Originaltitel: The Evening Star
USA 1996
Shirley MacLaine
Bill Paxton
Juliette Lewis
Regie: Robert Harling
Verleih: Buena Vista
Auch nach dem Tod ihrer Tochter ändert sich wenig für Aurora Greenway. Ihre drei Enkel haben zwar allesamt schwere Probleme am Hals, doch Oma Aurora hat für jede Lebenslage die richtigen Weisheiten oder guten Beziehungen parat. Schade nur, daß Enkelin Melanie ihre mangelnde Sorgfalt bei der Männerwahl geerbt hat: So stellen sich bald äußerst suspekte Gestalten im Hause Greenway ein.

Das Mutter-Tochter-Melodram "Zeit der Zärtlichkeit" erwies sich 1984 dank seines ungezwungenen Mixes aus Humor und Herzschmerz als Abräumer bei der Oscarverleihung. Die Erwartungen für das zwölf Jahre später gefilmte Sequel sind dementsprechend hochgesteckt: Doch obwohl Shirley MacLaine erneut ihre Paraderolle der "Stahlmagnolie" Aurora Greenway übernahm und auch Jack Nicholson kurz auf der Bildfläche erscheint, kann der Folgefilm nicht an die allamerikanische Klasse des Originals heranreichen.
Anstatt von James L. Brooks wurde die Regie bei der Weiterführung der Familiensaga dem Drehbuchautoren Robert Harling ("Magnolien aus Stahl") übertragen, der dafür auch den gleichnamigen Fortsetzungsroman von Larry McMurty adaptierte. Die Handlung knüpft 15 Jahre später nach den bekannten Ereignissen im Jahr 1988 an. Wenig hat sich trotz des Todes der Debra-Winger-Figur geändert: Statt mit ihrer eigensinnigen Tochter im Clinch zu liegen, zankt sich Aurora nun mit ihren drei erwachsenen Enkelkindern. Der renitent-verschlossene Tommy (George Newbern) sitzt wegen Drogenbesitz im Gefängnis, Melanie (Juliette Lewis) hat den Mangel an Fingersptizengefühl bei der Auswahl ihrer Männer von ihrer Mutter geerbt und fühlt sich von ihrer Großmutter "erstickt", und Teddy (Mackenzie Astin) mangelt es lediglich an Ehrgeiz und einem gemeinsamen Trauschein mit der Mutter seines Kindes. Des weiteren spielen noch die Haushälterin Rosie (Marion Ross), ihre jüngere Rivalin Patsy (Miranda Richardson), der gutaussehende Therapeut Jerry (Bill Paxton) und Auroras Ex-Liebhaber General Hector Scott (Donald Moffat) und der Astronaut Garrett Breedlove (Jack Nicholson schneidet fünf Minuten lang beim Vortragen gestelzt anmutender Dialoge Grimassen) eine Rolle in Auroras episodenhaft angelegtem Filmleben. Die Schwierigkeiten mit den Enkelkindern lösen sich auf in pappig süßem Wohlgefallen, während andere Figuren das Zeitliche segnen müssen.
Dem überlangen Lieben und Leiden Auroras mangelt es in der Ausgabe anno 1996 an Struktur und einem durchgängig schlüssigen Plot. Shirley MacLaine kann trotz ihrer grundsoliden Darstellungen manche der offensichtlichen Schwächen nur bedingt ausmerzen. Die Momente mit Bill Paxton und ein peinliches Dinner haben immerhin jenes gewisse humorvolle Feuer in sich, das vielen der stets gleich anmutenden Szenen (vor allem eine handgreifliche Auseinandersetzung in einem Flugzeug wirkt arg deplaziert) abgeht. Auroras Anlegen einer Foto-Familienchronik schlägt mehrfach die Brücke zum Original - ein Indikator, daß hier nicht nach der trefflichen Balance zwischen komischen und anrührenden Momenten gesucht wurde, sondern bemüht auf die Tränendrüse gedrückt wird. ara.
| Darsteller: | Shirley MacLaine | als Aurora Greenway | |
|---|---|---|---|
| Bill Paxton | als Jerry Bruckner | ||
| Juliette Lewis | als Melanie Horton | ||
| Miranda Richardson | als Patsy Carpenter | ||
| Ben Johnson | als Arthur Cotton | ||
| Scott Wolf | als Bruce | ||
| George Newbern | als Tommy Horton | ||
| Marion Ross | als Rosie Dunlop | ||
| Mackenzie Astin | als Teddy Horton | ||
| Donald Moffat | als Hector Scott | ||
| Jennifer Grant | als Ellen | ||
| China Kantner | als Jane | ||
| Shawn Taylor Thompson | als Bump | ||
| Jack Nicholson | als Garrett Breedlove | ||
| Jake Langerud | als Henry | ||
| Sharon Bunn | als Dolly | ||
| Regie: | Robert Harling | ||
| Drehbuch: | Robert Harling | ||
| Produzent: | David Kirkpatrick | ||
| Polly Platt | |||
| Keith Samples | |||
| Koproduzent: | Dennis Bishop | ||
| Buchvorlage: | Larry McMurtry | ||
| Kamera: | Don Burgess | ||
| Schnitt: | Priscilla Nedd-Friendly | ||
| David Moritz | |||
| Musik: | William Ross | ||
| Produktionsdesign: | Bruno Rubeo | ||
| Kostüme: | Renée Ehrlich Kalfus | ||
| Ton: | Doug Axtell | ||
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