Originaltitel: Ransom
USA 1996
Mel Gibson
Rene Russo
Gary Sinise
Regie: Ron Howard
Verleih: Buena Vista
Das perfekte Leben des Luftlinien-Tycoons Tom Mullen gerät aus den Fugen, als Kidnapper seinen Sohn entführen und zwei Mio. Dollar als Lösegeldforderung stellen. Als eine Geldübergabe scheitert, kommt Mullen zu der Überzeugung, seinen Sohn nie wieder lebend zu sehen. Das Entsetzen ist groß, als er vor laufender Kamera verkündet, das Lösegeld sei fortan ein Kopfgeld - zahlbar an den, der ihm die Entführer liefert.

Aus den lichten Höhen seines patriotisch angehauchten Erfolgs-Desasters und zweifachen Oscar-Gewinners "Apollo 13" wirft sich Ron Howard mit einem packenden Drama mitten in die dunkelsten Schatten des amerikanischen Traums: "Kopfgeld" erzählt düster vom Preis des Wohlstands, von der Ohnmacht der Autoritäten und von den Grenzen familiären Zusammenhalts.
Mit Mel Gibson, der hier erneut auf seine "Brennpunkt L.A. - Die Profis sind zurück"-Partnerin Rene Russo trifft, geht "Kopfgeld" mit einem publikumserprobten Actionhelden ins Kino-Rennen um das Weihnachtsgeld, und auch der Trailer zum Film betont Gibson und den Action-Aspekt. Tatsächlich ist "Ransom" jedoch zuallererst ein Drama, und ein ausgesprochen gutes noch dazu. Der Film beginnt mit einer Party, auf der Industrie-Tycoon Tom Mullen (Gibson) den Höhenflug seiner florierenden Airline feiert. In den süßen Wein des Erfolgs mischen sich freilich auch Wermutstropfen, denn Mullen bezahlte mit Bestechungsgeldern dafür, einen drohenden Gewerkschaftsstreit in seinem Unternehmen zu unterdrücken. Niemand ist unschuldig, deutet Regisseur Howard bereits mit diesen ersten Szenen an, und als der kleine Sohn Mullen entführt wird, verdichtet sich die Geschichte in einer fast greifbaren Atmosphäre der Angst, der Verzweiflung und des Hasses. Die Entführer - eine Gruppe Krimineller um den ebenso scharfsichtigen wie skrupellosen Polizisten Jimmy Shaker (Gary Sinise) - fordern zwei Millionen Dollar Lösegeld. Eine Summe, die Mullen sofort zu zahlen bereit ist. Natürlich schaltet der desperate Vater gleichzeitig auch das FBI ein, doch eine erste Geldübergabe scheitert blutig an der schießfreudigen Einsatztruppe. In dem folgenden Nervenkrieg kommt Mullen mehr und mehr zu der Überzeugung, daß sein Sohn längst nicht mehr lebt. Seine Verzweiflung schlägt schließlich in Haß um, was dazu führt, daß er im Fernsehen jene zwei Millionen Dollar als Kopfgeld aussetzt für denjenigen, der ihm den Entführer seines Sohnes "tot oder lebendig" bringt.
Howard beobachtet sehr genau und mit einer bemerkenswerten Sensibilität für die leiseren Zwischentöne, wie der moralisch in die Enge getriebene Vater seinem Drang nach Selbstjustiz nachgibt und dabei nicht nur seine Ehe aufs Spiel setzt. Gleichzeitig mit dem Fernsehaufruf verstärken sich die Spannungen auch bei den Kidnappern, und es ist vor allem der hochklassigen Riege von Nebendarstellern wie Lili Taylor und Liev Schreiber zu verdanken, daß der menschliche Konflikt selbst die Bad Guys nicht verschont.
Daß der Showdown Vater Mullen und Jimmy Shaker noch einmal zusammenführt, ist schließlich Höhepunkt und Antiklimax in einem: Natürlich hat der Zuschauer, nachdem die Identität Shakers als gefallener Polizist schon nach den ersten 20 Minuten feststand, keinerlei Zweifel, daß der "Böse" seine gerechte Strafe bekommen wird. Gleichzeitig aber löst die Konfrontation der Opfer mit dem Täter nach einem retardierenden Happy End noch einmal einen echten Schock aus. Und wie zur Bestätigung dessen, daß diese reiche, amerikanische Familie mehr Schaden nahm, als ihr von außen je hätte zugefügt werden können, zieht Ron Howard in den letzten Bildern noch einmal alle Farbe aus dem Film und läßt die Geschichte in einem grobkörnigen Grau verschwinden. Das ist für einen Filmemacher, der bislang mit seinen frohsinnigen Epen wie "In einem fernen Land" oder "Willow" eher für intellektuelle Marginalien sorgte, beachtlich. Und litte "Kopfgeld" nicht gegen Ende hin darunter, daß einige Szenen nicht befriedigend aufgelöst werden, es hätte ein nachgerade grandioser Start ins (deutsche) Kinojahr 1997 werden können. In jedem Fall wird der Film an den Kassen erwartungsgemäß zünden, und Gibson hechtet auch über genügend Kühlerhauben, um seinem Anspruch als Mann der Tat gerecht zu werden. evo.
| Darsteller: | Mel Gibson | als Tom Mullen | |
|---|---|---|---|
| Rene Russo | als Kate Mullen | ||
| Gary Sinise | als Jimmy Shaker | ||
| Delroy Lindo | als Agent Lonnie Hawkins | ||
| Lili Taylor | als Maris Connor | ||
| Liev Schreiber | als Clark Barnes | ||
| Evan Handler | |||
| Donnie Wahlberg | |||
| Brawley Nolte | |||
| Dan Hedaya | |||
| Paul Guilfoyle | |||
| Michael Gaston | |||
| José Zúñiga | |||
| Nancy Ticotin | |||
| Regie: | Ron Howard | ||
| Drehbuch: | Richard Price | ||
| Alexander Ignon | |||
| Produzent: | Scott Rudin | ||
| Brian Grazer | |||
| B. Kipling Hagopian | |||
| Koproduzent: | Adam Schroeder | ||
| Susan Merzbach | |||
| Ausf. Produzent: | Todd Hallowell | ||
| Kamera: | Piotr Sobocinski | ||
| Schnitt: | Dan Hanley | ||
| Mike Hill | |||
| Musik: | James Horner | ||
| Billy Corgan | |||
| Produktionsdesign: | Michael Corenblith | ||
Star sein ist schon was verdammt langweiliges.
Wer will denn schon in Hollywood Schauspielerin, Regisseurin und Produzentin sein und sich Oscars ("Angeklagt", "Das Schweigen der Lämmer") abholen, wenn er statt dessen kellnern könnte? Jodie Foster ("Panic Room"), zweifache alleinerziehende Mama, die die Identität der Väter bzw. des Vaters ihrer Söhne geheim halten will, bis die beiden selbst damit rausrücken, ist gerade dabei, sich nach einem anderen Beruf umzusehen. In der engeren Auswahl stehen Postbotin und Serviererin. Der Ex-Kinderstar ("Taxi Driver") stellt es sich wahnsinnig interessant vor, oft an der frischen Luft zu sein und viele verschiedene Leute kennen zu lernen. Sehr angetan von den neuen Interessen der schönen 39jährigen zeigt sich nun die Kaffeehaus-Kette Starbucks. Die würde Jodie sofort und ohne Abgabe von Bewerbungsunterlagen einstellen. Sämtliche hart arbeitende Kellnerinnen werden die neuen Ambitionen der "Anna und der König"-Darstellerin bestimmt nachvollziehen können...
Kein Held mehr sein, das ist auch der größte Wunsch des Mannes, der weiß, "Was Frauen wollen". Mel Gibson("The Million Dollar Hotel") hat es gründlich satt, ständig bei Dreharbeiten zu sein, weit weg von Frau Robyn und der Familie. Sein neuester Film "Wir waren Helden", der in Amerika derzeit die Kinocharts anführt, könnte vielleicht sein letzter sein. Gibson sagte: "Jetzt, mit 46, ist es nicht mehr das selbe wie damals mit 20. Ich nutzte es aus, lange bei Außendrehs zu sein, jetzt will ich nicht mehr weit weg von zu Hause arbeiten." In Zukunft will sich "Der Patriot" eher aufs Produzieren konzentrieren. Er wolle nicht mehr der Star vor der Kamera sein, sagte er weiter. Außerdem habe er vor, sich mehr um seine sieben Kinder zu kümmern. Mel muss schließlich aufpassen, dass Hannah, Edward, Christian, William, Louis, Milo und Tommy keine verwöhnten Bälger werden, bei dem vielen Geld, das der Herr Papa besitzt. "Ich verschwende meine Millionen nicht an meine Kinder, aber ich lasse sie auch nicht verhungern", so der "Kopfgeld - Einer muß bezahlen"-Darsteller weiter. "Du musst sicher sein, dass deine Kinder gesund sind, und dass sie ein Dach über dem Kopf haben, das ist es." Na, dann trauern wir eben jetzt etwas um den möglichen Leinwandverlust und wünschen Mel Gibson ein schönes Rentner-Leben.
Foto: Columbia TriStar
Internationaler Filmstar, Regisseur und Produzent. Geboren in Peekskill, New York (australische Staatsbürgerschaft). Familie: seit 1980 verheiratet...
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