Stefan Kurt
Claudia Michelsen
Ulrike Krumbiegel
Regie: Norbert Baumgarten
Verleih: Falcom (24 Bilder)
Jürgen Kotschie steht kurz vor seinem 50. Geburtstag. Anstatt jedoch stolz auf die Errungenschaften seines Lebens wie Familie, Haus und guten Job zurückzublicken, fällt er in eine tiefen Krise. Alles kommt ihm sinnlos vor, sogar sein Körper zeigt die ersten unangenehmen Alterserscheinungen. Zu allem Übel taucht auch noch ständig seine ehemalige Geliebte Carmen in seinen Träumen auf. Kotschie, der sonst immer so realistisch und bodenständig ist, wagt einen Ausbruch aus den alten Strukturen.

Sinnkrise mit 50: Liebeswerte und bildstarke Tragikomödie um einen domestizierten Vater, der den Ausbruch aus der Leere wagt.
Nur noch wenige Tage sind es bis zum 50. Geburtstag von Jürgen Kotschie (Stefan Kurt perfekt als Mann ohne Eigenschaften). Da wird es höchste Zeit für die noch ausstehende Midlife Crisis. Wie die sich äußert? Sagen wir es mal so: Wenn Sie Stimmen aus ihrer Kaffeetasse hören, ist das ein sicheres Zeichen für einen mentalen Zusammenbruch.
Der zweite Kinofilm von Norbert Baumgarten ("Befreite Zone") bebildert in eleganten, ausgesucht schönen Einstellungen und Sets das Leben des Architekten - Job, Familie, Heim - als leere Abfolge von belanglosen Floskeln und Zumutungen. Eine Ausgangssituation, wie man sie aus "American Beauty" kennt. Aber Baumgarten setzt andere Schwerpunkte. Hingebungsvoll und liebenswert schildert er den schrägen (Familien)Alltag, zeigt den gutmütigen Trottel Kotschie, wie er mit zickigen Alltagsgegenständen kämpft, ein Slapstick-Männlein, das der Tücke des Objekts unterliegt. Ausgesuchte Kameraperspektiven und farbstarke Bilder ergötzen sich lustvoll am Absurden, stets auf der Suche nach der Pointe.
Wie Kotschie verliert der Film die Bodenhaftung, artet oft in eine ungefährliche Groteske aus, verweilt lange in einem unveränderlichen Dasein, wo Befindlichkeiten nie zur Sprache kommen. Instabilität schleicht sich in Form von symbolstark arrangierten Traumvisionen ein, in denen wiederholt Kotschies ehemalige Geliebte Carmen erscheint. Die Halluzinationen nehmen überhand, und je eher der ausgenutzte Ja-Sager an den Ausbruch denkt, desto mehr regieren bizarre Erlebnisse - übrigens fabelhaft unterlegt vom Soundtrack. In der Odyssee des Anzugträgers mit seinem Audi durch die deutsche Prärie deutet Baumgarten eine schwere Erkrankung und ein mögliches alternatives Leben mit Geliebter und gemeinsamer Tochter an, verlässt aber nicht den Pfad der Harmlosigkeit. Die milde Rebellion tut trotz ernstem Hintergrund nie wirklich weh. Besonders aufgrund der bemerkenswerten künstlerischen Gestaltung mit ihrem amüsant-ironischen Tonfall weiß der federleichte, heitere und lebensbejahende Film zu gefallen. tk.
| Darsteller: | Stefan Kurt | als Jürgen Kotschie | |
|---|---|---|---|
| Claudia Michelsen | als Karin Kotschie | ||
| Ulrike Krumbiegel | als Carmen Schöne | ||
| Axel Werner | als Kotschies Vater | ||
| Max Mauff | als Mario Kotschie | ||
| Margarita Breitkreiz | als Tramperin | ||
| Nele Trebs | als Jenny Schöne | ||
| Henning Peker | als Markwart | ||
| Matthias Matschke | als Chef | ||
| Sven Pippig | als Polier | ||
| Jana Radau | als Sekretärin Schneider | ||
| Robert Gwisdek | als Tramper | ||
| Caroline Dibbern | als Krankenschwester | ||
| Thorsten Ranft | als Chefarzt | ||
| Steffen Mensching | als Manfred Schöne | ||
| Regie: | Norbert Baumgarten | ||
| Drehbuch: | Norbert Baumgarten | ||
| Produzent: | Anke Hartwig | ||
| Koproduzent: | Sven Boeck | ||
| Niklas Bäumer | |||
| Kamera: | Lars Lenski | ||
| Schnitt: | Jürgen Winkelblech | ||
| Produktionsdesign: | Natalja Meier | ||
| Kostüme: | Katrin Berthold | ||
| Maske: | Martina Richter | ||
| Ton: | Marc Meusinger | ||
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