Originaltitel: Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull
USA 2008
Harrison Ford
Cate Blanchett
Karen Allen
Regie: Steven Spielberg
Verleih: Paramount
Schon 20 Jahre sind vergangen, seit Indiana Jones (Harrison Ford) den Heiligen Gral und zu rechtschaffener Ruhe fand. Nunmehr herrscht Kalter Krieg zwischen den Großmächten, als Indy 1957 in eine abenteuerliche Mission und ins Visier der russischen KGB-Agentin Irina Spalko (Cate Blanchett) gerät. Auf seine Seite schlagen sich seine trinkfeste Ex-Flamme Marion (Karen Allen) und der aufmüpfige Mutt (Shia LaBeouf), der sein unehelicher Sohn sein könnte.
Action der alten Schule statt CGI-Firlefanz verspricht die triumphale Rückkehr eines der größten Kinohelden unserer Zeitrechnung. Das Trio Steven Spielberg, George Lucas (Produktion) und Harrison Ford garantieren mit dem vierten Indy-Filmabenteuer für das Kinoereignis des Jahres.
In seinem vierten Filmabenteuer bekommt es Indiana Jones nach einer langjährigen Pause mit einer russischen Agentin zu tun.
Sie haben der Legende keine Schande gemacht: 19 Jahre, nachdem Harrison Ford in "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" in den Sonnenuntergang ritt, kehrt die Filmikone der Achtzigerjahre zurück mit einem Abenteuer, das nun zwar in den Fifties spielt, sich sonst aber nahtlos in die Tradition der von George Lucas ersonnenen und Steven Spielberg inszenierten Franchise reiht, deren drei erste Teile in den Achtzigern weltweit 1,1 Mrd. Dollar einspielten.
Gleich die erste Szene unterstreicht, dass alles beim Alten und doch ganz anders ist: Auf einem einsamen Wüstenhighway liefert sich ein aufgemotzter Cruiser zu den Klängen von "Hound Dog" ein Wettrennen mit einem Convoy von Militärfahrzeugen, ein augenzwinkernder Verweis auf das berühmte Wettrennen in "American Graffiti" von "Indy"-Produzent George Lucas. Es ist nur ein kleiner Vorgeschmack, denn die eigentliche Handlung beginnt erst, als die Militärfahrzeuge auf offener Strecke abbiegen und Kurs auf ein Geheimlager halten, wo die US-Regierung all ihre Geheimnisse aufbewahrt - unter anderem auch ein Alien, das 1947 bei dem Vorfall in Roswell gefunden worden sein soll.
Die folgende Sequenz führt den Helden und seine Gegenspieler in gewohnter Actionmanier ein. Und sie beweist, dass Indiana Jones seit dem letzten Mal vielleicht 20 Jahre gealtert ist, aber immer noch bereit ist, seinen Körper im Dienst der guten Sache ohne Rücksicht auf Verluste zu schinden. Immerhin übersteht er am Ende der Exposition sogar die Explosion einer Atombombe ohne größeren Schaden und erholt sich davon schneller als der Film, der eine Weile braucht, um wieder richtig Rock'n'Roll zu werden.
Dienten die alten Republic-Serials der Dreißigerjahre als Vorlage für die drei ersten Indy-Filme, so greifen Lucas und Spielberg nun Motive der Science-Fiction-Filme der Post-Weltkriegs-Ära auf und etablieren als Bösewichte russische Agenten unter der Führung der Parapsychologie-Expertin Irina Spalko, gespielt von Cate Blanchett als Domina-Version von Rosa Klebb im Louise-Brooks-Look. Die von David Koepp etwas unnötig kompliziert konzipierte Geschichte von der Suche nach einem sagenumwobenen Kristallschädel, der den Weg zur Wiege der menschlichen Zivilisation (oder so) ebnen soll, führt das Personal zunächst nach Peru sowie in den Dschungel des Amazonas, um bei einer unheimlichen Begegnung der dritten Art buchstäblich den Boden unter den Füßen zu verlieren.
Alldieweil werden die Kombattanten durch ausgedehnte Actionsequenzen und Verfolgungsjagden, die mit einigen unangenehm auffallenden Ausnahmen trotz des Großeinsatzes von GGI-Effekten angenehm altmodisch und übersichtlich wirken, genügend trockenen Humor und so manche Überraschung geschickt, die Indiana Jones 2.0 auch inhaltlich an die drei Vorgänger anbindet.
So kommt es zum willkommenen Wiedersehen mit Karen Allen als Marion Ravenwood aus "Jäger des verlorenen Schatzes", nach wie vor die beste Frauenfigur eines Jones-Films, deren Chemie mit Harrison Ford ebenso wenig gelitten hat wie ihr brillantes Aussehen: Der Blick von Indiana Jones, wenn er sie im Lager der Russen erstmals wiedersieht, ist ebenso unbezahlbar wie einzigartig - ein Moment purster Emotion.
Dass es sich bei dem etwas farblos erdachten jugendlichen Sidekick Mutt Williams tatsächlich um den Sohn von Indy handelt, darf verraten werden, zumal das Gerücht seit Bekanntgabe der Mitwirkung von Spielberg-Protegé Shia LaBeouf hartnäckig die Runde machte. Er hat eine schöne Einführung mit einem Auftritt mitten aus "Der Wilde", ist dann aber damit geschlagen, sich wie Tarzan mit Affen durch den Urwald zu schwingen und mit Hilfe allzu offensichtlicher CGI im fahrenden Jeep mit Cate Blanchett ein Säbelduell zu liefern.
Bei soviel Geschäftigkeit und Bemühung darum, Indiana Jones auch der Generation 2.0 als Kinohelden schmackhaft zu machen, verliert Steven Spielberg bisweilen aus den Augen, dass nicht die Action allein den Reiz der Reihe ausgemacht hat, sondern die Balance mit charmanten und pfiffigen Charaktermomenten. Die gibt es hier natürlich auch - wie auch nicht bei einer so großartigen Besetzung, zu der außerdem noch Ray Winstone als unberechenbares Fähnchen im Wind und John Hurt als spinnerter Catweazle zählen.
Aber ein bisschen mehr verbale Schlagabtausche hätten sicherlich nicht geschadet, um das Ringen um die Kristallschädel an die Klasse von "Jäger des verlorenen Schatzes" heranreichen zu lassen. So nimmt er es eben nur mit dem "Tempel des Todes" und "Der letzte Kreuzzug" auf. Und das ist alles andere als schlecht.
| Darsteller: | Harrison Ford | als Indiana Jones | |
|---|---|---|---|
| Cate Blanchett | als Irina Spalko | ||
| Karen Allen | als Marion Ravenwood | ||
| Ray Winstone | als George "Mac" McHale | ||
| John Hurt | als Professor Oxley | ||
| Jim Broadbent | als Dean Charles Stanforth | ||
| Shia LaBeouf | als Mutt Williams | ||
| Regie: | Steven Spielberg | ||
| Drehbuch: | David Koepp | ||
| Jeff Nathanson | |||
| George Lucas | |||
| Produzent: | Frank Marshall | ||
| Koproduzent: | Denis L. Stewart | ||
| Ausf. Produzent: | George Lucas | ||
| Kathleen Kennedy | |||
| Kamera: | Janusz Kaminski | ||
| Schnitt: | Michael Kahn | ||
| Musik: | John Williams | ||
| Produktionsdesign: | Guy Dyas | ||
| Kostüme: | Mary Zophres | ||
| Ton: | Ben Burtt | ||
Was ist bloß ein "MacGuffin"?
Nachfolger gesucht: Die Bundeslade aus dem ersten Indiana-Jones-Film "Jäger des verlorenen Schatzes" (Foto: Paramount)
Hollywood spricht gerne in Rätseln: Steht im Abspann eines Films ein "Best Boy", ist der erste Lichttechniker gemeint, als "Grip" wird der Materialwart bezeichnet und ein "Foley Artist" ist ein Geräuschemacher. So weit, so gut. Doch was meint George Lucas, wenn er verkündet, dass ihm zur Fertigstellung des Drehbuchs von "Indiana Jones 5" nur noch sein "MacGuffin" fehlt?
Die Antwort ist so einfach wie vertrackt: Lucas sucht nach dem Nachfolger der Bundeslade, der Sankara Steine, des Heiligen Grals und des Kristallschädels - also der Artefakte, nach denen Harrison Ford alias Dr. Henry Jones in den bisherigen vier Indy-Filmen suchte.
Den Begriff hat Altmeister Alfred Hitchcock erfunden, gemeint ist das meist geheimnisvolle Element, das die Handlung eines Films vorantreibt. "MacGuffin" ist dabei ein beliebiger schottischer Name, den Hitchcock spontan für eine Rede erfunden hat, um zu illustrieren, das auch das Spannungselement in einem Film frei erfunden und beliebig sein kann.
Das ist allerdings auch der Haken: Denn wenn der "MacGuffin" zu weit her geholt ist, geht der Film eben doch in die Hose - so geschehen beim letzten Indy-Abenteuer "Das Königreich des Kristallschädels" mit seinem übertriebenen SciFi-Finale.
Genau das ist auch der Grund, warum sich George Lucas diesmal derart das Hirn zermartert, um ein Artefakt zu finden, das auch in die Welt von Indiana Jones passt: "Ich habe Steven [Spielberg] schon die Handlung erklärt, aber ich habe noch keinen MacGuffin, der sich für das Themenfeld eignet, in dem wir uns diesmal bewegen", erklärt George Lucas. "Aber ich weiß schon genau, wovon der Film an sich handeln wird."
Der genannte Steven Spielberg, der bei den Indy-Filmen für Produzent George Lucas Regie führt, hatte sich kürzlich erst über Lucas' Wahl des MacGuffin in "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" beklagt - ebenso wie Harrison Ford.
Nun scheint man sich also geeinigt zu haben, dass Dr. Jones im fünften Film wieder nach einem ganz klassischen Artefakt suchen soll, damit diesmal keine extraterrestrische Auswüchse das Kinoerlebnis um den schlagkräftigen Archäologen stören. Sobald George Lucas fündig geworden ist, dürfte es dann sehr bald los gehen mit den Dreharbeiten zu "Indiana Jones 5"…
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