Ivan Shvedoff
Sergej Frolow
Anna Janowskaja
Regie: Hans-Christian Schmid
Verleih: Prokino (Fox)
Menschen und Schicksale am Grenzfluss Oder: Eine Gruppe Ukrainer irrt auf der Suche nach dem Schlupfloch ins vermeintliche Schlaraffenland in die Katastrophe. Ein polnischer Taxifahrer versucht Geld aufzutreiben für das Kommunionskleid seiner Tochter. Ein westdeutscher Investor plant eine Firma im Grenzgebiet. Ein Zigarettenschmuggler findet Hilfe bei einer jugendlichen Ausreißerin. Ein Krämer träumt vom großen Matratzengeschäft. Und immer wieder: Durchreisende auf der Suche nach Arbeit und ein bisschen Wohlstand.
Unter Zuhilfenahme eines ebenso prominenten wie internationalen Darstellerensembles zeichnet Hans-Christian Schmid ("23", "Crazy") fesselnde Schicksalsepisoden in bestem Altman-Stil.

Migration - ein Schwerpunkt auf der Berlinale. Neben dem Gold-Briten Michael Winterbottom ("In this World") und dem Slowenen Damjan Kozole ("Ersatzteile") fokussierte sich auch Hans-Christian Schmid auf das aktuelle und politisch brisante Thema. An der deutsch-polnischen Grenze verbinden sich die Schicksale verschiedener Menschen auf der Suche nach einer neuen Heimat und einem Platz im Leben. Zwei Tage voller Hoffnung, Verzweiflung und Desillusion.
Auf der einen Seite das deutsche Frankfurt, auf der anderen das polnische Slubice. Die Oder trennt nicht nur zwei Länder, sondern ist auch Wohlstandsgrenze. An ihrem Ufer endet nicht selten der Traum vom Glück. Da irren ukrainische Flüchtlinge orientierungslos durch einen Wald. Sie sollen den Lichtern folgen und am ersten Haus der Siedlung klopfen, dort würde ihnen weitergeholfen, lügen ihnen gewissenlose Schlepper vor. Doch der verlorene Haufen befindet sich nicht in Deutschland, sondern noch in Polen. Einer von ihnen ertrinkt in den Fluten, andere werden verhaftet, ein Paar mit Kind schreckt vor der Flussüberquerung zurück, nur der durchsetzungsfähige Kolja schafft es nach einigen Wirrungen bis an den Potsdamer Platz, dahin wo "die größten Hochhäuser Europas stehen", wie ihm sein Bruder vorschwärmte, einst Schwarzarbeiter auf der Baustelle.
Hans-Christian Schmid verwebt kunstvoll die einzelnen Episoden zu einem Ganzen aus einem Guss. Da versucht Kolja auf eigene Faust den Goldenen Westen zu erreichen und hat keine Hemmungen, der Dolmetscherin, die ihn über die Grenze schmuggelt, die Kamera zu klauen, hilft eine junge Ausreißerin einem Kleinkriminellen beim Zigarettenschmuggel, glaubt der Pächter eines Matratzen-Ladens gegen jegliche Vernunft an ein lukratives Geschäft, reicht das Geld eines polnischen Taxifahrers noch nicht einmal für das Kommunionkleid der Tochter, kapiert der junge westdeutsche Stararchitekt, dass er seinem skrupelloser Investitions-Chef nur als Büttel dient. Sie alle verpassen die Chance zur Liebe, weil sie blind sind für den anderen, unterdrücken ihre Sehnsucht, weil sie sich nur noch mit dem Überleben beschäftigen müssen.
Das eingespielte Team Schmid und Koautor Michael Gutman verdichtet in bester Altman-Tradition die Geschichten, von denen jede einzelne ein Schicksal birgt, erzählt mit genauem Blick für Milieu und Mentalität von Verlierern der Ellebogengesellschaft, von denen im Dunkeln, die vom Land der Lichter träumen. Ethische Werte sind fast ganz außer Kraft gesetzt. Es gibt kein Vertrauen, sondern nur noch Misstrauen und Skepsis, Enttäuschung und Scheitern. An diesem Umschlagplatz von Menschen und Gefühlen prallen Welten aufeinander, die Geschlagenen riskieren ihr Leben für eine Chance in Europa, treffen in ihrer diffusen Abwehr oft denjenigen, der sie unterstützt. Überall ist es besser, wo wir nicht sind!
Regisseur Schmid, bisher mehr Coming-of-Age-Geschichten zugeneigt, beweist eine neue und tiefe Ernsthaftigkeit, die sich hoffentlich auch an der Kinokasse auszahlt. mk.
| Darsteller: | Ivan Shvedoff | als Kolja | |
|---|---|---|---|
| Sergej Frolow | als Dimitri | ||
| Anna Janowskaja | als Anna | ||
| Sebastian Urzendowsky | als Andreas | ||
| Alice Dwyer | als Katharina | ||
| Martin Kiefer | als Marko | ||
| Tom Jahn | als Maik | ||
| Devid Striesow | als Ingo | ||
| Claudia Geisler | als Simone | ||
| Zbigniew Zamachowski | als Antoni | ||
| Aleksandra Justa | als Milena | ||
| Marysia Zamachowski | als Marysia | ||
| Maria Simon | als Sonja | ||
| Janek Rieke | als Christoph | ||
| August Diehl | als Philip | ||
| Julia Krynke | als Beata | ||
| Herbert Knaup | als Klaus | ||
| Henry Hübchen | als Wilke | ||
| Anna Fischer | als Mädchen im Jugendheim | ||
| Regie: | Hans-Christian Schmid | ||
| Drehbuch: | Michael Gutmann | ||
| Hans-Christian Schmid | |||
| Produzent: | Jakob Claussen | ||
| Thomas Wöbke | |||
| Kamera: | Bogumil Godfrejow | ||
| Schnitt: | Hansjörg Weißbrich | ||
| Bernd Schlegel | |||
| Musik: | The Notwist | ||
| Produktionsdesign: | Andrej Liousikov | ||
| Christian M. Goldbeck | |||
| Kostüme: | Ulrike Scharfschwerdt | ||
| Ton: | Marc Parisotto | ||
| Stefan Michalik | |||
| Casting: | Simone Bär | ||
Mit insgesamt neun Auszeichnungen war "Good Bye, Lenin!" der große Abräumer beim Deutschen Filmpreis.
Die Ost/West-Dramödie wurde mit dem Filmpreis in Gold und dem Publikumspreis ausgezeichnet. Auch Hauptdarsteller Daniel Brühl erhielt den Publikumspreis. Er wurde außerdem für seinen Leistungen in "Elefantenherz" und "Good Bye, Lenin!" als bester Hauptdarsteller geehrt.
Auch die Preise für die beste Regie und den besten Nebendarsteller gingen an "Good Bye, Lenin!" (Wolfgang Becker, Florian Lukas). Als beste Nebendarstellerin wurde Corinna Harfouch ("Bibi Blocksberg") gefeiert. Eine Lola für die beste Hauptdarstellerin erhielt Hannelore Elsner für ihre Rolle in "Mein letzter Film".
Als bester Dokumentarfilm wurde "Rivers and Tides", als bester Kinder- und Jugendfilm "Das fliegende Klassenzimmer" ausgezeichnet.
In der Kategorie "Drehbuch" gingen die Preise an Almut Getto ("Fickende Fische") sowie Maggie Peren und Dennis Gansel ("Napola").
Zwei Filmpreise in Silber erhielten "Nackt" (Regie: Doris Dörrie) und Hans-Christian Schmids "Lichter", als bester ausländischer Film wurde Stephen Daldrys "The Hours" gewürdigt.
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