Liam Neeson
Laura Linney
Chris O'Donnell
Regie: Bill Condon
Verleih: Fox
Aufgewachsen in der beklemmenden Obhut eines bigotten Predigervaters (John Lithgow), macht Zoologe Alfred Kinsey (Liam Neeson) von der biologischen Fakultät in Indiana in den späten 40ern spätestens während der Hochzeitsnacht die Entdeckung, dass es mit der amerikanischen Sexualaufklärung nicht zum besten steht. Gemeinsam mit ein paar interessierten Kollegen, ermutigt von seiner freizügigen Frau (Laura Linney) und ausgestattet mit dem Segen des Dekans (Oliver Platt) macht er sich auf, in tausenden von Interviews alles Wissenswerte über die moderne Libido zusammenzutragen. Amerikas Konservative sind nicht begeistert.
Und das nicht nur gestern. Bill Condons durchaus zurückgenommenes, von überragenden Darstellerleistungen getragenes Portrait des amerikanischen Sexualrevolutionärs und Propagandisten der freien Liebe erregte die Gemüter in Bush-Country kaum weniger als Nipplegate.
Liam Neeson als mutiger Wegbereiter der sexuellen Revolution.
Er zeigte Amerika und dem Rest der Welt in den verklemmten Vierziger Jahren, wo es langgeht: Alfred C. Kinsey (Liam Neeson), umstrittener Wissenschaftler und Pionier der Sexual-Forschung, sorgte mit seiner skandalträchtigen Studie "Das sexuelle Verhalten des Mannes" für Aufsehen.
Sensibel zeichnet Regisseur Bill Condon ("Gods and Monsters") das Porträt eines Mannes und seiner Zeit, das unter die Haut geht: Der kleine Alfred leidet unter seinem bigotten Vater, in der Pubertät unter den Schuldgefühlen, die seine unterdrückten Wünsche mit sich bringen.
Als Erwachsener befreit er sich, wird ein anerkannter Zoologe, ehe er ein von der Wissenschaft völlig vernachlässigtes Forschungsgebiet entdeckt.
Doch seine Selbstversuche mit freier Liebe enden im Beziehungschaos, und das konservative Amerika erhebt sich, als er beginnt, die Frau als sexuelles Wesen mit eigenen Wünschen zu erforschen.
Kinseys Thesen sind auch heute, mehr als 50 Jahre später, Reizthema für ein fesselndes Biopic, das Diskussionsstoff liefert: Hat sich im neuen Jahrtausend wirklich so vieles verändert?
| Darsteller: | Liam Neeson | als Alfred Kinsey | |
|---|---|---|---|
| Laura Linney | als Clara McMillen | ||
| Chris O'Donnell | als Wardell Pomeroy | ||
| Peter Sarsgaard | als Clyde Martin | ||
| Timothy Hutton | als Timothy Hutton | ||
| John Lithgow | als Alfred Seguine Kinsey | ||
| Tim Curry | als Thurman Rice | ||
| Oliver Platt | als Herman Wells | ||
| Dylan Baker | als Alan Greg | ||
| Julianne Nicholson | als Alice Martin | ||
| William Sadler | als Kenneth Brown | ||
| Heather Goldenhersh | als Martha Pomeroy | ||
| John McMartin | als Huntington Hartford | ||
| Veronica Cartwright | als Sara Kinsey | ||
| Kathleen Chalfant | als Barbara Merkle | ||
| Dagmara Dominczyk | als Agnes Gebhard | ||
| Lynn Redgrave | |||
| Regie: | Bill Condon | ||
| Drehbuch: | Bill Condon | ||
| Produzent: | Gail Mutrux | ||
| Koproduzent: | Richard Guay | ||
| Ausf. Produzent: | Michael Kuhn | ||
| Francis Ford Coppola | |||
| Bobby Rock | |||
| Kirk D'Amico | |||
| Kamera: | Frederick Elmes | ||
| Schnitt: | Virginia Katz | ||
| Musik: | Carter Burwell | ||
| Produktionsdesign: | Richard Sherman | ||
| Nicholas Lundy | |||
| Kostüme: | Bruce Finlayson | ||
| Ton: | Terence J. O'Mara | ||
| Casting: | Douglas Aibel | ||
| Cindy Tolan | |||
Bill Condon ("Gods and Monsters") präsentiert mit "Kinsey" ein Biopic über den legendären Sexualwissenschaftler. Dabei trotzte er erfolgreich der Zensur: Sogar Geschlechtsteile durften auf die Leinwand. Dafür erntete er sogar Dank im prüden Amerika.
Gibt Liam Neeson und Laura Linney Regieanweisungen: Bill Condon (mitte) (Foto: Arthouse)
BILL CONDON: Sicherlich. Der Film "Der Einstein des Sex" von Rosa von Praunheim über Dr. Hirschfeld hat mir beispielsweise sehr gefallen. Darin ging es ja um eine ähnliche Thematik.
Ich hatte Angst, dass es schwierig werden könnte. Schließlich geht es um einen Wissenschaftler. Wenn jemand sagt: "Das ist ein lehrreicher Film", ist das sozusagen der Todeskuss. Kinsey ist nun mal ein berühmter Mann, der fast vergessen schien. Ich hatte nicht vor, ein klassisches Geschichtsstück zu drehen, sondern seine Ansichten und Untersuchungsergebnisse in die heutige Zeit zu transferieren.
Wir hatten erhebliche Schwierigkeiten, aber ich würde nicht der Sex-Thematik die Schuld zuschieben. Jeder Film mit Anspruch hat in den USA Probleme, das nötige Budget zusammenzubekommen. Für "Gods and Monsters" brauchte ich drei Millionen Dollar, was sehr schwierig war. Nun sollten es zehn Millionen sein, was auch relativ wenig ist, aber hoch genug, dass einige Leute viel Geld verlieren könnten, wenn etwas schief geht.
Die hat mir das Leben schwer gemacht. Aber man muss sich klar werden, wie wenige Menschen diese Leute tatsächlich repräsentieren. Am Ende sind es vielleicht ein Dutzend, die Stunden vor dem Kino ausharren und versuchen, die Besucher davon abzuhalten, sich "Kinsey" anzusehen. Es war überraschend, wie wenige von diesen Extremisten tatsächlich existieren. Durch ihre Aktivität im Internet erscheinen sie übermächtig.
Eine Taktik der Leute vom rechten politischen Flügel ist, eine Debatte nicht zu führen, sondern sie zu zerstören. Wir haben das zuletzt im Präsidentschaftswahlkampf gesehen. In der Diskussion um meinen Film zogen sie mit "pädophil" ins Feld. Kinsey war weder so veranlagt, noch hat er Pädophilie in der Öffentlichkeit in Schutz genommen. Aber er hat im Zuge seiner Recherchen auch mit Pädophilen gesprochen. Daraus wurde in deren Argumentation, er hätte es befürwortet.
Nie hat uns jemand von Studioseite hereingeredet, was die kreative Seite betraf. Doch es war immer ein Repräsentant der Geldgeber dabei. Die Hörsaalszenen waren eine Tortur: Ich war gezwungen, eine alternative Szene mit abstrakten Zeichnungen an der Tafel zu drehen - für den Fall der Fälle. Ich war nervös, als ich den Film zur MPAA-Kontrolle schickte. Soderbergh hatte ja schon Ärger nur wegen George Clooneys Hintern in "Solaris" gehabt. Also war ich bereit für einen Schlagabtausch. Aber es lief sehr gut, sie haben sich sogar bei mir bedankt, weil sie etwas gelernt hätten.
Sein nackter Hintern sorgte in "Solaris" für Aufregung: George Clooney mit Natasha McElhone (Foto: Fox)
Mein netter Requisiteur sollte mir Dias besorgen, die so aussahen, als seien sie von damals. Er brachte mir welche, doch ich war mit der Perspektive nicht zufrieden. Also gab ich ihm Instruktionen, wie ich die Geschlechtsteile gern abgebildet hätte. Er brachte die exakten Dias am nächsten Tag. Es waren Bilder von seiner Frau und ihm. Sie weiß bis heute nichts davon. Deswegen habe ich es niemandem in den USA erzählt.
Das ist ein Phänomen, das ähnlich auch im Fernsehen mit dem Erfolg der Geschichtsprogramme einhergeht. Die Zuschauer wollen wohl, auf einfachere Weise als beim Lesen, etwas lernen.
Ich kann Biopics nicht ausstehen. Ich interessiere mich als Zuschauer überhaupt nicht für sie. Wenn ich Biografien lese, überspringe ich die ersten 200 Seiten, um zu den interessanten Dingen zu kommen, die jemand als Erwachsener getan hat. Trotzdem sind zwei meiner Filme Biopics, weil ich mich für die Personen interessiert habe. Ich versuche zwar dagegen anzukämpfen, aber auch mein nächster Film ist wieder ein Biopic. Mir ist nicht zu helfen.
Der Film heißt "Dreamgirls" und ist eine Musicalverfilmung über den Aufstieg der Supremes in den sechziger Jahren, ein Black Movie. Ich bin gerade beim Casten. Das Budget wird sehr viel höher liegen als bei "Kinsey". Erstmals kann ich mit viel Geld arbeiten.
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