Virtuos gefilmtes Familien-Drama um die tiefen Narben der Sklaverei nach Toni Morrisons preisgekröntem Roman. http://images.kino.de/flbilder/max05/auto05/auto18/05180150/b150x150.jpg Menschenkind

Filmdetails

Menschenkind

Virtuos gefilmtes Familien-Drama um die tiefen Narben der Sklaverei nach Toni Morrisons preisgekröntem Roman.


Menschenkind
Start: 15.04.1999

Originaltitel: Beloved

Drama

USA 1998
Laufzeit: 171 Min.
FSK: ab 16 Jahre

Oprah Winfrey
Danny Glover
Thandie Newton

Regie: Jonathan Demme
Verleih: Buena Vista

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Action
Humor
Romantik
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Inhalt

Von ihrem Mann und den beiden Söhnen verlassen, lebt Sethe ein freudloses Leben als Ausgestoßene, läßt die Heimsuchungen eines Poltergeistes über sich ergehen, weil sie in ihm eine Manifestation ihrer als Kleinkind verstorbenen älteren Tochter vermutet. Da platzt ein ehemaliger Sklave und ein in Schwarz gekleidetes, von Fliegen umschwirrtes Mädchen in ihr Leben. Sie heißt Beloved und spricht mit tiefer Grabesstimme.


Kritik

Menschenkind

Mehr als zehn Jahre ließ TV-Superstar Oprah Winfrey verstreichen, um nach "Die Farbe Lila" wieder vor Filmkameras zu treten: Erneut hat sich die in den USA allgegenwärtige Medienikone ein Familienepos ausgesucht, das die Historie der Sklaverei und ihre tragischen Auswirkungen auf die Existenz einer Schwarzenfamilie behandelt, und erneut hatte Winfrey - hier mit Jonathan Demme ("Philadelphia") - einen ausgewiesenen Meisterregisseur zur Seite, der die Vorlage von Nobelpreisträgerin Toni Morrison wie einen zum Zerreißen angespannten Mix aus "Amistad" und "Das Geisterhaus" inszenierte. Im Zickzackkurs springt Demme durch das Leben der ehemaligen Sklavin Sethe, um die erschreckenden Ereignisse in ihrem Haus am Rande der erblühenden Industriestadt Cincinnatti auszuloten und mit einem Höchstmaß an Intensität zu erzählen: Jahre nach dem schlaglichtartig wie Bilder aus der Hölle beleuchteten Unmenschlichkeit der Sklaventreiber, die Sethe als traumatisierte und aufgrund eines dunklen Geheimnisses von der afroamerikanischen Gemeinde geschnittenen Frau hinterlassen haben, setzt die Handlung ein.

Von ihrem Mann und ihren beiden Söhnen verlassen, lebt Sethe ihr freudloses Leben als Pariah und läßt selbst die ständig wiederkehrenden Heimsuchungen eines bösartigen Poltergeistes fatalistisch über sich ergehen, weil sie in ihm eine Manifestation ihrer als Kleinkind verstorbenen älteren Tochter vermutet. Die Monotonie von Sethes trister Existenz wird unterbrochen, als zunächst Paul D., ein ehemaliger Sklave, der ihr - erfolgreich - den Hof macht, und kurz darauf ein geheimnisvolles, ganz in Schwarz gekleidetes und von Fliegen umschwirrtes Mädchen in ihr Leben platzen. Sie nennt sich Beloved, spricht mit tiefer Grabesstimme und verfügt über einen Heißhunger, der sie alles in sich hineinstopfen läßt, was man ihr vorsetzt. Anders als die weitaus ambivalenter angelegte Romanvorlage läßt Demme von der ersten Minute keinen Zweifel daran, wes Geistes Kind Beloved ist: Als von den Toten auferstandene Tochter Sethes ist sie gekommen, um das Leben ihrer Mutter zu zerstören. Erst als Sethes wie eine dunkle Wolke über ihrem Dasein hängendes Geheimnis - zu spät für ihre Rettung - offenbar wird, kann die schwarze Gemeinde Beloved exorzieren. Kein Zweifel, "Beloved" ist virtuos gefilmt von Demme und seinem brillanten Hauskameramann Tak Fujimoto. Anders als Spielberg, der für "Amistad" einen zu akademischen Ansatz wählte, indem er Weiße über das Schicksal der Afrikaner um Djimon Honsou debattieren ließ, wählt Demme eine hermetisch nach innen abgeriegelte Sicht auf vom Wahnsinn der Sklaverei grausam vernarbte Seelen, die vom täglichen Horror ihrer Existenz zu Unaussprechlichem getrieben werden. So gesehen ist diese dreistündige Irrfahrt ein Triumph, ein emotionaler, intimer Rapport über das dunkelste Kapitel der amerikanischen Geschichte, das sich nicht von seinen Gefühlen überwältigen läßt. Als Drama scheitert Demmes Fegefeuer jedoch: Zu offensichtlich und enervierend ist die wiederauferstandene, in einer zugegeben mutigen Performance von Thandie Newton ohne einen Hauch von Eitel dargestellten Titelfigur, als daß man ihr den Zauber abnehmen würde, den sie auf ihre Mutter und ihre Umwelt ausübt. Daß Winfrey ihre schwierige Rolle so schwerwiegend anlegt, daß die oft hart an den Rand einer Persiflage driftet, macht es schwierig, sich mit ihrer zentralen Figur in einem Maße zu identifizieren, wie es ein anstrengender, komplexer Stoff wie dieser verlangt. Sensationell ist hingegen Kimberly Elise als Sethes jüngere Tochter Denver, die das Ruder in der letzten halben Stunde übernimmt und den Film als Verzweiflung gegen das Schicksal stemmt und aus dem Konflikt als gewachsen Persönlichkeit hervorgeht, hebt "Beloved" - endlich - ab. Zu spät vielleicht, wie die enttäuschenden Boxoffice-Zahlen in den USA belegen mögen. ts.

Menschenkind

Darsteller:  Oprah Winfrey   als Sethe
  Danny Glover   als Paul D
  Thandie Newton   als Beloved
  Kimberly Elise   als Denver
  Beah Richards   als Baby Suggs
  Lisa Gay Hamilton   als junge Sethe
  Albert Hall   als Stamp Paid
  Irma P. Hall   als Ella
  Carol Jean Lewis   als Janey Wagon
  Kessia Kordelle   als Amy Denver
  Jude Ciccolella   als Lehrerin
  Anthony Chisholm   als Langhorne
  Dorothy Love Coates   als M. Lucille Williams
  Jane White   als Lady Jones
  Jason Robards   als Mr. Bodwin
 
Regie:  Jonathan Demme  
Drehbuch:  Akosua Busia  
  Richard LaGravenese  
  Adam Brooks  
Produzent:  Edward Saxon  
  Jonathan Demme  
  Gary Goetzman  
  Oprah Winfrey  
  Kate Forte  
Ausf. Produzent:  Ron Bozman  
Buchvorlage:  Toni Morrison  
Kamera:  Tak Fujimoto  
Schnitt:  Carol Littleton  
  Andy Keir  
Musik:  Rachel Portman  
Produktionsdesign:  Kristi Zea  
  Timothy Galvin  
Kostüme:  Colleen Atwood  
Ton:  Willie D. Burton  

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