Komödie von Ken Loach über einen vom Glück verlassenen Postarbeiter in Manchester, der von der ManU-Legende Eric Cantona wichtige Lebenstipps erhält. http://images.kino.de/flbilder/max09/mbiz09/mbiz41/z0941521/b150x150.jpg Looking for Eric

Filmdetails

Looking for Eric

Komödie von Ken Loach über einen vom Glück verlassenen Postarbeiter in Manchester, der von der ManU-Legende Eric Cantona wichtige Lebenstipps erhält.


Looking for Eric
Start: 05.11.2009

Komödie / Drama

Großbritannien/Frankreich/Italien/Belgien 2009
Laufzeit: 117 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Steve Evets
Eric Cantona
Stephanie Bishop

Regie: Ken Loach
Verleih: Delphi

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Action
Humor
Romantik
Spannung
Anspruch
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Besucher-
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lau

Inhalt

Eric ist ein Postbote in Manchester, der schon bessere Zeiten gesehen hat. Der fanatische Fußballfan verfällt in eine gewaltige Depression, als er eine Erscheinung hat: Eric Cantona, legendärer Linksaußen von Manchester United und eher bekannt für beherzten Körpereinsatz als für philosophische Betrachtungen, weicht Eric nicht mehr von der Seite und hält wichtige Lebenstipps parat.


Kritik

Looking for Eric

Try a little tenderness: Nach Woody Allen zeigt sich heuer mit Ken Loach der nächste Regie-Großmeister in großzügiger und versöhnlicher Laune und serviert einen Crowdpleaser allererster Güte.

Die Härten des Alltags, das ohnmächtige Anrennen der kleinen Leute gegen die Tücken eines feindseligen Systems. Das sind die Themen, die man kennt von Ken Loach, dem nunmehr 73-jährigen ewigen Kämpfer des britischen Kinos, Themen, die er immer wieder aufs Neue variiert in seinen großartig beobachteten Arbeiten, die so nah dran sind am Leben, dass man sie förmlich schmecken kann. Aber wie passt Eric Cantona, der legendäre Flügelstürmer von Manchester United, in dieses Raster? Zumindest auf den ersten Blick nicht so recht. Bis man den Blick zurückschweifen lässt zum zweiten Film Loachs aus dem Jahr 1969: Da inszeniert er mitten in der Geschichte eines Arbeiterjungen, der Freundschaft mit einem Falken schließt, ein irres und irre komisches Fußballspiel, das erkennen lässt, dass Loach auch die Begeisterung für den Sport mit der Arbeiterklasse teilt. So lässt der Regisseur seinen Hausautor Paul Laverty dem charismatischen Fußballstar und Sympathieträger einen Film auf den Leib schreiben, der typisch Loach, aber ungewöhnlich warmherzig und optimistisch ist.

Dabei geht es bei "Looking for Eric" im Kern um eine besondere Form von Psychotherapie: Man soll sich seinen größten Ängste stellen, um sie überwinden zu können. In um Realismus bemühter Manier wird zunächst ein Mann am Rand des Nervenzusammenbruchs vorgestellt. Spätvierziger Eric, gespielt von Charakterschädel Steve Evets, ist ein Postbote, dessen Leben vor Jahren aus dem Ruder gelaufen ist, als er nach einer Panikattacke die Liebe seines Lebens mit ihrer frisch geborenen Tochter sitzen ließ. Seither müht er sich mehr schlecht als recht um seine beiden Stiefsöhne im Teenageralter, hat sie aber genauso wenig im Griff wie sich selbst. Das ändert sich, als ihm seine besorgten Kollegen vorschlagen, er solle sich vor seinem geistigen Auge eine berühmte Figur der Weltgeschichte als Paten vorstellen. Eric wählt Eric Cantona, der ihm schließlich tatsächlich erscheint und wichtige Lebenstipps bereit hält.

Loach wäre nicht Loach, wenn danach alles Friede, Freude, Eierkuchen wäre. Tatsächlich droht der Film an einem entscheidenden Moment zu kippen, wie man es aus "Mein Name ist Joe" und "Sweet Sixteen" kennt. Aber Loach hat ein Einsehen und schenkt seinem wackeren Helden ein Happyend wie aus einem Hollywoodfilm, das er so hinreißend und gleichzeitig als Aufruf zur Solidarität gestaltet, dass man sich ihm gar nicht entziehen kann. Selbst das kann Loach noch toppen, wenn er im Abspann Cantonas berühmtes Seemöwen-Zitat aus einer Pressekonferenz aus dem Jahr 1995 zeigt. ts.

Looking for Eric

Darsteller:  Steve Evets   als Eric Bishop
  Eric Cantona   als Eric Cantona
  Stephanie Bishop   als Lily
  Lucy-Jo Hudson   als Sam
  Gerard Kearns   als Ryan
  Stefan Gumbs   als Jess
  John Henshaw   als Meatballs
  Justin Moorhouse   als Spleen
  Des Sharples   als Jack
  Greg Cook   als Monk
  Mick Ferry   als Judge
  Johnny Travis   als Smug
  Matthew McNulty   als junger Eric
  Laura Ainsworth   als junge Lily
  Steve Marsh   als Zac
  Ryan Ppoe   als Fenner
 
Regie:  Ken Loach  
Drehbuch:  Paul Laverty  
Produzent:  Rebecca O'Brien  
  Eric Cantona  
  Pascal Caucheteux  
  Vincent Maraval  
Kamera:  Barry Ackroyd  
Schnitt:  Jonathan Morris  
Musik:  George Fenton  
Produktionsdesign:  Fergus Clegg  
Kostüme:  Sarah Ryan  
Casting:  Kahleen Crawford  

Das war Cannes 2009

25 Jahre ist es her, dass mit Wim Wenders' "Paris, Texas" zuletzt ein deutscher Film in Cannes mit der begehrten Goldenen Palme prämiert wurde.

Großansicht Strahlten um die Wette: Sieger-Regisseur Michael Haneke und sein Hauptdarsteller Ulrich Tukur (Foto: Kurt Krieger)

Strahlten um die Wette: Sieger-Regisseur Michael Haneke und sein Hauptdarsteller Ulrich Tukur (Foto: Kurt Krieger)

Gestern gab es an der Croisette endlich wieder strahlende deutschsprachige Sieger. Die Goldene Palme ging an "Das weiße Band", ein Film des österreichischen Regisseurs Michael Haneke, produziert in Deutschland mit einer deutschen Schauspieler-Riege, angeführt von Ulrich Tukur, Josef Bierbichler und Burghart Klaußner. Ein formal strenges Werk in starken Schwarz-Weiß-Bildern, das von mysteriösen Vorkommnissen in einem norddeutschen Dorf am Vorabend des Ersten Weltkriegs erzählt, in dem die Autorität und Strenge der dörflichen Autoritäten schleichend die Gesellschaft vergiftet. Eine Parabel auf die Mechanismen von Faschismus und Terrorismus.

Mit Christoph Waltz gab es einen weiteren glücklichen deutschsprachigen Gewinner: Der österreichische Schauspieler, der bislang vornehmlich in Fernsehrollen glänzte, wurde für seinen Part in "Inglourious Basterds" als bester Darsteller prämiert. Zurecht, verkörpert er doch meisterhaft einen ebenso charmanten wie bedrohlichen SS-Offizier in Quentin Tarantinos neuestem Film. Er ist der Gegenspieler der "Basterds", einem Trupp jüdischer US-Soldaten, die während des zweiten Weltkriegs Jagd auf Nazis machen, im Film angeführt von Brad Pitt.

Großansicht Willkommen in Hollywood: Für Christoph Waltz bedeutet die Darsteller-Palme den Beginn einer neuen Karriere-Phase (Foto: Kurt Krieger)

Willkommen in Hollywood: Für Christoph Waltz bedeutet die Darsteller-Palme den Beginn einer neuen Karriere-Phase (Foto: Kurt Krieger)

Ekliger Schnitt im Schritt

Am Ende besiegt das Kino selbst das Dritte Reich in diesem wunderbaren Filmmärchen, das Tarantino mit gewohnt witzigen Dialogen, einem ausgefeilten Soundtrack und jeder Menge Reminiszenzen an die Filmgeschichte angereichert hat. Neben Waltz haben in diesem in Berlin-Babelsberg gedrehten Film noch jede Menge anderer deutscher Schauspieler ihren großen Auftritt, von Til Schweiger über Diane Kruger bis Daniel Brühl.

Viele Filme des diesjährigen Cannes-Wettbewerbs strotzten nur so vor Gewalt. Der große Skandalfilm war "Der Anti-Christ" des dänischen Regisseurs Lars von Trier, in dem sich ein Paar nach dem Tod seines Kindes in einer abgeschiedenen Waldhütte gegenseitig malträtiert - Genitalverstümmelungen inklusive. Schauspielerin und Sängerin Charlotte Gainsbourg brachte dieser Rolle eine Palme ein.

Großansicht Als sie ihre Wiese hinter dem Haus in Augenschein nahmenm, ahnten sie nicht, dass es das größte Konzert aller Zeiten werden würde: "Taking Woodstock" (Foto: Tobis)

Als sie ihre Wiese hinter dem Haus in Augenschein nahmenm, ahnten sie nicht, dass es das größte Konzert aller Zeiten werden würde: "Taking Woodstock" (Foto: Tobis)

Wüstes Gemetzel und feiner Blumenduft

Blutig waren auch Park Chan-wooks Vampirfilm "Thirst" und "Kinatay" vom Philippino Brillante Mendoza, der über weite Strecken beschreibt, wie eine Prostituierte vergewaltigt, ermordet und zerteilt wird - die Jury hielt dies dennoch für preiswürdig. Auch der Kritikerliebling "Un prophète" aus Frankreich (Großer Preis der Jury) sparte nicht mit Gewalt. Doch in der Geschichte über einen jungen Kleinkriminellen, der sich im Knast zum Gangsterboss hocharbeitet, steht sie zumindest im Dienst der Geschichte.

Ohne Gewalt, aber mit viel lakonischem Humor kommt dagegen "Looking for Eric" von Ken Loach aus. Ein kleiner Postangestellter bekommt darin Lebenstipps von ManU-Fußballstar Eric Cantona. Ang Lee zeichnet mit "Taking Woodstock" ein warmherziges Porträt der Hippie-Ära mit viel Liebe zum Detail, während Pedro Almodóvar sein Liebesdrama "Zerrissene Umarmungen", das leider nicht so so gelungen ist wie sein Vorgänger "Volver", ganz auf seine Diva Penélope Cruz angelegt hat. Das Weltkino hat eben auch 2009 viele Gesichter.

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