Originaltitel: Master and Commander: The Far Side of the World
USA 2003
Russell Crowe
Paul Bettany
James D'Arcy
Regie: Peter Weir
Verleih: Fox
Während der napoleonischen Eroberungsfeldzüge wird der britische Kapitän Jack Aubrey (Russell Crowe) mit seiner Crew der "HMS Surprise" zu hoher See von wesentlich besser bewaffneten französischen Freibeutern angegriffen und beinahe versenkt. Doch man macht den Kahn wieder flott und hetzt den Feind um die halbe Welt, um ihn schließlich bei den Galapagos Inseln zu stellen. Unterwegs spitzen sich beständig schwelende Auseinandersetzungen zwischen Captain und naseweisem Schiffsarzt (Paul Bettany) dramatisch zu.
Der australische Zivilisationspessimist und Bildzauberer Peter Weir ("Der einzige Zeuge", "Die Truman Show") inszenierte dieses auf einer Romanreihe von Patrick O'Brian basierende Hochsee-Abenteuer.
Nach zehn Jahren Vorbereitung schlägt jetzt die Stunde des großen Abenteuerfilms. Als Seeheld, der einen überlegenen Feind durch die Weltmeere jagt, gibt Commander Jack Aubrey das Kommando: Feuer frei!
Captain Jack Aubrey mit seinen Männern an Bord der Surprise vor der Küste Brasiliens (Foto: Fox)
"Führung ist es, wonach sie verlangen, Stärke. Wenn du das in dir selbst findest, wirst du ihren Respekt verdienen." Ein solcher Satz, vom falschen Schauspieler gesprochen, kann ein Debakel sein.
Aus dem Mund Russell Crowes aber erzeugt er Ehrfurcht, so glaubwürdig ist der "Gladiator" auch als Kapitän. Autorität und Charisma sind unverzichtbar für die Figur des Jack Aubrey, die Autor Patrick O'Brian Demsey in den "Master and Commander"-Romanen populär machte.
Diese erste Verfilmung, ein cleverer Mix aus der Charakterzeichnung des ersten und der Handlung des zehnten Bandes, setzt Maßstäbe.
Es ist ein visuelles Ereignis, das auch emotional packt, wuchtet epische Seeschlachten und Stürme auf die Breitwand und entwirft dabei ein oft intimes und authentisches Bild vom Leben auf See. Das Meer ist ein Hauptdarsteller in der spannenden Verfolgungsjagd, die Aubreys Schiff, die HMS Surprise, und seine Crew durch zwei Ozeane treibt.
1805 führt Napoleon schon zwei Jahre lang Krieg gegen den Rest von Europa. Seit sieben Wochen kreuzen Aubreys Männer auf See, ohne zu ahnen, dass sie ein mächtiger, überlegener Feind belauert.
Geisterhaft taucht eine französische Fregatte schließlich aus dem Nebel vor der Küste Brasiliens auf und eröffnet das Feuer. Entsetzt muss der gerissenste, wildeste und damit unberechenbarste Kapitän der Royal Navy zusehen, wie der Tod nach vielen seiner Männer greift, wie sein Schiff fast versenkt wird.
Trotz der schweren Schäden geht der "Master und Commander", Führungs- und Vaterfigur in einem, in die Offensive, verfolgt das Phantomschiff bis zum Kap Hoorn, wo die Crew mit einem Taifun der vielleicht realistischste Sturm der Filmgeschichte erwartet.
Der Überlebenskampf ist die spektakuläre Seite des Films, die Beziehungen Aubreys zum Schiffsarzt (Paul Bettany) und seinen Männern, die zum Teil noch halbe Kinder sind, die persönliche. Beide Facetten der Story meistern Crowe und Regisseur Peter Weir, ein Qualitätsgarant für intelligentes Erzählkino ("Der Club der toten Dichter", "Die Truman Show"), gleichermaßen.
Ihr Film hat ein hohes Budget (135 Millionen Dollar), aber auch einen entsprechenden Unterhaltungswert. "Master and Commander" verführt mit Drama, Action, aber auch polynesischen Inselschönheiten. Man riecht die Seeluft und lebt die Vergangenheit.
Abenteuer ist es, wonach wir verlangen. Hier haben wir es gefunden.
Ginge es nach Russell Crowe, wäre Maximus aus "Gladiator" schon längst wieder am Schlachtfeld, und auch Captain Jack Aubrey könnte in einer Fortsetzung von "Master and Commander" beruhigt in See stechen.
Der Schauspieler hat bereits mehrmals erwähnt, dass er "Gladiator" gern fortsetzen würde, und betont, was für eine schlechte Idee es doch von Regisseur Ridley Scott war, den Helden Maximus sterben zu lassen.
Die Chancen für eine Fortsetzung von "Master and Commander" stehen schon wesentlich besser: Die Hauptfigur ist nach dem ersten Teil noch am Leben, und es gibt 20 weitere Bücher, die sich mit der Karriere des Kapitäns beschäftigen.
Dennoch ist es fraglich, ob Russell als Captain Aubrey wieder die Segel setzen wird. "Ich habe keinen Vertrag", so Crowe. "Jeder möchte aber eine Fortsetzung drehen. Paul Bettany hat sich sogar für drei Filme verpflichtetet. Es gibt auch sehr gute Ideen, und es sollen Figuren aus den Büchern eingebaut werden, wie Aubreys Frau und sein Vater."
Das Herzblut von Russell Crowe steckt jedoch in einer Fortsetzung von "Gladiator". Dies war schließlich der Film, der ihm den Oscar einbrachte und zum Star machte. "Zuerst war ich nicht sehr begeistert von einer Fortsetzung oder einem Prequel", sagt der Schauspieler. "Doch mittlerweile haben wir schon Ideen entwickelt. Wir begeben uns auf eine metaphysische Ebene, und es ist klar, dass Maximus tot ist. Ein Drehbuch dafür zu schreiben, ist aber wirklich nicht einfach."
Regisseur Ridley Scott und Crowe ließen es sich aber dennoch nicht nehmen, einen Versuch zu wagen. "Nick Cave hat einen Entwurf für mich und Ridley geschrieben", so der Star aus Downunder. "Er ist ein fantastischer Autor. Ridley und ich haben es wirklich eine Weile in Betracht gezogen. Ich hatte sogar für das Drehbuch bezahlt, da ich so an diese Idee glaube. Aber ohne, dass jeder wirklich an Bord ist, ist es sinnlos, sich weiter darüber Gedanken zu machen."
Es bleibt also weiterhin fraglich, ob Maximus und Captain Aubrey in naher Zukunft die Fans wieder ins Kino locken werden.
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