Verfilmung der Entstehungsgeschichte des berüchtigten NS-Propagandafilms "Jud Süß", an dem Hauptdarsteller Ferdinand Marian zerbrach. http://images.kino.de/flbilder/max10/auto10/auto29/10290211/b150x150.jpg Jud Süß - Film ohne Gewissen

Filmdetails

Jud Süß - Film ohne Gewissen

Verfilmung der Entstehungsgeschichte des berüchtigten NS-Propagandafilms "Jud Süß", an dem Hauptdarsteller Ferdinand Marian zerbrach.


Jud Süß - Film ohne Gewissen
Start: 23.09.2010

Drama / Biographie

Österreich/Deutschland 2010
Laufzeit: 120 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Tobias Moretti
Martina Gedeck
Moritz Bleibtreu

Regie: Oskar Roehler
Verleih: Concorde

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Inhalt

Mehr schlecht als recht schlägt sich der gebürtige Wiener Ferdinand Marian im Jahr 1939 als Schauspieler durchs Leben. Seine Chance kommt, als ihm die Hauptrolle in einer Verfilmung von "Jud Süß" angeboten wird, auch wenn er aufgrund der inhaltlichen Ausrichtung des Projekts zunächst zögert. Propagandaminister Joseph Goebbels lässt keinen Zweifel daran, dass Marian den Part spielen muss. "Jud Süß" ist wichtig für Goebbels' Pläne und Marian in seinen Augen genau der Richtige. Marian glaubt, die Situation unter Kontrolle zu haben: Seine Frau ist Jüdin. Doch das Spiel mit dem Feuer bleibt nicht ohne Folgen.


Kritik

Jud Süß - Film ohne Gewissen

Oskar Roehler erzählt von der Entstehung und Wirkung des Nazi-Propagandafilms "Jud Süß" als Melodram, Satire und schillernde Variation über Künstler als Marionetten.

Der nur mit Erlaubnis der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung für öffentliche Aufführungen zugelassene "Jud Süß" (1940) gehört zu den Filmen, die den vom Nazi-Regime gewünschten Rassenhass nicht plump propagierten, sondern die Mordhetze gegen das Judentum in die Geschichte um den geldgierigen und sexuell ausschweifenden Finanzrat Joseph Süß Oppenheimer in die Form des Melodrams kleideten, das vorhandene antisemitische Ressentiments weckten. Veit Harlan ("Kolberg", "Immensee") war der von Propagandaminister Joseph Goebbels gewählte und prädestinierte Regisseur, der wirkungsmächtig mit dem Genre umzugehen wusste. "Jud Süß" sahen 20 Millionen im Kino.

Oskar Roehler ("Elementarteilchen") erzählt die Geschichte von Entstehung und Wirkung von "Jud Süß" aus der Perspektive des Schauspielers Ferdinand Marian (Tobias Moretti), der sich dem Wunsch von Goebbels (Moritz Bleibtreu) zu entziehen versucht, um doch als des Teufels Schauspieler unter Harlan (schön zwielichtig: Justus von Dohnányi) den Titelhelden zu spielen, der auf fatale Weise Filmgeschichte schrieb. In der politischen Satire brilliert Bleibtreu, der die Aussprache des Ministers bravourös hinkriegt, als hinkender Mephisto, der mit Wonne manipuliert, überwacht, Fallen stellt, den Film dominiert und Goebbels-Interpreten wie Ulrich Matthes ("Der Untergang") vergessen lässt. Moretti setzt dem die stille Verzweiflung der Marionette entgegen, die den Fäden, die das eh angeknackste Privatleben des Alkoholikers mit Ehefrau Anna (Martina Gedeck) zerstören, nicht entkommt, mit "Jud Süß" identifiziert wird und tragisch endet.

Das Melodramatische des Stoffes um manipulierte Schauspieler, die Istvan Szabó in "Mephisto" mit Klaus Maria Brandauer als dramatischen Pakt mit dem Teufel inszenierte, hat es schwerer, aber ästhetisch kommt Roehler Harlans Originalfilm, dessen zentrale Szenen er geschickt nachstellt, recht nah. Er fährt in Sex-Szenen mit Gedeck und Gudrun Landgrebe derbe Geschosse auf, und lässt in der Parallelhandlung mit dem jüdischen Schauspieler Wilhelm Adolf Deutscher (Heribert Sasse), der das KZ überlebt, Ambivalenzen zu. Das Drehbuch von Klaus Richter arbeitet mit historischen Änderungen, etwa in Namensgebung und Marians weiterer Karriere. So profitiert Roehlers schillerndes Nazi-Spektakel vom Tarantino-Effekt eines deutschen "Basterd" und legitimer künstlerischer Freiheit. ger.

Jud Süß - Film ohne Gewissen

Darsteller:  Tobias Moretti   als Ferdinand Marian
  Martina Gedeck   als Anna Marian
  Moritz Bleibtreu   als Joseph Goebbels
  Justus von Dohnányi   als Veit Harlan
  Armin Rohde   als Heinrich George
  Martin Feifel   als Knauf
  Ralf Bauer   als Fritz Hippler
  Robert Stadlober   als Lutz
  Paula Kalenberg   als Kristina Söderbaum
  Milan Peschel   als Werner Krauss
  August Zirner   als Erich Engel
  Heribert Sasse   als Deutscher
  Erika Marozsán   als Vlasta
  Anna Unterberger   als Britta
  Martin Butzke   als Malte Jäger
  Lena Reichmuth   als Magda Goebbels
  Gudrun Landgrebe   als Frau Frowein
 
Regie:  Oskar Roehler  
Drehbuch:  Klaus Richter  
Produzent:  Franz Novotny  
  Markus Zimmer  
Kamera:  Carl-Friedrich Koschnick  
Musik:  Martin Todsharow  
Kostüme:  Thomas Oláh  
Maske:  Björn Rehbein  
Ton:  William Franck  
Casting:  Anja Dihrberg  

Star

Tobias Moretti

Österreichischer Film-, Fernseh- und Theaterschauspieler. Durch die TV-Serie "Kommissar Rex" als Österreichs "liebster Schwiegersohn"...

Star

Martina Gedeck

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