicht so filmen, wie sie ist, sondern im Sinne des poetischen Realismus der 1940er Jahre, mit ganz eigenen Dialogen, Licht und Farben, Humor und Fantasie. Mir kam es auch in "Delicatessen" und "Die Stadt der verlorenen Kinder" darauf an, ein ganz spezielles Universum zu erfinden, das sollte man aber nicht ins Fantastische einordnen, das mag ich - im Gegensatz zu Science Fiction - überhaupt nicht. "Micmacs" könnte auch in der Gegenwart spielen.

Woher schöpfen Sie die Ideen zu diesem Bilderreichtum?
Der ist für mich ganz normal. Ich mache mir ständig Notizen und bei einer konkreten Filmidee öffne ich das Schatzkästlein und gucke, was ich verwerten kann. Das macht mein Koautor Guillaume Laurent genauso. Wir entwickeln gemeinsam ganz traditionell das Gerüst des Films, ich mehr auf der visuellen, er auf der Dialog-Seite. Das funktioniert wie ein Pingpongspiel. Diesmal machte uns die Konzeption Kopfzerbrechen, in einem Moment stimmte das Gleichgewicht zwischen Tragik und Komödie nicht mehr.

Sie tüfteln gern?
Ich bastele herum, bis alles passt. Dabei spiele ich gerne auf der Klaviatur des Möglichen, mische überall mit, vom Storyboardpapier bis zur Farbkorrektur, auch wenn ich meinem festen Team vertraue.

Wie war die Zusammenarbeit mit Dany Boon, der selbst Regisseur ist?
Erst wollte er nicht, weil ich die Rolle für Jamel Debbouze geschrieben hatte, der eine andere Statur hat. Darum ging es mir gar nicht so, viel wichtiger war dieses Kindliche im Charakter. Wir haben ein wenig geprobt und uns bestens amüsiert. Und schwupp war Dany Boon im Boot. Manche Szenen sind von ihm inspiriert. Er lässt aber nicht den Regisseur raushängen und kritisiert nicht, weil er weiß, in welcher Klemme man in dieser Position geraten kann.

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Reizte Sie nach "Alien - Die Wiedergeburt" nicht eine Karriere in USA?
In Frankreich genieße ich totale künstlerische Freiheit und muss nicht um Geld betteln. Das will ich nicht aufgeben. Natürlich erreiche ich weniger Zuschauer als mit einer amerikanischen Produktion, das ist ein Wermutstropfen. Ich habe meine persönlichen Vorstellungen, deshalb habe ich auch "Harry Potter und der Orden des Phönix" abgesagt. In einem schon vorgegebenen Universum zu arbeiten, wo Besetzung, Kostüme und Dekor feststehen, ödet mich an. Wo bleibt da meine eigene Handschrift? Nur Regie ist mir zu wenig. Die Alien-Welt dagegen war eine tolle Herausforderung, ich konnte meine Ideen einbringen. Vielleicht drehe ich das nächste Mal wieder in englisch, ich bin ziemlich offen. Ein Film nimmt einige Jahre in Anspruch, deshalb stürze ich mich nicht gleich Hals über Kopf ins nächste Abenteuer.

Auch wegen Ihres Schiffbruchs bei "Schiffbruch mit Tiger"?
Zwei Jahre habe ich mich damit beschäftigt, wie verrückt recherchiert und Drehorte gesucht, ein tolles Drehbuch für Fox geschrieben, mit der bei "Alien" alles glatt lief. Es gab sogar schon ein gezeichnetes und ein fotografiertes Storyboard. Die Kosten waren den Herren zu hoch, und unser Vorschlag in Europa zu arbeiten, scheiterte wegen des damaligen hohen Euro-Kurses. Es ärgert mich nicht, wenn Ang Lee das Projekt realisiert, ich bin nur traurig, dass mein Drehbuch und meine Vorarbeit nicht genutzt wird.

Das Budget von "Micmacs" war für einen französischen Film sehr hoch.
Wir hatten Glück. Warner zeigte sich bei "Mathilde - Eine große Liebe" als Produzent sehr großzügig und agiert hier als Koproduzent und Verleih, übernahm auch den DVD-Vertrieb. An der Zusammenarbeit gibt es nichts zu mäkeln. Große Budgets sind immer schwieriger in Frankreich zu finanzieren. Ich sehe das nicht als Katastrophe, sondern denke schon länger darüber nach, billiger und schneller mit Handkamera auf HD zu drehen. Zu 18-wöchigen Dreharbeiten fehlt mir inzwischen die Lust. Kreativen und technischen Änderungen verschließe ich mich nicht.

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Dany Boon

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