Regie: Oliver Hirschbiegel
Verleih: ottfilm (academy films)
In ihrer Karriere als Schauspielerin hat Marie (Hannelore Elsner) alles erreicht, was eine Künstlerin sich wünschen kann, in privater Hinsicht blieb aber so manche Sehnsucht unerfüllt. Jetzt steht der Diva der Sinn nach einem letzten großen Tapetenwechsel. Während sie in Anwesenheit eines jungen Kameramannes ihre Koffer mit den wenigen Dingen füllt, die ihr wirklich wichtig sind, packt sie richtig aus, lässt die vergangenen Jahre schonungslos Revue passieren und rechnet mit den Männern ab.
Oliver Hirschbiegel, für "Das Experiment" allseits gefeiert, wagt nun selbst ein solches und lässt Hannelore Elsner in einem eindrucksvollen, abendfüllenden Solo-Auftritt alle Register der Charakterdarstellung ziehen.

Eine Ausnahmeschauspielerin, ein experimentierfreudiger Regisseur, ein begnadeter Autor - eine erfolgreiche Kombination. Jedenfalls bei "Mein letzter Film", Oliver Hirschbiegels sensible Inszenierung eines Abschiedsmonologs gehalten von Hannelore Elsner nach Texten von Bodo Kirchhoff. Ein 90minütiges Einpersonenstück ohne eine Sekunde Langeweile. Deutsches Kino mit französischer Rafinesse.
Eigentlich war "Mein letzter Film" eine BR-Fernsehproduktion. Nach dem Erfolg auf dem Filmfest München fasste sich Ott-Film ein Herz und bringt dieses Solo für Hannelore Elsner ins Kino. Und das ist gut so. Denn diese Art von purem - vielleicht auch puristischem - Kino ist ein seltenes Geschenk in Deutschland. Die Kamera richtet sich nur auf eine Person. Die Schauspielerin Marie will ein neues Leben anfangen, nicht mehr nur Rollen spielen, sondern sie selbst sein. Während sie ihre Sachen packt, packt sie aus, rechnet mit Richard ab, ihrem Entdecker, Regisseur und langjährigem Ehemann und "Frauenschläfer", lässt diverse Lieben und Leidenschaften Revue passieren - mal mit leiser Melancholie und einem Hauch von Zärtlichkeit, zumeist aber mit eiskalter Wut oder süffisanter Ironie. Sie muss eine Seelenverwandte von Sam Peckinpah sein, der mal gesagt haben soll "Ich habe Gewalt erfahren, aber nichts hat mich so verletzt wie das Verliebtsein". Die Frau in den besten Jahren hat die Nase voll von Männern - vom untreuen Gatten, der, als sie ihm strahlend von der Schwangerschaft erzählte, nur fragte "schwanger, wieso?", von Liebhabern wie dem Politiker, der an ihrer Schulter den Karriere-Stress ausheulte, oder dem soften Fußballtrainer, der sie mit den Worten verließ "es geht jetzt nicht um uns, es geht um den deutschen Fußball". Jetzt will sie nicht mehr verletzt oder verlassen werden, sondern ihren eigenen Weg gehen. Am Ende der flammenden Ausführungen streift sie die Vergangenheit ab wie eine alte Haut. "Mein letzter Film" ist zuallererst eine exzeptionelle Performance von Hannelore Elsner, die souverän Grenzen des emotional erträglichen austariert, zu Tränen mit der Schilderung des Todes ihrer drei Tage alten Tochter rührt, einem Wunschkind ohne Namen. Sie spielt mit fast archaischer Wucht, wenn tiefer Schmerz über geplatzte Träume und erfrorene Gefühle aus ihr herausbricht. Dabei reißt sie mutig alte Wunden wieder auf, gibt den Blick frei auf die Zerstörung der Seele und demonstriert gleichzeitig eine unbändige Kraft, nicht aufzugeben. Paare sind Festungen, stellt sie im Verlauf des messerscharfen und brillanten Monologs fest (nachzulesen im gleichnamigen Buch erschienen bei der Frankfurter Verlangsanstalt). Sie verlässt diese Festung gefestigt und irgendwie beschwingt, gehört niemandem mehr, nur sich ganz allein. Nach all dem Hera-Lind-Gegackere und Ratschlägen von selbsternannten Beziehungsstrategen endlich mal klare Frauen-Worte. Für Macho-Männer ist dieses unerbittliche Kammerspiel eine Ohrfeige und selbst die schrecklich verständnisvollen Frauenfreunde werden das Gefühl haben, nicht sehr gut weggekommen zu sein. Weibliche Zuschauer sollten sich diesen Kino-Hochkaräter nicht entgehen lassen und ihre Ehemänner, Liebhaber oder Freunde mitnehmen. Ob sie wollen oder nicht. mk.
| Darsteller: | Hannelore Elsner | als Marie | |
|---|---|---|---|
| Wanja Mues | als junger Mann | ||
| Regie: | Oliver Hirschbiegel | ||
| Drehbuch: | Bodo Kirchhoff | ||
| Produzent: | Prof. Hubertus Meyer-Burckhardt | ||
| Ausf. Produzent: | Claudia Schröder | ||
| Kamera: | Rainer Klausmann | ||
| Schnitt: | Martina Matuschewski | ||
| Produktionsdesign: | Christian Bussmann | ||
| Kostüme: | Claudia Bobsin | ||
| Ton: | Kai Lüde | ||
Mit insgesamt neun Auszeichnungen war "Good Bye, Lenin!" der große Abräumer beim Deutschen Filmpreis.
Die Ost/West-Dramödie wurde mit dem Filmpreis in Gold und dem Publikumspreis ausgezeichnet. Auch Hauptdarsteller Daniel Brühl erhielt den Publikumspreis. Er wurde außerdem für seinen Leistungen in "Elefantenherz" und "Good Bye, Lenin!" als bester Hauptdarsteller geehrt.
Auch die Preise für die beste Regie und den besten Nebendarsteller gingen an "Good Bye, Lenin!" (Wolfgang Becker, Florian Lukas). Als beste Nebendarstellerin wurde Corinna Harfouch ("Bibi Blocksberg") gefeiert. Eine Lola für die beste Hauptdarstellerin erhielt Hannelore Elsner für ihre Rolle in "Mein letzter Film".
Als bester Dokumentarfilm wurde "Rivers and Tides", als bester Kinder- und Jugendfilm "Das fliegende Klassenzimmer" ausgezeichnet.
In der Kategorie "Drehbuch" gingen die Preise an Almut Getto ("Fickende Fische") sowie Maggie Peren und Dennis Gansel ("Napola").
Zwei Filmpreise in Silber erhielten "Nackt" (Regie: Doris Dörrie) und Hans-Christian Schmids "Lichter", als bester ausländischer Film wurde Stephen Daldrys "The Hours" gewürdigt.
Ihre großen funkelnden Augen und die Katzenhaftigkeit ihrer geschmeidigen Bewegungen machten sie zu einer der sinnlichsten...
Wanja Mues wurde 2002 durch seine Rolle in der ARD-Vorabendserie "Absolut das Leben" einem großen Publikum bekannt. Seine erste Fernsehrolle...
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