Originaltitel: La nana
Chile/Mexiko 2009
Catalina Saavedra
Claudia Celedón
Alejandro Goic
Regie: Sebastián Silva
Verleih: Arsenal (Filmagentinnen)
Raquel arbeitet seit über 20 Jahren bei derselben, reichen Familie Valdés als Haushälterin und Kindermädchen. Weil sie keine eigene Familie hat, ist deren großes Anwesen auch ihr Zuhause geworden, auch wenn sie sich ständig schlecht gelaunt um ihre Herrschaft und deren ungezogenen Nachwuchs kümmert. Eine Hilfskraft soll Raquel unterstützen. Doch Raquel fürchtet um ihre Stellung und mobbt die Kolleginnen so lange, bis sie wieder gehen. Nur die lebenslustige Lucy lässt sich nicht verjagen. Sie schließt die verhärmte, vereinsamte Frau sogar ins Herz.

Zwei Sundance-Preise bürgen für die Qualität der verstörenden Psychostudie um eine Haushälterin mit mentalem Knacks - ein bizarrer Familienfilm.
Nach über 20 Jahren als Bedienstete und Kindermädchen im selben Haus fragt sich Raquel (phänomenal: Catalina Saavedra) an ihrem 41. Geburtstag, was vom Tage übrig blieb. Mag sie zwar sauertöpfisch die reichen Arbeitgeber und ihre vielköpfige Wohlstandsbrut, die nicht nur den Erzeugern auf der Nase herumtanzt, rundumversorgen müssen, fühlt sie sich doch längst als fester Bestandteil der Familie Valdés, die ihr als Ersatz für die fehlende eigene dient. Ihre Welt ist das großzügige Anwesen, das sie weder physisch noch mental verlässt. Diese Existenz verteidigt sie erbittert, als eine Hilfskraft angestellt wird. Statt dass sich die kopfschmerztablettenabhängige Raquel ihre offensichtlichen Schwächen eingesteht und die Hilfe annimmt, fährt sie ein krasses Mobbing-Programm auf, das - wie der gesamte Film - so realistisch ausfällt, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Selbst Todd Solondz hätte keine gröberen Gemeinheiten erfinden können, als jene, mit denen Raquel erst eine blutjunge, später eine altgediente Konkurrentin herausekelt. Erst die lebenslustige Lucy (Mariana Loyola) kann ihrem verqueren Hass Paroli bieten und schließt sie gar ins Herz - und genau das bricht Raquels verhärmte Schale auf, zumindest ein wenig.
Sebastian Silva nimmt sich in seiner zweiten Regiearbeit eine kammerspielartige Charakterstudie vor, die er mit leichter Hand und einer sehr dokumentarischen Handkamera inszeniert. Inhaltlich wiegt sein Drama schwerer: Besonders, was Catalina Saavedra als sture, biestige Kammerzofe mit gefährlich schlechter Laune leistet, die wie eine alte Hexe ihren Turf verteidigt, sorgt für verstörende Stimmung. Dass sie psychisch krank ist, unter ausgeprägter Sozialphobie, Einsamkeit und minimalem Selbstwertgefühl leidet, derweil sie ihren misanthropischen Zug voll auslebt und dabei skrupellos lügt und täuscht, entfaltet sich peu à peu im Lauf der Handlung. Silva spart sich Stereotypen und eine Transformation zum Genrefilm. Er findet menschliche Antworten in seiner Studie menschlicher Schwächen, von denen auch die Eltern und die heranwachsenden Kinder nicht ausgenommen sind: Sie wollen gar nicht merken, was in ihren vier Wänden geschieht und verschärfen die Situation mit ihrem gedankenlosen Fehlverhalten. Wie sich Raquel ein Stück vom Glück wünscht und es sich notfalls mit unlauteren Methoden sichert, bald wie ein Vampir am (Familien)Leben der anderen saugt, ist ein beim Sundance Filmfestival mit dem Großen Preis der Jury prämiertes, starkes Lebenszeichen des chilenischen Autorenkinos.
tk.
| Darsteller: | Catalina Saavedra | als Raquel | |
|---|---|---|---|
| Claudia Celedón | als Pilar | ||
| Alejandro Goic | als Mundo | ||
| Andrea García-Huidobro | als Camila | ||
| Mariana Loyola | als Lucy | ||
| Agustín Silva | als Lucas | ||
| Darok Orellana | als Tomás | ||
| Sebastián La Rivera | als Gabriel | ||
| Mercedes Villanueva | als Mercedes | ||
| Anita Reeves | als Sonia | ||
| Delfina Guzman | als Abuela | ||
| Luis Dubó | als Eric | ||
| Luis Muñoz | als Raúl | ||
| Andreína Olivarí | als Javiera | ||
| Gloria Canales | als Mama von Lucy | ||
| Luis Wigdorsky | als Papa von Lucy | ||
| Juan Pablo Larenas | als Rodrigo | ||
| Regie: | Sebastián Silva | ||
| Drehbuch: | Sebastián Silva | ||
| Pedro Peirano | |||
| Koproduzent: | Issa Guerra | ||
| Edgar San Juan | |||
| Ausf. Produzent: | Gregorio González | ||
| Kamera: | Sergio Armstrong | ||
| Schnitt: | Danielle Fillios | ||
| Casting: | Cristina Aburto | ||
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.