Originaltitel: Les adieux à la reine
Frankreich/Spanien 2011
Léa Seydoux
Diane Kruger
Virginie Ledoyen
Regie: Benoît Jacquot
Verleih: Capelight (Central)
Juli 1789. Im Schloss von Versailles lässt sich Marie-Antoinette von ihrer Zofe Sidonie vorlesen, behandelt das sie verehrende Mädchen mal wie eine gute Freundin, mal wie eine lästige Bedienstete - ein emotionales Zuckerbrot-und-Peitsche-Spiel. Am Abend machen erste Gerüchte über eine Revolution die Runde, am nächsten Tag erfahren alle am Hof von den Unruhen in Paris. Die nervöse Königin will ihre Geliebte retten und ausgerechnet die Vorleserin soll helfen, indem sie mit der Adeligen bei der Flucht die Rollen tauscht.

Opulentes und Star-gespicktes Kostümdrama über die ersten Tage nach der Französischen Revolution am Hof von Versailles aus der Perspektive der königlichen Vorleserin.
"Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen", soll 1789 Königin Marie-Antoinette gesagt haben, als das hungernde Volk billiges Brot forderte. Nur wenig später revoltierte dieses Volk. In den ersten drei Tagen nach dem Sturm auf die Bastille, vom 14. bis 17. Juli 1789, spielt Benoît Jacquots opulentes Period Piece. Ihn interessieren weniger der Aufruhr in den Straßen von Paris, sondern junge Frauenfiguren und das, was hinter den Mauern von Versailles passiert. Dort läuft alles wie immer. Marie-Antoinette lutscht Bonbons und lässt sich von ihrer Zofe Sidonie Texte von Marivaux und das Neueste aus den Modemagazinen vorlesen. Launisch behandelt sie das junge Mädchen mal wie eine gute Freundin, dann wieder wie eine lästige Bedienstete. Ein emotionales Zuckerbrot-und-Peitsche-Spiel, das die Vorleserin nicht von ihrer Verehrung abbringt. Am Abend machen erste Gerüchte die Runde, aber die Gefahr bleibt irreal, die Domestiken feiern unbekümmert ein Fest, erst am nächsten Tag erfahren sie von den Unruhen und werden unsicher. Die verzweifelte und nervöse Marie-Antoinette will ihre Geliebte retten und ausgerechnet Sidonie soll helfen - indem sie mit der Adeligen bei der Flucht die Rollen tauscht, eine zukunftsweisende Umkehrung der Machtverhältnisse. Die Hauptperson ist die junge Vorleserin, auch wenn die "Österreicherin", wie die verhasste Marie-Antoinette abschätzig wegen ihrer Herkunft genannt wird, den kleinen Kosmos von Versailles beherrscht.
Jacquots Blick richtet sich hinter die fantastische Fassade, hinein in die dunklen Gänge, wo die Hofdamen ihre Liebesspiele treiben, tote Ratten liegen und vom baldigen Untergang künden. In einer Mischung aus Fakten und Fiktion überlagern private Histörchen die große Historie. Diane Kruger ist nicht das oberflächliche It-Girl wie in Sofia Coppolas rosa-süßem Pop-Märchen, sondern eine ambivalente, unreife und auch tyrannische Monarchin, die den Boden unter den Füßen verliert. Auf der anderen Seite der gesellschaftlichen Skala befindet sich Léa Seydoux'willensstarke junge Frau, die ihren Weg sucht und deren Identität dennoch von der aus tiefstem Herzen bewunderten Herrscherin abhängt. Die dritte Hauptrolle spielt der Prunkbau von Versailles. Jacquot ("Sade") gelingt durch die Fokussierung auf die Ereignisse im Schloss eine dramatische Zuspitzung, er vermeidet dröge Geschichtslektionen, sondern versucht, den Bogen zum Heute zu ziehen, zu einer Zeit des Umbruchs und radikalen moralischen Wandels. Atmosphäre, Ausstattung und Kostüme, dazu Seydoux' Sinnlichkeit und Unschuld machen dieses pompöse Praliné zum absoluten Schauwert-Kino. mk.
| Darsteller: | Léa Seydoux | als Sidonie Laborde | |
|---|---|---|---|
| Diane Kruger | als Marie Antoinette | ||
| Virginie Ledoyen | als Gabrielle de Polignac | ||
| Xavier Beauvois | als Louis XVI. | ||
| Noémie Lvovsky | als Madame Campan | ||
| Michel Robin | als Jacob Nicolas Moreau | ||
| Julie-Marie Parmentier | als Honorine | ||
| Lolita Chammah | als Louison | ||
| Marthe Caufman | als Alice | ||
| Vladimir Consigny | als Paolo | ||
| Regie: | Benoît Jacquot | ||
| Drehbuch: | Gilles Taurand | ||
| Benoît Jacquot | |||
| Produzent: | Jean-Pierre Guérin | ||
| Kristina Larsen | |||
| Pedro Uriol | |||
| Ausf. Produzent: | Christophe Valette | ||
| Buchvorlage: | Chantal Thomas | ||
| Kamera: | Romain Winding | ||
| Schnitt: | Luc Barnier | ||
| Musik: | Bruno Coulais | ||
| Kostüme: | Christian Gasc | ||
| Valérie Ranchoux | |||
| Ton: | Brigitte Taillandier | ||
Die Internationalen Filmfestspiele Berlin sind eröffnet!
Strahlten bei der Berlinale-Eröffnung um die Wette: Diane Kruger, Klaus Wowereit und Marie Bäumer (Foto: Kurt Krieger)
Zum Auftakt wurde "Leb wohl, meine Königin!" von Benoît Jacquot als Weltpremiere gezeigt, in der die deutsche Schauspielerin Diane Kruger als Marie-Antoinette zu sehen ist, die von den Unruhen der Französischen Revolution erfasst wird. Neben Kruger waren auch die Schauspielerinnen Léa Seydoux und Virginie Ledoyen ins winterliche Berlin gereist, um ihren Film persönlich vorzustellen - für Schauwerte war also gesorgt bei der Eröffnung. Der Film kam gut an beim geladenen Premierenpublikum, es gab begeisterten Beifall für die anwesenden Macher des Films.
Ein Höhepunkt des Abends war auch die Präsentation der in diesem Jahr wieder sehr hochkarätigen Jury: Mike Leigh (Vorsitz), die Regisseure Francois Ozon und Anton Corbijn, der Vorjahres-Bärengewinner Asghar Farhadi, die Aktrice und Sängerin Charlotte Gainsbourg, die deutsche Schauspielgröße Barbara Sukowa, Hollywoodstar Jake Gyllenhaal sowie der der algerischen Schriftsteller Boualem Sansal. Eine anregende Zusammenstellung, die das Rätselraten um potentielle Bären-Gewinner in diesem Jahr umso spannender macht.
Anwärter gibt es in diesem Jahr 18 - darunter drei deutsche Regisseure - sie alle werden als Weltpremiere gezeigt. Jurypräsident Leigh schwärmte von der "intensiven Atmosphäre" der Berlinale - womöglich eine das schlechte Wetter die Menschen - und lobte Festivalchef Dieter Kosslick: "Er ist wahnsinnig innovativ und lustig. Wir werden hier viel lachen."
Eröffnet wurden die Filmfestspiele von Berlinale-Direktor Kosslick mit dem Jury-Präsidenten Mike Leigh, Kulturstaatsminister Bernd Neumann und dem Regierenden Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit. Kulturstaatsminister Neumann legte in seiner traditionellen Eröffnungsrede einen klaren politischen Schwerpunkt:
"Die Berlinale hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder neuen Themen gestellt und uns mit anspruchsvoller Filmkunst und großem Kino wichtige Einblicke in die Welt ermöglicht. Nirgendwo sind Kino, Politik und Weltoffenheit derart beispielhaft vereint. Die Berlinale 2012 ist politischer denn je und steht ganz im Zeichen des Umbruchs und des Aufbruchs. Dank der vielen couragierten Filmemacher, Aktivisten und Künstler, denen die Berlinale in diesem Jahr ein Forum bietet, werden unverfälschte Bilder von den Ereignissen in Nordafrika und anderen Orten der Unfreiheit sichtbar. Ganz aktuell etwa in Syrien, deren Menschen darum unsere Solidarität gilt. Kunst und Kultur - und damit auch der Film - sind nicht nur Seismograph, sondern vor allem Motor gesellschaftlicher Umbrüche. Dies fürchten diktatorische Regime weltweit, und darum werden nach wie vor in Ländern wie Iran und China Künstler und Filmemacher gedemütigt, verfolgt, inhaftiert und mit Berufsverboten belegt."
Dabei hatte Neumann Künstler wie Jafar Panahi oder Ai Weiwei im Blick. Er forderte weiter: "Deshalb ist es wichtig, dass auch auf der Berlinale, dem größten Zuschauerfilmfestival der Welt, Flagge gezeigt wird für Menschenrechte und für die Freiheit der Kunst. Denn Demokratie braucht Kultur und Kultur braucht Freiheit."
Durch die Eröffnung führten Anke Engelke und Dieter Kosslick gewohnt charmant im deutsch-englischen Mix. Bereits zum sechsten Mal, so dass Engelke scherzhaft vom "Sixth Year Itch", dem verflixten sechsten Jahr, sprach.
Zum Berlinale-Auftakt versammelte sich die deutschen Filmschaffenden nahezu vollzählig, auch allerlei Politprominenz ließ sich wie gewohnt auf dem Hauptstadtevent blicken.
Die Berlinale läuft bis 19. Februar. In den diversen Sektionen des Festivals laufen in diesem Jahr nicht weniger als 385 Filme - darunter 87 mit deutscher Beteiligung! Dazu kommen 750 Filme, die auf dem European Film Market gezeigt werden.
Prominentester Gast ist Superstar Angelina Jolie, die ihr Regiedebüt "In the Land of Blood and Honey" über eine Liebe im Bosnienkrieg über die Feindeslinien hinweg vorstellt.
Deutsche Schauspielerin. Bildhübscher blonder Blickfang ohne Allüren, hat sich Diane Kruger vom Hype um "Troja" (2004), wo sie Helena, die...
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.