Laura Dern
Jeremy Irons
Harry Dean Stanton
Regie: David Lynch
Verleih: Concorde
Die im Villenviertel Inland Empire residierende Schauspielerin Nicki Grace (Laura Dern) nimmt trotz Warnungen ihrer Nachbarin eine vermeintliche Traumrolle zum Film "On High in Blue Tomorrows" an. Doch schon bei der Vorbesprechung mit Regisseur Stewart (Jeremy Irons) und Filmpartner Berk (Justin Theroux) erweist sich das Projekt als Remake eines nie fertig gestellten Films aus den 30ern. Damals wurden beide Hauptdarsteller getötet. Euphorisch stürzt sie sich dennoch in die Arbeit, bis sich Film und Realität vermischen.
David Lynch schafft keine Filme - er kreiert Mysterien. Sechs Jahre nach dem verstörenden Alptraum "Mulholland Drive" stöbert er wieder in den düsteren Noir-Schatten der Traumfabrik und lädt ein zum schauerlichen Rätselraten auf höchstem Niveau.
Kryptischer Dreistundentrip von David Lynch um eine in Schwierigkeiten steckende Schauspielerin.
Ver-rückt: Justin Theroux und Laura Dern als Schauspieler Devon und Nikki (Foto: Concorde)
Nikki Grace (Laura Dern), eine einst gefeierte Schauspielerin, wird für die Hauptrolle im neuen Film von Regisseur Kingsley Stewart (Jeremy Irons) engagiert. Kurz vor dem Dreh erfahren Nikki und ihr Co-Star Devon (Justin Theroux), dass der Film ein Remake ist.
Er wurde vor einigen Jahren schon einmal gedreht, aber nie fertiggestellt, weil die Hauptdarsteller vor dem Ende der Dreharbeiten ums Leben kamen. Bald schon beginnen für Nikki Fiktion und Realität miteinander zu verschmelzen.
Mit seinem kryptischsten, verwirrendsten Film seit seinem Debüt "Eraserhead" dürfte Kultregisseur David Lynch selbst eingefleischte Fans auf eine harte Probe stellen.
Die nichtlineare Erzählweise und der ständige Perspektivwechsel des digital gedrehten Films verlangen dem Zuschauer im Verbund mit der fast dreistündigen Laufzeit alles ab.
Lynch-Muse Laura Dern ("Blue Velvet", "Wild at Heart") fasziniert mit facettenreicher Darstellung.
| Darsteller: | Laura Dern | als Nikki Grace/ Susan Blue | |
|---|---|---|---|
| Jeremy Irons | als Kingsley Stewart | ||
| Harry Dean Stanton | als Freddie Howard | ||
| Justin Theroux | als Devon Berk/ Billy Side | ||
| Ian Abercrombie | als Henry | ||
| Karolina Gruszka | als Mädchen | ||
| Peter Lucas | als Piotrek Krol | ||
| Krzysztof Majchrzak | als Phantom | ||
| Julia Ormond | als Doris Side | ||
| Regie: | David Lynch | ||
| Drehbuch: | David Lynch | ||
| Produzent: | David Lynch | ||
| Mary Sweeney | |||
| Koproduzent: | Jeremy Alter | ||
| Kamera: | Odd-Geir Saether | ||
| Schnitt: | Mary Sweeney | ||
| Musik: | Angelo Badalamenti | ||
| Kostüme: | Heidi Bivens | ||
Er hat der Filmwelt große Visionen geschenkt…
Mit Werken wie "Mulholland Drive", "Wild at Heart" oder "Blue Velvet" hat David Lynch cineastische Meilensteine kreiert.
Doch in letzter Zeit ist es still geworden um den Meister der verstörenden Bilderwelten aus den Abgründen der menschlichen Seele. Sein letzter Kinofilm "Inland Empire" datiert aufs Jahr 2006 und ein neues Projekt des Kultregisseurs ist nicht in Sicht. Der Grund: David Lynch hat schlicht keine Ideen mehr.
"Wenn heute ein neuer Film herauskommt, ist das eine ganz andere Welt als früher - Menschen sehen Filme mehr und mehr auf Computerbildschirmen", erklärt David Lynch. "Für mich bedeutet das das eine allumfassende, enorme Trauer. Es fühlt sich an, als ob mir jemand den Stromstecker gezogen hätte."
Ein wenig erstaunlich ist diese Aussage schon, denn immerhin hat Lynch mit der Kultserie "Twin Peaks" auch fürs Fernsehen einen legendären Beitrag geschaffen. Zuletzt machte David Lynch mit seinen Interview-Projekten in den USA und Deutschland von sich reden, bei denen er unzählige "Durchschnitts"-Menschen aus ihrem Leben erzählen ließ und so ein riesiges filmisches Mosaik des Seins erstellte.
Allerdings wirkt Lynchs einzigartige Bildsprache auf der großen Leinwand sicher am eindrucksvollsten. Doch mit einer Fortsetzung von David Lynchs Filmkarriere ist wohl kaum noch zu rechnen:
"Ich habe einfach keine Idee, die meine Seele aufrüttelt und mir den Willen verleiht, loszulegen und sie in die Tat umzusetzen. Und das bleibt auch so. Sagen wir mal, das Filmgeschäft wäre ein Rennwagen. Er fuhr einmal mit 200 km/h geradeaus eine Straße entlang. Aber vor fünf oder sechs Jahren erwischte er eine Bodenwelle und landete aus irgendeinem Grund im Straßengraben. Seitdem schleudert er darin herum, wirbelt Hecken und Büsche in die Luft, kommt aber nicht mehr weiter."
Das würden Mainstream-Filmemacher wie Michael Bay sicher anders sehen. Vielleicht liegt's also auch daran, dass selbst eingefleischte Arthouse-Fans mit David Lynchs letztem Versuch "Inland Empire" große Schwierigkeiten hatten: Der Thriller um eine Schauspielerin, die ein Remake eines Films drehen soll, bei dessen letztem Umsetzungsversuch sämtliche Hauptdarsteller ums Leben kamen, verwirrte Fans wie Kritiker noch mehr als dies bei Lynch ansonsten der Fall war…
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