Originaltitel: Waking Ned Devine
Großbritannien 1998
Ian Bannen
David Kelly
Fionnula Flanagan
Regie: Kirk Jones
Verleih: Helkon
Ned Devine ist die gute Seele eines irischen Fischernestes, die sich im Moment größten Glücks, der Nachricht von einem Lottovolltreffer, in den Himmel verabschiedet. Zum Verdruß zweier Freunde, die sich von Neds Vermögen irdischen Wohlstand erwarten und gegenüber der Lottogesellschaft den Toten wiederauferstehen lassen. Was auch im Dorf für Leben sorgt.

Weltweit versucht man sie zu kultivieren, aber richtig blüht sie derzeit nur im britischen Kino - die Komödie mit kleinem Budget, aber großer Wirkung. Aus der schmalen Prämisse eines riesigen Lottogewinns, der ein verschlafenes irisches Kaff erstmals richtig träumen ließe, wenn nur der Gewinner seinen Triumph überlebt hätte, hat Autor-Regisseur Kirk Jones ein äußerst charmantes Kinovergnügen entwickelt, das sich in den USA mit bislang etwa 15 Mio. Dollar Einspiel bereits als Volltreffer erwies und auch von deutschen Zuschauern umarmt werden könnte, wenn sich der Mangel eines Werbe-Wunders wie strippende Männer kompensieren läßt.
Dabei gibt es auch in diesem Kinodebüt des englischen Werbefilmers Kirk Jones nackte Männer zu bestaunen, aber im Unterschied zu "Ganz oder gar nicht" ist Textilfreiheit hier nicht Ziel und Schlußpunkt aller Bemühungen, sondern ein schrulliges Randereignis, das von situationsabhängiger Notwendigkeit bestimmt wird. Grund für den Spontan-Akt zweier rüstiger 70jähriger, die nackt auf einem Motorrad durch die traumhafte, aber kaum tropisch warme Natur ihrer Küstenenklave Tulaigh Morth brausen, ist ein mit 6,8 Mio. Pfund recht satter Lottogewinn, den einer von 52 Einwohnern des idyllischen irischen Fischernestes laut einer Zeitungsnotiz verbucht haben muß. Gefundenes Fressen für die sympathischen Beutegeier Jackie O'Shea (Ian Bannen) und seinen besten Freund Michael (der trocken-komische Haudegen David Kelly), die im ersten Drittel des Films mit komischen Schleim- und Schmeichelaktionen den unbekannten Krösus zu ermitteln versuchen, dann aber mit einem noch größeren Problem konfrontiert werden. Denn unbemerkt vom Dorf, fault der Glückspilz Ned Devine schon in seinem Haus dahin, seit ihn die Nachricht seines Triumphes mit einem finalen Schlag ereilte. Trotz dieser Sackgasse gibt das Freundesduo ungebremst Gas - und den kauzigen Michael gegenüber dem Mann von der Lottogesellschaft als den Verstorbenen aus. Das sorgt für heitere Turbulenzen, schrullige Situationskomik und einen hinreißenden, in Parallelmontage erzählten Klimax, welcher der nicht minder witzigen Ouvertüre Paroli bietet. Verglichen damit bleibt ein Seitenarm des Plots, eine dörfliche Love Story, belanglos und verzichtbar. Auch wenn anfänglich kaltes Kalkül im Spiel ist, ist dieser auf der Isle of Man in touristisch verführerischem Cinemascope gedrehte Film passend zum irischen Ambiente von ausgesuchter Wärme und Herzlichkeit und eigentlich ein idealer Auftakt für den neugegründeten Helkon-Verleih, um nach zu erwartender positiver Presseresonanz auch an den Kassen den Lohn ernten zu können. kob.
| Darsteller: | Ian Bannen | als Jackie O'Shea | |
|---|---|---|---|
| David Kelly | als Michael O'Sullivan | ||
| Fionnula Flanagan | als Annie O'Shea | ||
| Susan Lynch | als Maggie | ||
| James Nesbitt | als Pig Finn | ||
| Maura O'Malley | als Mrs. Kennedy | ||
| Robert Hickey | als Maurice | ||
| Paddy Ward | als Brendy | ||
| James Ryland | als Dennis Fitzgerald | ||
| Fintan McKeown | als Pat Mulligan | ||
| Matthew Devitt | als Tom Tooney | ||
| Eileen Dromey | als Lizzy Quinn | ||
| Kitty Fitzgerald | als Kitty | ||
| Dermot Kerrigan | als Father Patrick | ||
| Brendan F. Dempsey | als Mann der Lottogesellschaft | ||
| Regie: | Kirk Jones | ||
| Drehbuch: | Kirk Jones | ||
| Produzent: | Glynis Murray | ||
| Richard Holmes | |||
| Koproduzent: | Neil Peplow | ||
| Ausf. Produzent: | Alexandre Heylen | ||
| Kamera: | Henry Braham | ||
| Schnitt: | Alan Strachan | ||
| Musik: | Shaun Davey | ||
| Produktionsdesign: | John Ebden | ||
| Mark Tanner | |||
| Kostüme: | Rosie Hackett | ||
| Ton: | David Crozier | ||
Auf dem Münchner Filmfest stellt Marcus H. Rosenmüller seinen neusten Film "Beste Zeit" vor, eine muntere Geschichte um zwei Freundinnen in der bayerischen Provinz. Gleich zu Beginn des Interviews auf der sonnigen Terrasse der Filmlounge bietet er das Du an und stürzt sich anschließend voller Elan auf die Fragen.
» Wie hast Du Dich auf die Dreharbeiten zu "Beste Zeit" vorbereitet?
MARCUS H. ROSENMÜLLER: Schon beim Lesen des Drehbuchs wusste ich, wie der Film aussehen soll. Während ich mich bei "Schwere Jungs" über die 60er Jahre informieren musste, war das hier kein Problem. 1995, das Jahr in dem "Beste Zeit" spielt, war ich ungefähr in dem Alter der beiden Hauptfiguren Kati und Jo. Die Orte, die Karin Michalke in dem Drehbuch beschreibt, gibt es in Wirklichkeit. Wir haben einen beträchtlichen Teil dieser Orte für den Dreh verwendet. Einige der Einheimischen waren als Statisten dabei und Eddie Salvenmoser, der eine Brandrede zum Fußball hält, ist selbst Trainer.
Das Wichtigste für die Vorbereitung war eigentlich, die passenden Schauspieler zu finden. Die große Entdeckung war Anna Maria Sturm, die hier zum ersten Mal vor der Kamera steht. Sie hat was von Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter, kann ein richtiger Vulkan sein, aber auch mal ganz ruhig.
Kati auf der verzweifelten Suche nach ihrer Lieblingsjeans, oder was noch davon übrig ist (Foto: Constantin)
» Inwiefern hat das Bayerische am Set eine Rolle gespielt?
Ich will, dass die Filme ehrlich 'rüberkommen und alles stimmig ist. Die Geschichte spielt im Dachauer Land und da geht es einfach nicht, dass im Dorf jeder Hochdeutsch spricht. Ich wollte das Bayerisch auf keinen Fall eindeutschen. Jeder kapiert, worum es in dem Film geht, auch wenn er nicht jedes Wort versteht. "Hodern" zum Beispiel ist ein Putzlappen und wenn es "an olten Hodern" heißt und die Kati auf der Suche nach ihrer Lieblingsjeans ist, erschließt sich, was gemeint ist.
» Bist Du denn auf bayerische Filme abonniert?
Das nicht. Es geht mir nicht um die Bewahrung von Traditionen, ich will nicht der Bayernfilmer sein. Wenn ich ein gutes Drehbuch in die Hände bekomme und ich mir die Inszenierung zutraue, dann mache ich das, ob Dialekt oder nicht. Ich habe auch kein Problem damit, mal einen Film auf Hochdeutsch zu drehen - nur beim Hochdeutsch sprechen habe ich gewisse Probleme, das muss ich zugeben.
Wichtig ist, ob der Dialekt der Geschichte dient, ob sie dadurch realistischer 'rüberkommt und mehr Gefühl hat. Mit dem Bayerischen wollte ich "Beste Zeit" eine gewisse Ehrlichkeit geben. Schön ist, wenn man sich in Zeiten der Globalisierung, in der alles gleicher und größer wird, mit dem Regionalen identifizieren kann. Das gefällt mir besonders an Filmen wie "Lang lebe Ned Devine!", in dem ein Lottogewinn ein irisches Dorf auf den Kopf stellt.
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