Unorthodoxe Studie einer Touristengruppe am Flughafen, exzellent inszeniert und mit herausragenden Darstellerleistungen. http://images.kino.de/flbilder/max00/bf00/bf26/b0026987/b150x150.jpg Manila

Filmdetails

Manila

Unorthodoxe Studie einer Touristengruppe am Flughafen, exzellent inszeniert und mit herausragenden Darstellerleistungen.


Manila
Start: 29.06.2000

Drama

Deutschland 2000
Laufzeit: 115 Min.
FSK: ab 16 Jahre

Jürgen Vogel
Michael Degen
Chin Chin Gutierrez

Regie: Romuald Karmakar
Verleih: Senator

So werten die bisherigen Besucher:

Gesamt
(0 Bewertungen)

Action
Humor
Romantik
Spannung
Anspruch
Besucheransturm: lau
Besucher-
ansturm

Temperatur

lau

Inhalt

Eine Gruppe deutscher Touristen sitzt am Flughafen von Manila für mehrere Stunden fest. Steward Osterfeld versucht die immer nervöser werdenden Wartenden in Schach zu halten. Darunter Frührentner Franz, der sich die Zeit damit vertreibt, den philippinischen Klofrauen schöne Augen zu machen. Und Journalistin Elizabeth, die sich angewidert von den Sex-Touristen fernhält, sich dann aber auf einen Quickie mit Landei Rudi einlässt.


Kritik

Manila

Nach einem komödiantisch-seichten Frühling, der mit pubertierenden Witzen ("Harte Jungs"), ostfriesischen Kalauern ("Otto - Der Katastrofenfilm") und krassen Sprüchen ("Erkan & Stefan") den Marktanteil des deutschen Films in exorbitante Höhen katapultierte, ist es nun an der Zeit, wieder Gehaltvolleres aus diesen Landen in den Kinos zu offerieren. Und wer wäre dafür besser geeignet als Romuald Karmakar, der vor fünf Jahren mit seinem preisgekrönten Spielfilmdebüt "Der Totmacher" zum Liebling des Feuilletons aufstieg und es gleichzeitig schaffte, ein vergleichsweise breites Publikum in die Lichtspielhäuser zu locken.

Auch "Manila", einer unorthodoxen Studie um eine Gruppe deutscher Touristen, die am Flughafen der philippinischen Hauptstadt für mehrere Stunden festsitzt, könnte der berühmte Spagat, künstlerisch überzeugend und zugleich kommerziell verwertbar zu sein, gelingen. Karmakar und sein Co-Autor Bodo Kirchhoff ("Infanta") überließen beim Schreiben des Drehbuchs, das letzten Januar mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet wurde, nichts dem Zufall. Sämtliche der 13 Hauptfiguren besitzen Tiefe, Konturen und ein klar definiertes Eigenleben - Eigenschaften, die man bei nationalen Produktionen sonst selten vorfindet. Dass diese detailgenaue Zeichnung der Charaktere bei der Übertragung vom Skript auf die Leinwand ohne nennenswerte Verluste vollzogen werden konnte, liegt zweifelsohne an einem hochmotiviert und konzentriert aufspielenden Darsteller-Ensemble, das allein schon in seiner Zusammensetzung an Kuriosität kaum zu überbieten ist.

So brilliert etwa der sonst eher durch sein Äußeres auffallende Sky Du Mont als eleganter Steward Osterfeld, der mit einer kruden Mixtur aus Diplomatie und Arroganz versucht, die immer nervöser werdenden Wartenden in Schach zu halten. Im krassen Gegensatz dazu steht der wiederentdeckte und -erstarkte Martin Semmelrogge, der als schwäbelnder Frührentner Franz philippinischen Klofrauen schöne Augen macht, seinen Landsleuten gegen Bezahlung jeden Wunsch erfüllt und immer ein Foto von der intimsten Stelle seiner "Urlaubsbekanntschaft" mit sich führt. USA-Import Elizabeth McGovern dagegen verkörpert als Journalist Elizabeth zunächst die feine Dame, die sich angewidert von den deutschen Sex-Touristen zu distanzieren versucht. Doch dann lässt ausgerechnet sie sich auf einen Quickie mit Jürgen Vogel, der als mit viel Muskeln und wenig Hirn ausstaffiertes Pfälzer Landei Rudi überrascht, ein. Allerdings ist es ungerecht, einzelne Namen aus der 13 Hauptrollen umfassenden Besetzungsliste herauszupicken, denn ob Fassbinder-Schauspielerin Margit Carstensen oder die Theatergrößen Michael Degen und Manfred Zapatka, sie alle gehen an die Grenzen ihres Leistungsvermögens.

Formal erinnert "Manila" an die Struktur von "Der Totmacher". Karmakar begnügt sich erneut mit einem - übersichtlichen - Schauplatz, und seine Protagonisten müssen wieder mit der Enge eines Raumes fertig werden. Und auch bei der handwerklichen Umsetzung setzt der 35-Jährige auf Kontinuität. Sowohl Fred Schuler hinter der Kamera als auch Peter Pryzgodda am Schneidetisch gelingt es wie schon beim Erstling des Filmemachers, trotz der Begrenzung von Ort und Zeit die Spannung, die Faszination für die Figuren sowie das Interesse für die Geschehnisse aufrecht zu halten. Wenn jedoch am Schluss des Films schließlich alle Beteiligten - von der zermürbenden Warterei inzwischen ziemlich erledigt - aus voller Kehle den textlich modifizierten Gefangenenchor aus Verdis "Nabucco" schmettern, bleibt eine Frage offen: Was will uns "Manila" sagen? Versteckt sich hier etwa eine Verurteilung des Sextourismus? Kaum, denn alles Moralinsaure liegt Karmakar fern. Oder ist dies ein Experiment, mit dem bewiesen werden soll, dass großes Kino auch in einer sterilen Halle stattfinden kann? Schon wahrscheinlicher. Vielleicht ist "Manila" aber auch "nur" eine Hommage an jene bemitleidenswerten Kreaturen, die schon einmal wegen eines Streiks oder einer Panne eine Nacht auf einem Flughafen verbringen mussten. Tatsache hingegen ist, dass Senator es hier mit einem unbequemen, provokanten und diskussionswürdigen Werk zu tun hat, das ein Höchstmaß an Engagement verlangt, welches sich dann wiederum positiv am Boxoffice bemerkbar machen sollte. lasso.

Manila

Darsteller:  Jürgen Vogel   als Rudi
  Michael Degen   als Walter
  Chin Chin Gutierrez   als Maribel
  Ana Capri   als Cora
  Peter Rühring   als Knut Görler
  Margit Carstensen   als Regine Görler
  Manfred Zapatka   als Herbert
  Sky Du Mont   als Jochen Osterfeld
  Martin Semmelrogge   als Franz
  Nina Heimlich   als Kerstin
  Ces Quesada   als Mercy
  Elizabeth McGovern   als Elizabeth
  Eddi Arent   als Eddi Arent
  Jochen Nickel  
  Herbert Feuerstein  
 
Regie:  Romuald Karmakar  
Drehbuch:  Bodo Kirchhoff  
  Romuald Karmakar  
Produzent:  Romuald Karmakar  
Koproduzent:  Renate Seefeldt  
  Gerd Huber  
  Hanno Huth  
Kamera:  Fred Schuler  
Schnitt:  Peter Przygodda  
Musik:  Ric Manrique Jr.  
  Giuseppe Verdi  
Produktionsdesign:  Rolf Zehetbauer  
  Cornelia Ott  
Ton:  Martin Müller  

Star

Jürgen Vogel

Der Authentische. Jürgen Vogel ist der Wagemutige unter den deutschen Filmstars, einer aus dem richtigen Leben, der sich etwas traut, der die...

Star

Michael Degen

Mit seinem prägnanten Gesicht, dem leuchtenden Blick, der sonoren Stimme und dem stets hellwachen präzisen Spiel gehört Michael Degen zu den...

Top-Filme der Woche

  • Men in Black 3

    Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.

  • LOL

    Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.

 

treffpunkt kino kompakt

In der aktuellen Ausgabe: Die große Preview zu "Ice Age - Voll verschoben" und der erste Trailer zu "Skyfall"!

Zum Magazin

Das multimediale Kinomagazin jede Woche kostenlos per Mail - jetzt registrieren!

GO

Ähnliche Filme auf DVD & Blu-ray

 

Service

kino.de mobil

kino.de mobil

Das aktuelle Programm Ihres Lieblingskinos haben Sie überall dabei - kostenlos auf Ihrem Handy.