Kompromissloses, visuell eigenwilliges Spielfilmdebüt über einen Mann, der sich in Mexikos Landesinnerem auf seinen Selbstmord vorbereitet. http://images.kino.de/flbilder/max03/mbiz03/mbiz16/z0316519/b150x150.jpg Japón

Filmdetails

Japón

Kompromissloses, visuell eigenwilliges Spielfilmdebüt über einen Mann, der sich in Mexikos Landesinnerem auf seinen Selbstmord vorbereitet.


Japón
Start: 05.06.2003

Drama

Mexiko/Spanien 2002
Laufzeit: 122 Min.
FSK: ab 16 Jahre

Alejandro Ferretis
Magdalena Flores
Yolanda Villa

Regie: Carlos Reygadas
Verleih: Arsenal

So werten die bisherigen Besucher:

Gesamt
(0 Bewertungen)

Action
Humor
Romantik
Spannung
Anspruch
Besucheransturm: lau
Besucher-
ansturm

Temperatur

lau

Inhalt

Ein alter Mann (Alejandro Ferretis) hinkt aus der Stadt hinaus in die Berge - er will sich dort oben auf den Felsplateus das Leben nehmen. In einem Jungen findet er einen vorübergehenden Weggefährten, der ihn zur Hütte der alten Witwe Ascen (Magdalena Flores) führt. Der Fremde verweilt, und es entwickelt sich eine spröde Freundschaft zwischen ihm und der Gastgeberin. Unheil zieht auf, als plötzlich ein Verwandter Ascens Anspruch auf deren Grundstück erhebt.

Tarkowskij und Herzog grüßen als stilistische Einflüsse aus der Ferne, wenn das mediativ-experimentelle Spielfilmdebüt des mexikanischen Regisseurs Carlos Reygadas seinen Lauf nimmt.


Kritik

Japón

Ein Debütfilm, der sich nicht um Tabus schert: Mit impressionistischer Bilderwucht erzählt Carlos Reygadas eine archaische Geschichte in der Unwirtlichkeit des mexikanischen Hinterlandes, skizziert eine neue Ästhetik. Für die Reise in innere Abgründe erhielt er weltweit Preise, darunter die Camera d'Or Special Mention in Cannes und den New Director's Prize in Edinburgh.

Mit Japan hat Japón nichts zu tun, der Titel ist assoziativ, einzige Verbindung vielleicht die rituelle Vorbereitung zu einem Selbstmord. Das Drama spielt im Hochland von Mexiko und folgt einem von Todessehnsucht und Ekel vor sich selbst geplagten Intellektuellen aus der Hauptstadt. Der Namenlose strandet in der Öde und Wildheit der Berge. Dort will er sich verkriechen, um mit dem Leben abzuschließen. Die Gründe bleiben im Dunkeln. Ein Dach über den Kopf findet er bei einer betagten Witwe am Rande des Dorfes. Statt wie geplant den Suizid vorzubereiten, fasziniert ihn die Stärke der "ungebildeten" Alten, die es in ihrer Einfachheit schafft, den in sich Verschlossenen für die Schönheiten der alltäglichen Existenz zu öffnen und neuen Lebensmut zu vermitteln - auch durch eine offensive Sexszene zwischen den beiden, als Akt der Verzweiflung, Befreiung und Erlösung.

Der 32jährige Mexikaner wagt etwas. Mit Amateurdarstellern, die der spröden Geschichte zusätzliche Authentizität verleihen, und einem Mini-Budget drehte er auf 16mm, blies das Material auf 35mm und Cinemascope auf. Dabei entführt er in eine Welt mit archaischen Regeln. Hunderte Jahre Einsamkeit in zwei Stunden mit nicht zufälligen Anklängen an Tarkowskij. Behutsam, dann wieder brutal schildert er die Begegnung zwischen zwei gegensätzlichen Menschen. Da lernt der scheinbar so Kultivierte von der bescheidenen Bäuerin, den seelischen Panzer zu sprengen und bittere Lust zu kosten. Mythen und Morbidität krachen aufeinander, manchmal dominiert Pathos, dann nackte Gewalt, wenn ein Neffe das Haus als Erbe beansprucht und zum Abtransport zerlegen lässt. Und natürlich ist im Macho-Mexiko die wehrlose Frau das Opfer mit religiöser Symbolik, heißt sie doch Ascén, ein Name, der auf Ascénsion (Himmelfahrt) hinweist. "Japón" mag prätentiös sein, aber nichts zu deuteln gibt es an der visuellen Kraft und dem teilweise dokumentarischen Charakter. Da schwenkt die Kamera über das traumhafte Panorama, schwelgt in 360-Grad Kreisbewegungen und betäubt durch einen fast surrealistischen Bildersog. Selbstzerstörung und Sinnsuche, Tod und Sexualität sind starke Kinothemen. Selten wurden sie so opulent in Szene gesetzt. mk.

Japón

Darsteller:  Alejandro Ferretis   als Der Mann
  Magdalena Flores   als Ascen
  Yolanda Villa   als Sabina
  Martín Serrano   als Juan Luis
  Rolando Hernández   als Der Richter
  Bernabé Pérez   als Die Sängerin
  Carlos Reygadas Barquin   als Der Jäger
  Fernando Benítez   als Fernando
  Claudia Rodríguez   als Das Mädchen am Strand
 
Regie:  Carlos Reygadas  
Drehbuch:  Carlos Reygadas  
Produzent:  Carlos Reygadas  
Koproduzent:  Carlos Serrano Azcona  
Kamera:  Diego Martínez Vignatti  
Schnitt:  Carlos Serrano Azcona  
  Daniel Melguizo  
  David Torres  
Musik:  Arvo Pärt  
  Dimitri Schostakowitsch  
  Johann Sebastian Bach  
Produktionsdesign:  Alejandro Reygadas  
Ton:  Gilles Laurent  

Top-Filme der Woche

  • Men in Black 3

    Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.

  • LOL

    Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.

 

treffpunkt kino kompakt

In der aktuellen Ausgabe: Die große Preview zu "Ice Age - Voll verschoben" und der erste Trailer zu "Skyfall"!

Zum Magazin

Das multimediale Kinomagazin jede Woche kostenlos per Mail - jetzt registrieren!

GO

Ähnliche Filme auf DVD & Blu-ray

 

Service

kino.de mobil

kino.de mobil

Das aktuelle Programm Ihres Lieblingskinos haben Sie überall dabei - kostenlos auf Ihrem Handy.