Jean-Pierre Jeunets neuer Superhit: Die "fabelhafte Amélie" heißt jetzt "Mathilde" und sucht nach ihrem im ersten Weltkrieg verschollenen Verlobten. http://images.kino.de/flbilder/max04/mbiz04/mbiz50/z0450504/b150x150.jpg Mathilde - Eine große Liebe

Filmdetails

Mathilde - Eine große Liebe

Jean-Pierre Jeunets neuer Superhit: Die "fabelhafte Amélie" heißt jetzt "Mathilde" und sucht nach ihrem im ersten Weltkrieg verschollenen Verlobten.


Mathilde - Eine große Liebe
Start: 27.01.2005

Originaltitel: Un long dimanche de fiançailles

Drama

Frankreich/USA 2004
Laufzeit: 133 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Audrey Tautou
Gaspard Ulliel
Jean-Pierre Becker

Regie: Jean-Pierre Jeunet
Verleih: Warner

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Action
Humor
Romantik
Spannung
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Inhalt

Ende des Ersten Weltkriegs an der Somme-Front. Weil sie sich aus Hoffnung auf eine verfrühte Heimreise selbst verstümmelten, entsendet die französische Heeresleitung fünf arme Rekruten-Schweine in den scheinbar sicheren Tod im Niemandsland zwischen den Fronten. Mathilde (Audrey Tautou), junge Verlobte des nunmehr offiziell gefallenen Manech (Gaspard Ulliel), will nicht an dessen Tod glauben. Sie geht auf eigene Faust auf die Suche nach der Wahrheit hinter den militärischen Verlautbarungen.

Das komplexe Grauen des Krieges in all seiner schnörkellosen Drastik trifft den verspielten, fantasievollen Stil jenes Mannes, der uns "Die fabelhafte Welt der Amélie" brachte. Es gab viel Trouble um den Film, da er durch amerikanische Gelder finanziert wurde, doch die hohen Erwartungen werden voll und ganz erfüllt.


Kritik

"Amelie" fand die große Liebe, Mathilde soll sie im Krieg verloren haben. Doch ist der Freund wirklich gefallen? Audrey Tautou in einer bildschönen Hymne auf das Herz und auf das Kino.

Großansicht Wenn die Sonne lacht, muss es auch Mathilde wieder können, muss ihre große Liebe noch leben (Foto: Warner)

Wenn die Sonne lacht, muss es auch Mathilde wieder können, muss ihre große Liebe noch leben (Foto: Warner)

M & M - das ist für immer, da sind sich die jungen Liebenden Mathilde & Maneche sicher. Doch wie stabil sind Treueschwüre, wenn ewig durch den Krieg endlich wird? Mathilde (Audrey Tautou) gibt darauf eine berührende, mitreißende Antwort.

Sie will nicht glauben, dass ihr Jugendfreund an der Front gefallen ist, akzeptiert dieses Schicksal nicht, klammert sich an die Hoffnung, dass Maneche (Gaspard Ulliel) noch lebt.

Ihre Spurensuche führt sie im Jahr 1919 zu Kameraden ihrer großen Liebe. Zu rätselhaften Hinweisen, die es zu entschlüsseln gilt. Zu einer Frau, die mehr als Mathilde zu wissen scheint, ein Geheimnis kennt, für das sie gnadenlos Rache nimmt.

Großansicht An der deutsch-französischen Front kämpfen Soldaten ums Überleben, denn der Tod ist nirgends näher (Foto: Warner)

An der deutsch-französischen Front kämpfen Soldaten ums Überleben, denn der Tod ist nirgends näher (Foto: Warner)

Wettlauf auf Leben und Tod

Wie bereits beim zauberhaften Kinoerfolg "Die fabelhafte Welt der Amelie" vertraut Frankreichs Regiestar Jean-Pierre Jeunet auf die dunklen Kulleraugen, den Charme und die darstellerische Klasse von Audrey Tautou.

Wie schon beim Vorgänger entfaltet sich das Leben mehrerer Figuren mosaikartig, ist jedes Bild wie ein visuelles Geschenk verpackt, wird das Schicksal mit kuriosen Deals herausgefordert.

Wenn ich das Auto erreiche, bevor es um die Kurve biegt, ist Maneche nicht tot, denkt Mathilde und läuft trotz körperlicher Behinderung um ihr Leben. Es ist eine der wunderbarsten Szenen eines enorm aufwändigen Films, der die Grausamkeit des Todes nicht verschweigt, vor allem aber den Glanz des Lebens und der Liebe feiert.

Mathilde - Eine große Liebe

Darsteller:  Audrey Tautou   als Mathilde
  Gaspard Ulliel   als Manech
  Jean-Pierre Becker   als Lieutenant Esperanza
  Dominique Bettenfeld   als Ange Bassignano
  Clovis Cornillac   als Benoît Notre Dame
  Marion Cotillard   als Tina Lombardi
  Jean-Pierre Darroussin   als Benjamin Gordes
  Julie Dépardieu   als Véronique Passavant
  Jean-Claude Dreyfus   als Commandant Lavrouye
  André Dussollier   als Rouvières
  Ticky Holgado   als Germain Pire
  Tchéky Karyo   als Captain Favourier
  Jerôme Kircher   als Bastoche
  Denis Lavant   als Six-Sous
  Chantal Neuwirth   als Bénédicte
  Dominique Pinon   als Sylvain
  Jean-Paul Rouve   als Postbeamter
  Michel Vuillermoz   als Louis
  Thierry Gibault   als Lieutenant Estrangin
  Jodie Foster   als Elodie Gordes
 
Regie:  Jean-Pierre Jeunet  
Drehbuch:  Jean-Pierre Jeunet  
  Guillaume Laurant  
Produzent:  Francis Boespflug  
Ausf. Produzent:  Bill Gerber  
Buchvorlage:  Sébastien Japrisot  
Kamera:  Bruno Delbonnel  
Schnitt:  Hervé Schneid  
Musik:  Angelo Badalamenti  
Produktionsdesign:  Aline Bonetto  
Kostüme:  Madeleine Fontaine  
  Catherine Boisgontier  
Ton:  Jean Umansky  
Casting:  Pierre-Jacques Bénichou  
  Valérie Espagne  
  Marie-Sylvie Caillierez  

"Ich will wie bei 'Alien 4' arbeiten, nicht wie bei 'Harry Potter'!"

Mit "Delicatessen", "Alien 4" und "Die fabelhafte Welt der Amélie" erwies sich Jean-Pierre Jeunet als Meister der ganz besonderen Bilder. Für seine schwarze Komödie "Micmacs" arbeitete er mit dem Star aus dem Toperfolg "Willkommen bei den Sch'tis" zusammen.

Großansicht Jean-Pierre Jeunet setzt in "Micmacs - Uns gehört Paris!" auf poetischen Realismus und einen fulminanten Dany Boon als wunderlichen Außenseiter (Foto: Kinowelt)

Jean-Pierre Jeunet setzt in "Micmacs - Uns gehört Paris!" auf poetischen Realismus und einen fulminanten Dany Boon als wunderlichen Außenseiter (Foto: Kinowelt)

Ist Ihr Film eine Rückkehr zu den Ursprüngen von "Delicatessen" und "Die Stadt der verlorenen Kinder"?
JEAN-PIERRE JEUNET: Ich mag die Realität nicht so filmen, wie sie ist, sondern im Sinne des poetischen Realismus der 1940er Jahre, mit ganz eigenen Dialogen, Licht und Farben, Humor und Fantasie. Mir kam es auch in "Delicatessen" und "Die Stadt der verlorenen Kinder" darauf an, ein ganz spezielles Universum zu erfinden, das sollte man aber nicht ins Fantastische einordnen, das mag ich - im Gegensatz zu Science Fiction - überhaupt nicht. "Micmacs" könnte auch in der Gegenwart spielen.

Woher schöpfen Sie die Ideen zu diesem Bilderreichtum?
Der ist für mich ganz normal. Ich mache mir ständig Notizen und bei einer konkreten Filmidee öffne ich das Schatzkästlein und gucke, was ich verwerten kann. Das macht mein Koautor Guillaume Laurent genauso. Wir entwickeln gemeinsam ganz traditionell das Gerüst des Films, ich mehr auf der visuellen, er auf der Dialog-Seite. Das funktioniert wie ein Pingpongspiel. Diesmal machte uns die Konzeption Kopfzerbrechen, in einem Moment stimmte das Gleichgewicht zwischen Tragik und Komödie nicht mehr.

Sie tüfteln gern?
Ich bastele herum, bis alles passt. Dabei spiele ich gerne auf der Klaviatur des Möglichen, mische überall mit, vom Storyboardpapier bis zur Farbkorrektur, auch wenn ich meinem festen Team vertraue.

Wie war die Zusammenarbeit mit Dany Boon, der selbst Regisseur ist?
Erst wollte er nicht, weil ich die Rolle für Jamel Debbouze geschrieben hatte, der eine andere Statur hat. Darum ging es mir gar nicht so, viel wichtiger war dieses Kindliche im Charakter. Wir haben ein wenig geprobt und uns bestens amüsiert. Und schwupp war Dany Boon im Boot. Manche Szenen sind von ihm inspiriert. Er lässt aber nicht den Regisseur raushängen und kritisiert nicht, weil er weiß, in welcher Klemme man in dieser Position geraten kann.

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Reizte Sie nach "Alien - Die Wiedergeburt" nicht eine Karriere in USA?
In Frankreich genieße ich totale künstlerische Freiheit und muss nicht um Geld betteln. Das will ich nicht aufgeben. Natürlich erreiche ich weniger Zuschauer als mit einer amerikanischen Produktion, das ist ein Wermutstropfen. Ich habe meine persönlichen Vorstellungen, deshalb habe ich auch "Harry Potter und der Orden des Phönix" abgesagt. In einem schon vorgegebenen Universum zu arbeiten, wo Besetzung, Kostüme und Dekor feststehen, ödet mich an. Wo bleibt da meine eigene Handschrift? Nur Regie ist mir zu wenig. Die Alien-Welt dagegen war eine tolle Herausforderung, ich konnte meine Ideen einbringen. Vielleicht drehe ich das nächste Mal wieder in englisch, ich bin ziemlich offen. Ein Film nimmt einige Jahre in Anspruch, deshalb stürze ich mich nicht gleich Hals über Kopf ins nächste Abenteuer.

Auch wegen Ihres Schiffbruchs bei "Schiffbruch mit Tiger"?
Zwei Jahre habe ich mich damit beschäftigt, wie verrückt recherchiert und Drehorte gesucht, ein tolles Drehbuch für Fox geschrieben, mit der bei "Alien" alles glatt lief. Es gab sogar schon ein gezeichnetes und ein fotografiertes Storyboard. Die Kosten waren den Herren zu hoch, und unser Vorschlag in Europa zu arbeiten, scheiterte wegen des damaligen hohen Euro-Kurses. Es ärgert mich nicht, wenn Ang Lee das Projekt realisiert, ich bin nur traurig, dass mein Drehbuch und meine Vorarbeit nicht genutzt wird.

Das Budget von "Micmacs" war für einen französischen Film sehr hoch.
Wir hatten Glück. Warner zeigte sich bei "Mathilde - Eine große Liebe" als Produzent sehr großzügig und agiert hier als Koproduzent und Verleih, übernahm auch den DVD-Vertrieb. An der Zusammenarbeit gibt es nichts zu mäkeln. Große Budgets sind immer schwieriger in Frankreich zu finanzieren. Ich sehe das nicht als Katastrophe, sondern denke schon länger darüber nach, billiger und schneller mit Handkamera auf HD zu drehen. Zu 18-wöchigen Dreharbeiten fehlt mir inzwischen die Lust. Kreativen und technischen Änderungen verschließe ich mich nicht.

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