In einem aufgelassenen Kino treffen sich Abend für Abend ein Junge, ein Mädchen und eine ältere Haustechnikerin. Die Kinder spielen ausgelassen, verkleiden und träumen sich in Geschichten hinein, die für sie wahr werden. Magische Wesen geistern durch den Saal, Stallburschen verzehren sich nach Prinzessinnen, Werwölfe heulen und noble Damen empören sich über die Eindringlinge. Die Städte sind aus Gold, die Wälder finster und tief. Jede Nacht versucht das Böse zu siegen - doch das Gute behält letztlich stets die Oberhand.

Poetischer Bilderreigen mit sechs zauberhaften Märchen aus aller Welt in 3D.
Michel Ocelot, der große Meister der Fantasie, kehrt mit diesen Märchen aus Afrika, den Antillen, Tibet und dem Mittelalter zum Kurzfilmformat zurück, seine Silhouetten-Figuren vor einem bunten, in rauschhaften Farben getauchten Hintergrund sind eine Verbeugung vor Lotte Reinigers legendären Scherenschnittfilmen aus dem vergangenen Jahrhundert. Seine naiven und idealistisch gesinnten Helden kämpfen um die Liebe und gewinnen durch ihre Unschuld. Seine Filmgeschichten sind kleine Fluchten mit der optimistischen Botschaft, wer wirklich etwas will, erreicht es auch und wer gut zu anderen ist, dem wird in größter Not geholfen.
Zwischen den einzelnen Episoden treffen sich ein älterer Techniker, ein junger Mann und ein junges Mädchen nachts in einem kleinen und verwunschenen Kino, in dem Ideenreichtum wie aus einer Wundertüte sprudelt. Die drei bringen die Geschichten von Hexern und mächtigen Königen, mutigen Jungs und schönen Mädchen, von verdammten Werwölfen und guten Feen zum Leben - ob in der Strohhütte oder der Kathedrale, in der goldenen Stadt oder im finstren Wald. In jeder Story muss der junge Mann größte Hindernisse überwinden, bevor er die charmante Prinzessin ins Liebesreich entführen darf und manchmal entpuppt sich die Richtige erst auf den zweiten Blick.
Ocelot zeigt nicht nur eine heile Welt, sondern eine mit Tücken, in der Tod und Leben, Liebe und Freundschaft nebeneinander stehen. Mit 3D spielt er wie ein neugieriges Kind, nutzt die Möglichkeiten, ohne sich ihnen zu unterwerfen. Gerade die Kombination aus 3D und "altmodischem" Trickfilm entwickelt einen Reiz. Wahrscheinlich deshalb gehört "Les Contes de la nuit" zu einem der schönsten Animationsfilme in 3D. Auf keinen Fall möchte der Franzose sein Werk unter dem Label Kinderfilm verstanden wissen, sondern als Familienfilm, den Eltern mit ihren Kids anschauen können, aber auch Erwachsene, die für einen Moment wieder das Glücksgefühl der Kindheit spüren möchten. Denn träumen kann man in jedem Alter. mk.
| Regie: | Michel Ocelot | ||
|---|---|---|---|
| Drehbuch: | Michel Ocelot | ||
| Produzent: | Christophe Rossignon | ||
| Philip Boëffard | |||
| Ausf. Produzent: | Eve Machuel | ||
| Musik: | Christian Maire | ||
Auch wenn's mitunter schwer zu verstehen ist: Berlin spricht Deutsch!
Der Titel ist Programm: "Almanya - Willkommen in Deutschland" wurde in den Berlinale-Wettbewerb eingeladen (Foto: Concorde)
Die Berlinale (10. bis 20. Februar) hat nun die verbliebenen Titel des 22 Filme umfassenden Wettbewerbsprogramms bekannt gegeben, von denen 16 als Weltpremieren gezeigt werden. Erstmals werden auch 3D-Filme gezeigt, neben Wim Wenders' "Pina" kommen zwei weitere künstlerische 3D-Filme zur Aufführung: der Animationsfilm "Les contes de la nuit" von Michel Ocelot als Weltpremiere sowie als Sondervorführung außer Konkurrenz Werner Herzogs 3D-Dokumentarfilm "Cave of Forgotten Dreams".
"Almanya - Willkommen in Deutschland" (außer Konkurrenz) ist das Spielfilmdebüt von Yasemin Samdereli, eine Einwandererkomödie, die die Roxy Film GmbH produziert hat. Ein Held der sogenannten "Berliner Schule" ist Ulrich Köhler, er stellt seinen neuen Film "Die Schlafkrankheit" (Produzent: Komplizen Film auf der Berlinale vor. Wolfgang Murnberger ist mit seinem neuen Film "Mein bester Feind" (Aichholzer Filmproduktion) als Weltpremiere außer Konkurrenz dabei, eine im durch die Nazis besetzten Wien angesiedelte Tragikomödie mit Moritz Bleibtreu und Georg Friedrich.
Um den Goldenen Bären konkurriert der ungarische Filmemacher Béla Tarr mit "A Torinói ló", der in Koproduktion mit Vega Film AG in Zürich und der Berliner zero fiction film entstanden ist. Frisch aus Sundance kommt J.C. Chandors Debütfilm "Margin Call", in der Kevin Spacey, Jeremy Irons und Stanley Tucci mit der Finanzkrise ringen. Joshua Marston("Maria voll der Gnade") zeigt seinen zweiten Spielfilm "The Forgiveness Of Blood".
Aus Argentinien kommt "Un Mundo Misterioso" von Rodrigo Moreno, an dem Rohfilm als deutscher Koproduzent beteiligt ist. Auch das mexikanische Spielfilmdebüt "El premio" von Paula Markovitch, die das Drehbuch zu "Lake Tahoe" schrieb, entstand mit deutscher Beteiligung. In Studio Babelsberg gedreht und mit dem Berliner Studio als Koproduzent realisiert wurde der Thriller "Unknown Identity" von Jaume Collet-Serra mit Liam Neeson und Diane Kruger, der außer Konkurrenz läuft. Bavaria Pictures ist bei Alexander Mindadzes "Innocent Saturday" an Bord, einer russisch-deutsch-ukrainischen Koproduktion.
"Jodaeiye Nader az Simin" von Asghar Farhadi ("Darbareye Elly") aus dem Iran, "Saranghanda, Saranghaji Anneunda" (Kommt Regen, kommt Sonnenschein) von Lee Yoon-ki aus Südkorea, sowie "Les femmes du 6ème étage" von Philippe Le Guay (mit Sandrine Kiberlain und Carmen Maura) aus Frankreich (außer Konkurrenz) runden den Wettbewerb ab.
Als Sondervorvorführung zeigt die Berlinale "Offside" von Jafar Panahi- eine Solidaritätsbekundung für den verurteilten iranischen Regisseur. Als Abschlussfilm der 61. Berlinale wird am 19. Februar im Anschluss an die Preisverleihungsgala der Gewinnerfilm des Goldenen Bären gezeigt.
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.