Detailliert-liebevolle und witzige Skizze eines Originals und der New Yorker Künstler-Szene der vierziger Jahre. http://images.kino.de/flbilder/max00/bf00/bf31/b0031993/b150x150.jpg Joe Goulds Geheimnis

Filmdetails

Joe Goulds Geheimnis

Detailliert-liebevolle und witzige Skizze eines Originals und der New Yorker Künstler-Szene der vierziger Jahre.


Joe Goulds Geheimnis
Start: 17.08.2000

Originaltitel: Joe Gould's Secret

Drama

USA 1999
Laufzeit: 108 Min.
FSK: ab 6 Jahre

Sir Ian Holm
Stanley Tucci
Patricia Clarkson

Regie: Stanley Tucci
Verleih: Studiocanal

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Humor
Romantik
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Inhalt

Reporter Joseph Mitchell lernt den komischen Kauz Joe Gould kennen. Er behauptet an einer mündlich überlieferten Geschichte der Menschheit zu arbeiten und die Sprache der Möwen zu beherrschen. Mitchell schreibt einen Artikel über ihn, der auf großes Interesse stößt. Erst Jahre nach dem Tod von Gould veröffentlicht Mitchell Goulds Geheimnis.


Kritik

Joe Goulds Geheimnis

Diese atmosphärisch pittoreske Geschichte im nostalgischen Ambiente des New Yorker Künstlerviertels Greenwich Village der 40er Jahre feiert einen eigensinnigen Lebenskünstler und Stadtstreicher, der sein Harvard-Studium mit summa cum laude abgeschlossen hatte, sich aber in keinen geordneten bürgerlichen Lebensstil fügen mochte. Regisseur Stanley Tucci ("Big Night"), der selbst eine Schlüsselrolle spielt, erweist mit diesem Film nicht nur seine Referenz vor dem legendären Bohèmien Joe Gould, sondern auch vor dessen Dasteller Ian Holm.

Der Brite Holm, der mit Woody Allen ("Eine andere Frau"), David Cronenberg ("Naked Lunch", "Existenz") und Atom Egoyan ("Das süße Jenseits") gearbeitet hat und schon in Tuccis "Big Night" den pfiffigen Restaurantbesitzer gab, ist der absolute Mittelpunkt des manchmal etwas monomisch allein auf die Hauptfigur konzentrierten Films. Wie er als schräger Penner, bärtig, ungepflegt, meist kreischend und krächzend in der Minetta Tavern am Tresen hockt und sich das kostenlose Ketchup flaschenweise in die Suppe kippt, das hat nahezu apokalyptisch anarchisches Format. Hier in dieser Kneipe lernt der Journalist Joe Mitchell den bereits sprichwörtlich in der Greenwich-Künstlerszene bekannten, hochintelligenten Individualisten kennen. Er kann ihn zu Interviews überreden und zwischen den beiden Männern entwickelt sich nach und nach eine wirkliche Freundschaft. Von seiten Mitchells ist sie nicht ganz altruistisch, denn er veröffentlicht ein Porträt des Exzentrikers Gould im "New Yorker" und macht sich damit einen guten Namen. "Professor Seagull" war dieser Artikel überschrieben, weil der krächzende Gould sich unter anderem rühmte, die Sprache der Möven zu beherrschen. Sein wesentliches Projekt aber war eine mündliche Menschheitsgeschichte, die er, wie er sagte, aus gehörten Gesprächen und erlebten Unterhaltungen in Schulheften notiert hatte. Gestapelt ergäben sie, behauptet er, einen Turm, der ihn, den 1,67 m kleinen Mann, um einiges überragte. Über eine Million Wörter umfasste angeblich seine "Oral History of the World", erzählte er seinem Freund Mitchell, der jedoch eines Tages das tragische Geheimnis des Exzentrikers entdeckt und das erst sieben Jahre nach dessen Tod im "New Yorker" preisgibt.

Stanley Tuccis Film ist eine melancholisch existenzialistische Ballade über die facettenreiche und bei allem Negativen doch vordringlich liebenswerte und spannende Widersprüchlichkeit menschlichen Verhaltens. Joe Gould, der bald zu den Attraktionen nicht nur für Touristen in Greenwich Village wurde, sondern auch für die etablierte und snobistische Künstlerszene, der Gönnerinnen und Gönner hatte, aber auch Feinde, von einer Malerin mit grotesken drei Penissen porträtiert wurde --dieser Joe Gould war genial und kaputt gleichzeitig, eine Nervensäge und ein großartiger Mensch, einer der letzten wirklichen Bohèmiens. Lebenskünstler sind in der heutigen aktienorientierten Erfolgsgesellschaft so gut wie gar nicht mehr existent - und schon deshalb ist Tuccis Film absolut sehenswert, weil er ein Lebensgefühl vermittelt, für das wir uns hin und wieder wenigstens sensibilisieren sollten, der Phantasie und der Menschlichkeit wegen. fh.

Joe Goulds Geheimnis

Darsteller:  Sir Ian Holm   als Joe Gould
  Stanley Tucci   als Joe Mitchell
  Patricia Clarkson   als Vivian Marquie
  Hope Davis   als Therese Mitchell
  Steve Martin   als Charlie Duell
  Susan Sarandon   als Alice Neel
  Patrick Tovatt   als Harold Ross
  Celia Weston   als Sarah
  Allan Corduner   als Francis McCrudden
  Alice Drummond   als Helen
  Julie Halston   als Sadie Gordon
  Hallee Hirsh   als Nora Mitchell
  Sarah Hyland   als Elizabeth Mitchell
  Ben Jones   als Souther Man at Party
  John Tormey   als Harry Kolis
  David Wohl   als Max Gordon
 
Regie:  Stanley Tucci  
Drehbuch:  Howard A. Rodman  
Produzent:  Charles Weinstock  
  Beth Alexander  
  Stanley Tucci  
Ausf. Produzent:  Mike Lieber  
  Chrisann Verges  
Buchvorlage:  Joseph A. Mitchell  
Kamera:  Maryse Alberti  
Schnitt:  Suzy Elmiger  
Musik:  Evan Lurie  
Produktionsdesign:  Andrew Jackness  
  David Stein  
Kostüme:  Juliet Polcsa  
Ton:  William Sarokin  

Steve Martin in Polit-Thriller

Steve Martin legte bereits im jungen Alter den Grundstein zu einer außergewöhnlichen Komiker-Laufbahn: Mit zehn Jahren arbeitete er als Animateur in Disneyland.

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Steve Martin

Die weiteren Stationen seiner Karriere: Stand-up-Comedian, Mitbegründer der legendären Show "Saturday Night Live" und dann der Sprung nach Hollywood. Dort prägte er mit Filmen "Der Mann mit den zwei Gehirnen", "Ein Single kommt selten allein" oder "Roxanne" den Begriff der Steve Martin-Komödie.

Nach dem Erfolg von "Bowfingers große Nummer" scheint der Amerikaner von ausschließlich lustigen Rollen genug zu haben. Zuletzt übernahm er eine Nebenrolle in in dem Drama "Joe Goulds Geheimnis". Und sein Imagewechsel schlägt sich auch in seinem nächsten Projekt nieder. Er wird in dem Politthriller "Traitor" in einer Hauptrolle zu sehen sein.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich Steve Martin im Thriller-Sumpf genauso wohl fühlt wie als Komiker.

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