Quentin Tarantinos wahnwitziger Men-on-a-Mission-Weltkriegsfilm, in dem sich ein Trupp jüdischer US-Soldaten daran macht, in einem Pariser Kino die führenden Nazis zu töten.
Man hat den Zweiten Weltkrieg im Kino noch nie so erlebt wie in Quentin Tarantinos wild fabulierender Mär über den Triumph des Kinos über das Böse.
"Es war einmal... in Frankreich unter Besatzung der Nazis", kündigt eine Schrifttafel das erste von vier Kapiteln von "Inglourious Basterds" an. Mehr muss man nicht wissen, um sich im nunmehr sechsten Spielfilm von Quentin Tarantino zurechtzufinden: Es ist eine Verbeugung vor den Arbeiten von Sergio Leone ebenso wie ein Verweis darauf, dass man sich fortan im Reich des Märchens bewegt eine Art "Anti-,Walküre'" (O-Ton Tarantino) im Gewand eines Spaghettiwestern, in dem sich zwar Hitler und Goebbels als grob karikierte Stichwortgeber tummeln, aber historische Genauigkeit nicht das primäre Anliegen des Filmemachers ist. Im Gegenteil: Hier wird wild und fiebrig fabuliert, dass es eine Art hat. Hier sind marodierende US-G.I.s am Werk, die hinter Feindeslinien Nazis skalpieren oder mit Hakenkreuzen auf der Stirn brandmarken. Jüdische Mädchen leiten inkognito Kinos in Paris, die Filme von G.W. Pabst im Programm haben, und sinnen auf Rache an ihren Peinigern. Und SS-Offiziere delektieren sich daran, dass man sie ehrfurchtsvoll als "Judenjäger" tituliert, und gefallen sich darin, in drei - und wenn nötig vier - Sprachen Angst und Schrecken zu verbreiten. Ihnen allen räumt Quentin Tarantino entsprechend viel Platz ein in bis zum Knackpunkt lang gezogenen Szenen, die sich nach bewegten Wortgefechten, wiederholten Liebeserklärungen ans europäische Kino und ein paar gewalttätigen Einsprengseln entladen in einem Showdown, der ebenso dreist und ungeheurlich wie mitreißend ist. Nie zuvor hat es jemand so wortwörtlich genommen mit seinem unerschütterlichen Glauben daran, dass das Kino das Böse auslöschen kann.
Dabei gelingt es der beharrlich ihre Todesmelodie summenden Pulp Fiction, ständig die Erwartungen zu unterlaufen: Die eigentlichen Helden sind wütende Berserker ohne Gnade, der Bösewicht ein eleganter, faszinierender Schöngeist, die deutsche Diva arbeitet für den Widerstand, der sympathische deutsche Soldat ist ein narzisstischer Schlimmfinger. Und "Inglourious Basterds" tut so, als sei er ein Kriegsfilm, während er doch tatsächlich viel mehr Cinema Paradiso la Tarantino ist. Mit Hitler eben. Und hohem Blutzoll. Damit muss man erst einmal zurecht kommen, erwartet man sich doch den eigentlich angekündigten Men-on-a-Mission-Weltkriegsfilm im Stil von "Das dreckige Dutzend" der schließllich noch nicht einmal einmal ein Remake von Enzo G. Castellaris "Ein Haufen verwegener Hunde" aus dem Jahr 1978 ist, von dessen US-Verleihtitel sich der Titel ableitet. Diese "Inglourious Basterds" toben sich erst einmal nur ziemlich zu Beginn des Films aus, und ihr Anführer Brad Pitt kommt mit viel Glück auf vielleicht eine halbe Stunde Leinwandzeit, während Til Schweiger an seiner Seite sprach- und konturlos bleibt wie seine Gefährten, darunter Eli Roth als Baseballknüppel schwingender Bear Jew und Gedeon Burkhard in einem dennoch charismatischen Auftritt.
Viel mehr Augenmerk wird auf SS-Oberst Hans Landa gelegt, den Christoph Waltz so entwaffnend diabolisch mit teuflischem Genuss spielt, dass er schon jetzt einen Ehrenplatz in der Ahnengalerie denkwürdiger Kinoschurken sicher hat und das allein schon nach seinem ersten Auftritt in der ersten, sehr langen Szene des Films, geradewegs entlehnt bei Leone, in der er einem französischen Bauern mit leichter Hand entlockt, wo sich geflohene Juden versteckt halten. Auch die anderen deutschen Akteure glänzen, allen voran Daniel Brühl als cineastisch bewanderter Kriegsheld Zoller, August Diehl als blitzschlauer Gestapomann und Diane Krüger als Filmdiva Bridget von Hammersmark. Sie alle spielen tragende Rollen in dieser mit großer Geste servierten "Operation Kino" (Titel des dritten Kapitels), das sich immer wieder Auszeit von seinem Plot gönnt, um in zahllosen Referenzen an das italienische Genrekino, die Nouvelle Vague, den Film des Dritten Reichs, "Winnetou", Edgar-Wallace-Krimis ("Der rote Kreis) und nicht zuletzt Truffauts "Die letzte Metro" zu schwärmen. "Das könnte mein Meisterwerk sein", ist der letzte Dialogsatz des Films, gesprochen von Brad Pitt, der sein blutiges Werk betrachtet. Große Worte, aber ganz unrecht hat Quentin Tarantino damit nicht. ts.
Auszeichnung der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW)
Kurztext:
Der neue Film von Kultregisseur Quentin Tarantino erzählt die fiktive Geschichte in Ungnade gefallener Soldaten. Diese werden, um ihrer Hinrichtung zu entgehen, im besetzten Frankreich der 40er Jahre auf Nazi-Jagd geschickt. Parallel dazu will sich auch die junge Jüdin Shosanna auf ihre Weise an den Nazis für die Ermordung ihrer Eltern rächen. Eindrucksvoll baut Tarantino mit eigenwilligen, oft sparsam eingesetzten, filmischen Mitteln eine atemberaubend intensive Spannung auf. Er bricht mit Konventionen und erzählt ein äußerst gewitztes und unglaublich faszinierendes Märchen. Das ist wahre Erzählkunst auf höchstem Niveau, eine Hommage an das Kino selbst, wenn er wichtige Höhepunkte der Filmkunst zitiert und in der Verknüpfung eine neue geniale Gesamtästhetik schafft. Ein großer Spaß und Muss für jeden Cineasten.
Jurybegründung:
Frankreich während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Die Jüdin Shosanna Dreyfus kann nur hilflos zuschauen, wie der sprachfertige und ausgesprochen listige Nazi-Oberst Hans Landa ihre gesamte Familie ermorden lässt. Doch Shosanna gelingt es zu entkommen - nach Paris, um sich dort eine neue Identität als Kinobesitzerin zuzulegen. Anderswo in Europa stellt US-Leutnant Aldo Raine derweil die so genannte 'Basterds'-Gruppe zusammen - bestehend aus jüdisch-amerikanischen Soldaten, die gnadenlos schockierende Vergeltungsschläge gegen die Nazis begehen sollen und auch werden. Zum perfekten Showdown zwischen allen Beteiligten kommt es, als sich in Shosannas Kino die Nazi-Größen zu einer Sondervorführung einfinden. Denn nun steht der jungen Frau und den 'Basterds' nichts mehr im Wege, ihren ganz persönlichen Rachefeldzug durchzuführen.
Der große amerikanische Regisseur Quentin Tarantino und wie er die Welt sieht - INGLOURIOUS BASTERDS ist ein gewohnt Stil sicherer, typisch lakonischer Film des Kultregisseurs - cool, mit viel Gewalt und einer ansprechenden Botschaft. Denn dass der entflammbare Nitrofilm, also das historische Kino am Ende die Nazis besiegt, ist natürlich nicht nur für Cinephile eine ausgesprochen charmante Idee. Auch die Besetzung des Films und die insgesamt ganze Ensembleleistung sind großartig - besonders erwähnenswert dabei die Rolle von Christoph Waltz als schlaues, überaus gefährliches Ekel Hans Landa, der bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes als 'Bester Darsteller' ausgezeichnet wurde, völlig zurecht, wie festzustellen ist. Aber auch der sonstige Cast ist bis in die Nebenrollen hinein als hervorragend besetzt, wie gespielt zu bewerten.
Besonders erwähnenswert erschien der Jury die Tatsache, dass - nach einem etwas verhaltenen, eher dialogreichen Beginn - der Spannungsbogen im Film stets gehalten wurde. Diese 'Fieberkurve' stellt - bis zum grande finale - eine der ganz großen künstlerischen Leistungen von INGLOURIOUS BASTERDS dar. Dass Tarantino dabei seine ganz eigene Wirklichkeit hervorbringt, die sich stilistisch wie inhaltlich auch einiges herausnimmt (z. B. die nicht immer nachvollziehbare Logik der hervorgebrachten Handlungen), sieht man ihm allzu gerne nach. Diese geschliffenen Dialoge, die immer währende Verbeugung vor der Filmgeschichte z. B. vor Hitchcock, der ungezügelte, überaus gelungene Genre-Mix, der die verschiedensten Metapher - besonders der Rache - verarbeitet. Das alles passiert ungezwungen, subtil und ist gespickt mit einem genialen Umgang aller zur Verfügung stehenden filmischen Mittel auf höchstem Niveau. Ein tänzelnder Tarantino - endlich mal wieder.
Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
Lt. Aldo Raine befehligt einen Trupp jüdischer Soldaten, "Bastards" genannt, die hinter feindlichen Linien auf französischem Boden Angst und Schrecken unter deutschen Soldaten verbreiten. Unter britischem Kommando lassen sie sich für ein Himmelfahrtskommando einspannen, führende Nazis bei einer Filmpremiere in einem Pariser Kino zu töten. Die Betreiberin des Kinos, die junge Jüdin Shosanna Dreyfuss, hat eigene Pläne für den Abend: Vor Jahren ist sie eher zufällig verschont worden, als der als "Judenjäger" berüchtigte Oberst Hans Landa ihre Familie massakrierte. Jetzt will sie Rache.
| Originaltitel | Inglourious Basterds |
| OV | Ja |
| OmU | - |
| Genre | Action / Kriegsfilm |
| Filmpreis | - |
| USA-Start | 21.08.2009 |
| Kinostart (D) | 20.08.2009 |
| Besucher (D) | 2.129.584 |
| Einspielergebnis (D) | € 16.135.349 Bes. (EDI) 2.129.584 Bes. (FFA) 2.149.124 |
| FSK | ab 16 Jahre |
| WWW | - |
Gedeon Burkhard
Wilhelm Wicki
Jacky Ido
Marcel
B.J. Novak
Smithson Utivitch
Omar Doom
Omar Ulmer
August Diehl
Hellstrom
Sylvester Groth
Joseph Goebbels
Martin Wuttke
Adolf Hitler
Mike Myers
General Ed Fenech
Julie Dreyfus
Francesca Mondino
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Paul Rust
Andy Kagan
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PFC Michael Zimmerman
Christian Berkel
Eric
Jana Pallaske
Babette
Lawrence Bender
Produzent
Erica Steinberg
Ausf. Produzent
Lloyd Phillips
Ausf. Produzent
Harvey Weinstein
Ausf. Produzent
Bob Weinstein
Ausf. Produzent
David Wasco
Produktionsdesi gn
Robert Richardson
Kamera
Sally Menke
Schnitt
Anna B. Sheppard
Kostüme
Johanna Ray
Casting
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