Originaltitel: Jerry Maguire
USA 1996
Tom Cruise
Cuba Gooding Jr.
Renée Zellweger
Regie: Cameron Crowe
Verleih: Columbia Tristar
Jerry Maguire ist der erfolgreichste Agent einer Sportagentur - und doch nagt das Gewissen an ihm, so daß er eines nachts ein Memo verfaßt, in dem er die Abkehr vom kalten Business fordert. Die Rechnung wird ihm prompt präsentiert: Jerry wird gefeuert , nur ein treuer Klient und eine Sekretärin halten ihm die Stange. All seiner Macht beraubt, beginnt für den geschaßten Agenten ein beschwerlicher Lernprozeß, in dem er lernt, was Liebe und Freundschaft bedeuten.

Nachdem in "Mission: Impossible" bestenfalls seine Präsenz als Actionheld gefragt war, darf Tom Cruise in "Jerry Maguire" in einer Variation seiner altbekannten Yuppie-Figur nach langer Zeit wieder einmal beweisen, daß sich hinter diesem gewinnenden Lächeln auch ein schauspielerisches Ausnahmetalent verbirgt. Daß diese Geschichte von der Suche eines Sportagenten nach seiner verloren geglaubten Menschlichkeit so unglaublich frisch und unkonventionell daherkommt, ist Verdienst von Regisseur und Autor Cameron Crowe: Ihm ist die vermutlich modernste, intelligenteste und erwachsenste Hollywood-Komödie des Jahres 1996 gelungen.
Mit einiger Überraschung darf man feststellen, daß sich die achtziger Jahre trotz aller Beteuerungen bester Gesundheit erfreuen: In einem eindrucksvollen, rasend geschnittenen Intro gibt Cameron Crowe dem Zuschauer einen Crash-Kurs in Gier à la Nineties, eine Einführung in die Welt der Sportagenten, in der lukrative Deals alles bedeuten. Der Haifisch mit den größten Zähnen ist Jerry Maguire - und doch nagt das Gewissen an ihm, so daß er eines nachts ein Memo verfaßt, in dem er eine Abkehr vom kalten Business fordert: Man solle sich besser um weniger Klienten kümmern, dafür aber auch Einnahmeeinbußen in Kauf nehmen. Ein No-No in diesem Geschäft, die Rechnung bekommt der Ketzer sofort präsentiert: Er wird gefeuert.
Und damit beginnt "Jerry Maguire" eigentlich erst richtig. Wie der geschaßte Agent über endlose Umwege und kleine Lektionen tatsächlich lernt, ein besserer Mensch zu werden, das eigene Memo in die Tat umzusetzen und darüber hinaus am eigenen Leib erfährt, daß Freundschaft und Liebe nicht einfach sinnentleerte Begriffe sind, sondern auf handfesten und nicht immer erfreulichen Erfahrungen beruhen, das macht Cameron Crowes dritte Regiearbeit zu einer der hinreißendsten Hollywood-Produktionen des Jahres.
Dabei läßt sich der Regisseur Zeit, bis er die Reize von "Jerry Maguire" zu voller Entfaltung kommen läßt. Das Risiko, ungeduldige Zuschauer in den Anfangsminuten womöglich zu verlieren, zahlt sich aus: Denn wenn nach der Hälfte langsam der Wandlungsprozeß des Titelhelden einsetzt, dann läßt einen die Geschichte dank ihrer überraschend frischen und verblüffend echten Figuren nicht mehr los. Nicht nur Cruise überzeugt. Die ungeheure emotionale Wirkung verdankt der Film Renee Zellweger, die Jerry als Verwaltungsangestellte seiner Firma loyal bis an den Rand des Ruins folgt, und Cuba Gooding Jr., der als letzter Klient zu seinem vom Glück verlassenen Agenten steht und eine Darstellung als arroganter Footballspieler mit einem Herz aus Gold hinlegt, die bei der diesjährigen Oscar-Verleihung kaum übersehen werden kann. Bonnie Hunt als treffsichere One-Liner-Spezialistin und Jonathan Lipnicki als Renee Zellwegers entzückender Sohn komplettieren das starke Ensemble.
Fand man in Crowes Vorläufer "Singles" noch die ungestüme Essenz des Grunge Rock, so ist "Jerry Maguire" das besonnene und doch unberechenbare Gegenstück. Wie ein selbstreflexiver Song von Pete Townshend aus den späten siebziger Jahren (immer wieder bahnen sich geschickt plazierte Stücke von The Who ihren Weg in den Soundtrack) verweigert sich dieser Magic Bus einem konventionellen Erzählfluß. Seine Sprunghaftigkeit und die scheinbar zufällige Struktur geben dem Film einen absolut dringlichen und unbedingt modernen Anstrich. Das Schönste daran: Hinter der glatten Oberfläche dieser unverhohlenen Parabel auf die Filmindustrie schlägt ein echtes Herz. Das Publikum wird es "Jerry Maguire", diesem Glanzstück wider den Zynismus, danken. ts.
| Darsteller: | Tom Cruise | als Jerry Maguire | |
|---|---|---|---|
| Cuba Gooding Jr. | als Rod Tidwell | ||
| Renée Zellweger | als Dorothy Boyd | ||
| Kelly Preston | als Avery Bishop | ||
| Jerry O'Connell | als Frank Cushman | ||
| Jay Mohr | als Bob Sugar | ||
| Regina King | |||
| Bonnie Hunt | |||
| Jonathan Lipnicki | |||
| Todd Louiso | |||
| Mark Pellington | |||
| Glenn Frey | |||
| Regie: | Cameron Crowe | ||
| Drehbuch: | Cameron Crowe | ||
| Produzent: | James L. Brooks | ||
| Laurence Mark | |||
| Richard Sakai | |||
| Cameron Crowe | |||
| Koproduzent: | Bruce S. Pustin | ||
| John D. Schofield | |||
| Kamera: | Janusz Kaminski | ||
| Schnitt: | Joe Hutshing | ||
| Musik: | Nancy Wilson | ||
| Produktionsdesign: | Stephen Lineweaver | ||
Sein frenetischer Jubeltanz nach seiner bewegenden Dankesrede hievte Cuba Gooding Jr. vor Hollywoodrevoluzzer Marlon Brando und Klappergestell Adrien Brody auf den Thron der besten Oscar-Preisträger.
Wenn Cuba Gooding Jr. einmal in Fahrt ist, kann ihn nichts mehr stoppen (Foto: Kurt Krieger)
Die Nacht der Oscars ist immer für eine Überraschung gut - sei es im Hinblick auf die Gewinner oder auf deren Reaktionen. Der amerikanische TV-Sender VH1 hat nun eine Liste der dramatischsten, herausragendsten und unerwartetsten Momente zusammengestellt.
Roberto Benigni konnte schreien und über die Köpfe der Gäste auf die Bühne hüpfen, wie er wollte: Es half alles nichts. Der Italiener musste sich seinem Kollegen Cuba Gooding Jr. geschlagen geben. Keiner freute sich ausgelassener als der 40-Jährige. Als der Star 1997 sein Goldmännchen für die "Beste Nebenrolle" im Sporthighlight "Jerry Maguire - Spiel des Lebens" entgegennahm, erfreute er die Gäste mit einer überschwänglichen, extralangen Dankesrede. Selbst als die Musik einsetzte, um dem Preisträger zu signalisieren, endlich zum Schluss zu kommen, verließ er nicht die Bühne.
Im Gegenteil: Jetzt drehte Cuba erst richtig auf! "Ich liebe Euch", rief der New Yorker einer ganzen Reihe Schauspielkollegen zu. Dabei sprang er wie ein Gummiball durch die Luft und streckte seine Oscarstatuette in die Höhe.
Auf dem zweiten Platz landete Marlon Brando. 1973 ließ die Hollywoodlegende seinen Oscar für "Der Pate" aus Protest gegen die schlechte Behandlung der Indianer vom stolzen Häuptling Sacheen Littlefeather abholen. Dahinter reihte sich Adrien Brody (Oscar für "Der Pianist") ein, der während seiner Dankesrede spontan seine Kollegin Halle Berry niederknutschte. Was wohl dieses Jahr so alles passiert?!!
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