Eine Frau zwischen zwei Männern, das ist eine der klassischen Situationen, aus der eine Kinogeschichte sich frei in jedes beliebige Genre entwickeln kann. Robert Guédiguian entscheidet sich für das Drama, wenn auch eines, das weniger von Konfrontationen als von der sorgfältigen, romantischen Beobachtung seiner Titelfigur, einer attraktiven Mittvierzigerin, lebt: Marie-Jo findet ihr Glück in der Balance der Liebe zu ihrem Ehemann und ihrem Liebhaber gleichermaßen. Vor dem realistischen Hintergrund eines Marseille der Baustellen und Hafenanlagen begibt sich der Film auf eine zunächst tief bewegende, doch gegen Ende zunehmend ermüdende Suche nach einem Ausweg aus diesem Dilemma.
Guédiguian nimmt sich Zeit, die Situation von Marie-Jo darzustellen, und lässt vor allem seiner hinreißenden Haupdarstellerin (und Ehefrau) Ariane Ascaride viel Luft zum Atmen: Sie genießt das Familienleben mit ihrem Mann, dem liebenswürdigen Leiter einer kleinen Baufirma, und ihrer halbwüchsigen Tochter ebenso wie die entspannten Nachmittage im Appartment ihres Liebhabers Marco, zu dem sie in ihren Arbeitspausen als Krankenfahrerin regelmäßig den Weg findet. Es wird klar, dass Marie-Jo sich ihrer Untreue durchaus bewusst ist, doch ihre Liebe zu beiden Männern ist aufrichtig, und erst das Doppelleben selbst lässt sie zu der strahlenden Frau aufblühen, die sie ist. Erste Misstöne schleichen sich ein, als ihr Mann sie zufällig nackt auf dem Balkon des Rivalen sieht, das aber still leidend für sich behält und nun glaubt, ihre Liebe zurückgewinnen zu müssen. Gleichzeitig möchte ihr Liebhaber mehr Zeit mit ihr verbringen. Nach einer herzzerreißenden Szene, in der Marie-Jo versucht, die beiden Männer einander vorzustellen, ohne alles zu verraten, entscheidet sie sich, reinen Tisch zu machen und zieht zu Marco. Das ist sozusagen der Anfang vom Ende, welches allerdings noch eine gute Stunde auf sich warten lässt. Bis dahin betrachtet Guédiguian alle Aspekte der Situation und man merkt dem Film an, wie gerne er alle Beteiligten glücklich sehen würde - aber letztlich nicht kann. Vielleicht hätte er im letzten Drittel die Sympathie für seine Figuren einer konventionelleren, dafür aber auch strafferen Dramatik opfern sollen. So wirkt das tragische Ende logisch - schließlich entstammen die Figuren alle einem eher schlichten Milieu, in dem die Gefühle den Verstand regieren -, aber auch unbefriedigend. evo.
| Darsteller: | Ariane Ascaride | als Marie-Jo | |
|---|---|---|---|
| Jean-Pierre Darroussin | als Daniel | ||
| Gérard Meylan | als Marco | ||
| Julie-Marie Parmentier | als Julie | ||
| Jacques Boudet | als Jean-Christophe | ||
| Yann Trégouët | als Sylvain | ||
| Frédérique Bonnal | als Madame Fauvelet | ||
| Souhade Temimi | als Marie-Jo's Kollegin | ||
| Maïa Sevleyan | als Dame | ||
| Frédéric Garbe | als Arzt | ||
| Danielle Stefan | als Partygast | ||
| Jacques Germain | als Pilot | ||
| Axel Koehler | als deutscher Kommandant | ||
| Regie: | Robert Guédiguian | ||
| Drehbuch: | Jean-Louis Milesi | ||
| Robert Guédiguian | |||
| Produzent: | Robert Guédiguian | ||
| Kamera: | Renato Berta | ||
| Schnitt: | Bernard Sasia | ||
| Produktionsdesign: | Michel Vandestien | ||
| Kostüme: | Catherine Keller | ||
| Ton: | Laurent Lafran | ||
Am 15. Mai eröffnen die Filmfestspiele in Cannes. Den Auftakt macht Woody Allens neuer Film.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Das wichtigste europäische Filmmeeting eröffnet mit einem Abgesang auf Hollywood.
Woody Allen spielt in "Hollywood Ending" den abgetakelten Regisseur Val Waxman. Der darf nach großen Erfolgen in den 70ern und 80ern nur noch Werbefilmchen drehen. Doch dann schenkt ihm das Schicksal doch noch einmal die Chance, einen großen Film zu machen.
Just in diesem Moment bekommt Waxman die Folgen seiner berufsbedingten Paranoia zu spüren: Der gestresste Regisseur erblindet vorübergehend.
Den Film macht er trotzdem. Die Studiobosse dürfen natürlich nicht erfahren, dass ihr neuestes Machwerk von einem Blinden gefilmt wird.
Die symbolträchtige Geschichte läutet ein Festival voller europäischer Bonbons ein, das letzte davon ist "And Now Ladies and Gentlemen".
Das vollständige Programm:
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.