Europäische, musikgetriebene Coming-of-Age-Variante um junge Leute in Ost-London, die sich treiben lassen. http://images.kino.de/flbilder/max10/auto10/auto25/10250324/b150x150.jpg London Nights

Filmdetails

London Nights

Europäische, musikgetriebene Coming-of-Age-Variante um junge Leute in Ost-London, die sich treiben lassen.


London Nights
Start: 12.08.2010

Originaltitel: Unmade Beds

Drama / Komödie

Großbritannien 2009
Laufzeit: 96 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Déborah François
Fernando Tielve
Michiel Huisman

Regie: Alexis Dos Santos
Verleih: Kool (Filmagentinnen)

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Inhalt

Drei junge Menschen im Großstadtdschungel. Ein lockenköpfiger Spanier, eine bildhübsche Belgierin und ein geheimnisvoller Fremder suchen in der vibrierenden Szene Ost-Londons nach dem Vater, dem schönsten Liebeslied, dem Mann bzw. der Frau fürs Leben. Vera ist an die Themse gekommen, um ihre letzte Liebe zu vergessen, Axl will den Papa zur Rede stellen. Beide finden in einem Haus voller ausgelassener Künstler Unterschlupf, wo Musik den Alltag bestimmt und verrückte Partys gefeiert werden.


Kritik

London Nights

Weder Komödie noch Tragödie und schon gar kein Liebesfilm - und doch genau darum geht's bei Alexis Dos Santos musikgetriebener Coming-of-Age-Variante.

Wie Flipperkugeln trudeln sie durchs Leben, die Helden von "London Nights", der im Original treffender "Unmade Beds", "ungemachte Betten", heißt. Denn primär ist Chaos angesagt, innerlich wie äußerlich. Späte Teens und frühe Twens bevölkern bei Alexis Dos Santos die Leinwand, es herrscht ein babylonisches Sprachgewirr und auch eine klare Erzählstruktur bzw. einen stringenten Spannungsbogen sucht man vergebens.

Was System besitzt, will der Film doch ein Lebensgefühl vermitteln, vom coming of age erzählen. Im Mittelpunkt der Handlung steht Axl (naiv-sympathisch: Fernando Tielve), ein wuschelköpfiger Spanier, der in der Metropole nach seinem Vater sucht. Abends steht er in Musikkneipen herum, trinkt ein Pint nach dem anderen und morgens wacht er in irgendwelchen Betten auf - mal zu zweit, mal zu dritt. "Wie viele Leute wohnen eigentlich hier?" fragt er einen seiner Gastgeber. "Ich weiß nicht. Das wechselt", antwortet der.

(Ost-)London, das genauso Barcelona, New York oder Tel Aviv sein könnte, swingt wieder. Niemand scheint einer festen Beschäftigung nachzugehen. Man dreht in der eigenen Wohnung Musikvideos, träumt davon, am Fallschirm der Erde entgegen zu sausen, oder ist wie die attraktive Belgierin Vera (somnambul: Déborah Francois) auf der Flucht vor einer alten Beziehung. Das hindert sie nicht, rotweinumnebelt mit dem "Röntgen-Mann" im Hotel zu landen. Bedingung: Keine Telefonnummern sollen ausgetauscht werden, Verabredungen geschehen von Date zu Date. Aber so einfach ist das mit der Liebe bekanntlich nicht.

Autor und Regisseur Dos Santos ("Glue") hat sein Generationenporträt mit unglaublicher Beiläufigkeit in Szene gesetzt. Die Dialoge wirken über weite Strecken improvisiert, die nervöse (Hand-)Kamera (HD & Super 8) des "Dogmatikers" Jakob Ihre ("Eine Familie") ist hautnah dran am Geschehen. Gibt es im Film eine Konstante, eine treibende Kraft, dann ist das die Musik - Electro Pop ((Wer Are) Performance), Electric Blues (Connan Mockasins) oder Gesang und Gitarre (Plaster of Paris), meist live und laut in diversen Clubs dargeboten.

"Die Musik gefällt mir" betont Axl stets, ansonsten lautet der am häufigsten geäußerte Satz: "Ich weiß nicht". Von durchorganisierten Bachelor- und Master-Studenten ist hier wohltuend wenig zu sehen, eine gewisse Perspektivlosigkeit herrscht, aber der Lust am Leben tut dies keinen Abbruch - denn auch sich und alles andere dem Zufall zu überlassen, kann eine Entscheidung sein. Wie auch die von Axl, sich dem Vater nicht zu erkennen zu geben. Der, schlipstragender Makler, verheiratet, zwei Töchter, würde ihn wahrscheinlich ohnehin nicht verstehen. Und schreiend aus dem Flugzeug springen, würde er schon gar nicht. geh.

London Nights

Darsteller:  Déborah François   als Vera
  Fernando Tielve   als Axl
  Michiel Huisman   als Röntgen-Mann
  Iddo Goldberg   als Mike
  Richard Lintern   als Anthony Hemmings
  Katia Winter   als Hannah
  Alexis Dos Santos   als Alejo
 
Regie:  Alexis Dos Santos  
Drehbuch:  Alexis Dos Santos  
Produzent:  Peter Ettedgui  
  Sol Gatti-Pascual  
Koproduzent:  Rachel Robey  
  Al Clark  
  Alex O’Neil  
Ausf. Produzent:  Peter Clarke  
  Lizzie Francke  
Kamera:  Jakob Ihre  
Schnitt:  Olivier Bugge Coutté  
Produktionsdesign:  Kristian Milsted  
Kostüme:  Kate Forbes  
Ton:  Tim Barker  
Casting:  Shaheen Baig  

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