Originaltitel: The Luzhin Defence
Großbritannien/Frankreich 2000
John Turturro
Emily Watson
Geraldine James
Regie: Marleen Gorris
Verleih: Columbia Tristar
Als Mensch ist der scheue, unsichere Alexander Lushin (John Turturro) ein ständiger Verlierer, doch im Schachspiel ist er einer der Allergrößten. Als der Crack im Jahr 1929 nach Norditalien reist, um bei der Weltmeisterschaft am Comer See anzutreten, verliebt er sich unversehens in Natalia (Emily Watson), die Tochter eines russischen Aristokraten. Sein hinterhältiger Ex-Manager (Stuart Wilson) erkennt daraufhin die Chance, dem verhassten Geistesriesen endlich eine vernichtende Schlappe beizubringen.
Vladimir Nabokovs Schach-Meditation (er war vom Spiel der Könige mindestens ebenso fasziniert wie von kleinen Mädchen), getragen von exzellenten Schauspielern in einer eleganten Inszenierung der auf Frauenportraits spezialisierten Niederländerin Marleen Gorris ("Antonias Welt").

Unheilige Obsessionen haben Vladimir Nabokov berühmt gemacht. Diese hier, 1929 zu Papier gebracht und nun erstmals verfilmt, thematisiert die pathologische Faszination für Schach und nicht für kleine frühreife Mädchen. Das Ergebnis ist zwangsläufig weniger skandalös als "Lolita", zeigt aber einen ruhigen, von Hauptdarsteller John Turturro getragenen Film, der Nabokovs literarische Beobachtung eines Außenseiters mit gravierender Wahrnehmungsverzerrung stärker in Richtung dramatische, bittersüße Lovestory entwickelt.
Nabokov selbst liebte Schach und war gebannt von der Wirkung auf Bewusstsein und Persönlichkeit, wenn es exzessiv und auf einem hohen Niveau gespielt wird. Zwischen Genie und Wahnsinn beschreibt der Volksmund das mentale Territorium, in dem sich Nabokovs russischer Großmeister Alexander Lushin bewegt. Die Verfilmung der Niederländerin Marleen Gorris ("Mrs. Dalloway"), deren Frauenporträt "Antonias Welt" mit dem Oscar als Bester Fremdsprachiger Film ausgezeichnet wurde, übernimmt Grundkonstellation und Figuren des Romans, spitzt aber Charaktere psychologisch zu und gibt so etwa Lushin eine noch traumatischere Kindheit, um seine Flucht in die Welt des Bretts, seine zunehmende Realitätsverzerrung begründen zu können. Das reduziert die Komplexität der Vorlage, macht aber den Zugang leichter zur Geschichte des exzentrischen Großmeisters, der 1929 am Comer See um die Schachweltmeisterschaft antritt und sich während des Turniers in Natalia, die Tochter einer russischen Aristokratenfamilie, verliebt. Gorris' Film hat zwei Gesichter. Ein zartes, heiteres, wenn John Turturro als weltfremdes, in seinem Kopf lebendes Genie mit Chaplin-Touch und Emily Watsons rebellische Natalia wider jeder Vernunft und der Wünsche ihrer Familie zueinander finden. Und schließlich auch ein tragisches, wenn Lushin quälende Erinnerungen an seine Eltern und den Schuldirektor Valentinov verfolgen und deutlich wird, dass dieser Erwachsene immer ängstliches Kind geblieben ist. Valentinov hat eine stärkere Präsenz als im Roman, sucht dämonisch die endgültige Zerstörung seines Ex-Schützlings, die er in der Vergangenheit als Manager und selbsternannter Mentor vorbereitet hat. Erfahrungsgemäß sind Filme mit Schachthematik im Kino schwer vermittelbar, wenn nicht gerade ein Killer wie in "Knight Moves - Ein mörderisches Spiel" dramatisch zuarbeitet. Selbst Steve Zaillians Kleinod "Das Königsspiel" blieb hierzulande nur eine Videopremiere vorbehalten. In der Defensive befindet sich dieses Drama also per Titel und Thema, hat aber in seiner märchenhaften Liebesgeschichte und in John Turturro Offensivkräfte, um sich zwei Jahre nach der Europapremiere auch auf dem deutschen Filmkunstmarkt zu versuchen. kob.
| Darsteller: | John Turturro | als Alexander Lushin | |
|---|---|---|---|
| Emily Watson | als Natalia | ||
| Geraldine James | als Vera | ||
| Stuart Wilson | als Valentinov | ||
| Christopher Thompson | als Jean de Stassard | ||
| Peter Blythe | als Ilya | ||
| Orla Brady | als Anna | ||
| Mark Tandy | als Lushins Vater | ||
| Kelly Hunter | als Lushins Mutter | ||
| Alexander Hunting | als Lushin als Kind | ||
| Fabio Sartor | als Turati | ||
| Alfredo Pea | als erster Offizieller | ||
| Fabio Pasquini | als zweiter Offizieller | ||
| Luigi Petrucci | als Santucci | ||
| Carlo Greco | als Hotelmanager | ||
| Massimo Sarchielli | als Schneider | ||
| Luca Foggiano | als Faschist | ||
| Antonio Carli | als Faschist | ||
| David Ambrosi | als Faschist | ||
| Regie: | Marleen Gorris | ||
| Drehbuch: | Peter Berry | ||
| Produzent: | Caroline Wood | ||
| Stephen Evans | |||
| Louis Becker | |||
| Philippe Guez | |||
| Koproduzent: | Leo Pescarolo | ||
| Eric Robison | |||
| Ausf. Produzent: | Jody Patton | ||
| Buchvorlage: | Vladimir Nabokov | ||
| Kamera: | Bernard Lutic | ||
| Schnitt: | Michiel Reichwein | ||
| Musik: | Alexandre Desplat | ||
| Produktionsdesign: | Tony Burrough | ||
| Kostüme: | Jany Temime | ||
| Ton: | Peter Glossop | ||
| Craig Irving | |||
| Casting: | Celestia Fox | ||
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