Neben Alain Resnais' "Das Leben ist ein Chanson" der zweite Film der Berlinale, in dem die Gefühle und Gedanken der handelnden Personen plötzlich in Gesang aufgelöst werden, wobei in der gemeinsamen Regiearbeit von Olivier Ducastel und Jacques Martineau noch der spontan aus natürlichen, graziösen Bewegungen entwickelte Tanz hinzukommt, der dieses ungewöhnliche Paris-Aids-Musical attraktiv macht. Die trotz des Themas federleicht inszenierte Story leistet auch inhaltlich Neuartiges. Sie spannt eine Liebesgeschichte in das Drama um einen Todkranken ein und behält einen leichten, luftigen, oft geradezu fröhlichen Ton bis zum Ende bei.
Die schöne junge Jeanne, der Prototyp der vitalen Großstadtpflanze mit ungebremster Lust am Lieben und Leben, verliebt sich in den HIV-positiven Olivier. Auch als sie von seiner Krankheit erfährt, läßt sie nicht von ihm und kann, als er zum Sterben zur Familie zieht, nicht ertragen, daß Olivier sie nicht an seiner Seite will. Eingebettet in das an sich deprimierende, aber permanent aufgelockerte Geschehen sind die Aktivitäten in Jeannes Firma und in der Aids-Aktionsgruppe "Act Up", wo sich die Wege derer kreuzen, die sich kennen und doch nichts voneinander wissen.
Das wunderbar frische Musical ist eine Verbeugung vor den beiden komplett gesungenen Musikfilmen von Jaques Demy; "Die Regenschirme von Cherbourg" und "Die Demoiselles von Rochefort" gehören zum ewigen französischen Kinoerbe. Demys Sohn Mathieu (aus der Ehe mit Agnès Varda, "Vogelfrei") spielt den Olivier, der mit der ausnehmend schönen Virginie Ledoyen ein attraktives Liebespaar bildet, dem man gern länger zugeschaut hätte. Die Tanzszenen schließen eine Nummer der als Putzen arbeitenden Immigranten ebenso ein, wie sie sich aus Promenanden ergeben. Das durch Woody Allens "Alle sagen: I Love You" ideal vorbereitete Publikum ist im Falle eines Verleihs die zu bewerbende Zuschauerschicht für dieses graziöse Paris-Märchen. ger.
| Darsteller: | Virginie Ledoyen | als Jeanne | |
|---|---|---|---|
| Mathieu Demy | als Olivier | ||
| Jacques Bonnaffé | als François | ||
| Valérie Bonneton | als Sophie | ||
| Frédéric Gorny | als Jean-Baptiste | ||
| Denis Podalydès | als Julien | ||
| Michel Raskine | als Klempner | ||
| Nelly Borgeaud | als Jeannes Mutter | ||
| Christiane Millet | als Nachtschwester | ||
| Laurent Arcaro | als Nachrichtenbote | ||
| Damien Dodane | als Jacques | ||
| David Saracino | als Rémi | ||
| Jean-Marc Rouleau | als Oliviers Freund | ||
| Sylvain Prunenec | als Jérôme | ||
| Emmanuelle Goize | als Buchhändlerin | ||
| Marief Guittier | als Krankenschwester | ||
| Regie: | Olivier Ducastel | ||
| Jacques Martineau | |||
| Drehbuch: | Jacques Martineau | ||
| Produzent: | Cyriac Auriol | ||
| Pauline Duhault | |||
| Kamera: | Mathieu Poirot-Delpech | ||
| Schnitt: | Sabine Mamou | ||
| Musik: | Philippe Miller | ||
| Produktionsdesign: | Louis Soubrier | ||
| Kostüme: | Juliette Chanaud | ||
| Ton: | Jean-Jacques Ferran | ||
| Jean-Pierre Laforce | |||
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