Erst hält Eva Simon den neuen Nachbarn Jonathan, einen angesehenen Modefotografen, für einen Schicki-Micki-Schnösel. Aber dann gefällt ihr seine Art immer besser; und auch der vergleichsweise junge Mann erliegt Evas leicht kratzbürstigem Charme. Ihr Sohn ist allerdings ziemlich schockiert. Als das Paar den Widerständen zum Trotz zueinander findet, taucht plötzlich Jonathans Tochter auf, was die fragile Romanze nicht eben erleichtert.

Dass sich Herren in reiferem Alter gern mit jungen Frauen schmücken, ist allseits akzeptiert; umgekehrt aber wird noch lange kein Schuh draus, weder im Straßenbild noch in den Klatschspalten. Deshalb ist es durchaus ein wenig heikel, wenn die ARD-Tochter Degeto in dem Film "Liebe verlernt man nicht" genau diese Geschichte erzählen lässt: Ältere Frau liebt jungen Mann.
Erst hält Eva Simon (Katrin Sass) den neuen Nachbarn Jonathan (Stephan Luca), der unter anderem auch ihre Scheune gemietet hat, für einen Schicki-Micki-Schnösel, aber dann gefällt ihr seine Art immer besser; und auch der vergleichsweise junge Mann erliegt Evas leicht kratzbürstigem Charme. Ihr Sohn (Marcus Mittermeier) ist allerdings ziemlich schockiert.
Der schauspielerische Altersunterschied hält sich sogar in Grenzen; Luca ist Jahrgang 1974, Sass 1956. Die Auswahl der beiden Hauptdarsteller ist trotzdem sehr interessant: Der enorm attraktive Luca hat in den letzten zwei, drei Jahren Film auf Film gedreht und sich geschickt ein Image als romantischer Liebhaber aufgebaut ("Gefühlte XXS"), der auch in Action-Rollen eine prima Figur macht (zuletzt "Mörder kennen keine Grenzen", Sat.1). Die Besetzung von Sass wiederum ist die riskantere und damit auch die weitaus interessantere: weil die Produzenten mit Bedacht keine gealterte Sexbombe ausgewählt haben. Katrin Sass wird ohnehin gern "älter" besetzt ("Good Bye, Lenin"). Da sie nie eine Schönheit im klassischen Sinne war und in ihren Filmen ohnehin gern eher herbere Figuren verkörpert, ist die Romanze zwischen Eva und Simon um so reizvoller.
Klugerweise reduziert Bettina Woernle (Buch und Regie) die Handlung nicht auf die ohnehin nur allmählich in Gang kommende Liebesgeschichte. Großen Raum nimmt beispielsweise die Beziehung zwischen Jonathan und seiner unvermutet auftauchenden 13-jährigen Tochter auf, die er seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hat. Argwöhnisch beäugt Eva zudem Jonathans Lebenswandel: Hübsche junge Frauen geben sich bei dem angesehenen Fotografen die Klinke in die Hand.
Die Inszenierung gehorcht dem üblichen Freitagstempo, aber darauf kommt es nicht an: Woernle verlässt sich völlig zu Recht voll und ganz auf ihre beiden Hauptdarsteller. Vor allem für Sass hat sie zudem eine wunderbare Rolle geschrieben: Eva war vor Jahrzehnten eine gefeierte Sängerin, hat die Karriere aber für ihre Kinder aufgegeben; die Liaison mit Jonathan gibt ihr den Mut für einen Neuanfang. Das mag mit Blick auf das Stammpublikum dieses Sendeplatzes (Frauen in Evas Alter) als Botschaft allzu durchschaubar wirken, ist dafür aber umso unterhaltsamer verpackt, zumal Woernle gerade ihrer weiblichen Hauptfigur einige sehr schöne Szenen gönnt: Mal plumpst Sass beim Kirschenpflücken von der Leiter, als sie Jonathan heimlich beobachtet, mal geniert sie sich wie ein Schulmädchen, als sie dem schmucken Mannsbild unvermutet im Schwimmbad begegnet. tpg.
| Darsteller: | Katrin Saß | als Eva Simon | |
|---|---|---|---|
| Stephan Luca | als Jonathan Wolf | ||
| Julia Richter | als Marlene Simon | ||
| Marcus Mittermeier | als Theo Simon | ||
| Özay Fecht | als Sema | ||
| Marisa Leonie Bach | als Marie Simon | ||
| Adrian Hagenguth | als Mike | ||
| Hildegard Kuhlenberg | als Fanny | ||
| Petra Fehrmann | als Margret | ||
| Johann Hillmann | als Nico Simon | ||
| Elisabeth Böhm | als Paula Wolf | ||
| Chantal Hourticolon | als Lilli Simon | ||
| Florian Thunemann | als Dr. Hansen | ||
| Regie: | Bettina Woernle | ||
| Drehbuch: | Bettina Woernle | ||
| Produzent: | Christa Gerlach | ||
| Karl-Eberhard Schäfer | |||
| Kamera: | Andreas Köfer | ||
| Schnitt: | Birgit Gasser | ||
| Musik: | Florian Appl | ||
| Jochen Schmidt-Hambrock | |||
| Produktionsdesign: | Anette Reuther | ||
| Kostüme: | Katharina Schnelting | ||
| Ton: | Michael Busch | ||
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