Kevin Kline
Tom Selleck
Joan Cusack
Regie: Frank Oz
Verleih: Tobis
Howard Brackett lebt ungestört als Lehrer in der Provinz - bis er bei der Oscar-Verleihung als schwul geoutet wird und die Nachricht bei allen Kleinstädtern via Fernseher einschlägt und ihn völlig unwissend erwischt. Als besonders hartnäckig tut sich der schwule Sensationsreporter Peter Malloy aus der einfallenden Medien-Meute hervor. Ausgerechnet er leitet Bracketts Selbsterkenntnis ein.

Die Verzögerungstaktik Paramounts hat sich gelohnt. Statt die gutmütige Homosexuellen-Farce mit Kevin Kline als unbedarftem Kleinstadtlehrer, der bei der Oscar-Verleihung vor weltweitem Publikum als schwul entlarvt wird, im Juni gegen extremes Konkurrenzgetümmel antreten zu lassen, konnte nun beim verspäteten Start mit 15.3 Mio. Dollar der zweitbeste September-Start aller Zeiten erzielt werden.
Drehbuchautor Paul Rudnick verfaßte diese turbulente Screwball-Komödie im traditionellen Stil Frank Capras um das einst undenkbare Tabu- und nun verstärkt in den Mainstream Eingang findende Thema der Homosexualität im sozialen Alltag. Rudnicks Skripte für "Addams Family in verrückter Tradition", die preisgekrönte Homosexuellen-Komödie "Jeffrey" und seine immens beliebte Kolumne im amerikanischen "Premiere"-Magazin unter dem Pseudonym Libby Gelman-Waxner deuten auf sein Gespür für schmunzelnd-selbstironischen Humor mit eigenwilliger Offbeat-Komponente hin. Das klassische Set-Up der kompetenten Frank-Oz-Inszenierung - eine verschlafene Kleinstadt findet sich aufgrund eines gänzlich unerwarteten Skandals in den nationalen Schlagzeilen wieder - wurde durch saftig-hemmungslose Situationskomik, quirlige Figuren und treffende Oneliner (Schwulenikone Barbra Streisand erweist sich als ergiebige Quelle) mit einem koketten Nineties-Twist versehen.
Howard Brackett (Kevin Kline) ist Englischlehrer an der Highschool von Greenleaf, Indiana. Er ist gepflegt, hat gute Manieren, liebt Poesie und wird demnächst nach dreijähriger Verlobung die einstmals übergewichtige Emily (Joan Cusack fügt ihrem Repertoire von liebenswerten Schreckschrauben ein weiteres Glanzlicht hinzu) heiraten. Doch dann wird sein Leben gründlich von einem ehemaligen Schüler, mittlerweile ein gefeierter Hollywoodstar (Matt Dillon herrlich komisch, besonders in einem Clip als homosexueller "Forrest Gump"-Verschnitt) durcheinandergebracht, als er bei dessen Oscar-Rede als schwul geoutet wird. Das gesamte Städtchen ist geschockt - inklusive des zunächst nichts von seiner sexuellen Ausrichtung ahnenden Howard. Beim anschließenden Medienzirkus tritt besonders der schwule Sensations-TV-Journalist Peter Malloy (fabelhaft: Tom Selleck, der sich pikanterweise in der Vergangenheit häufig Vorwürfe der Homosexualität verbat) hervor. Er spielt schließlich einen entscheidenden Part bei Howards Selbstfindung.
Kline bringt hier gekonnt ebenso seine sympathische Jeder-"Dave"-Qualität wie sein in "Ein Fisch namens Wanda" unter Beweis gestelltes Talent für Slapstick (ein Highlight ist sein ekstatisches Gehopse zu dem YMCA-Hit "Macho Man") zum Einsatz. In prägnant-amüsanten Nebenrollen sind Debbie Reynolds als Howards Hochzeiten-vernarrte Mama, Bob Newhart als verklemmt-spießiger Schuldirektor und Supermodel Shalom Harlow selbstparodistisch als Dillons Freundin zu sehen. Die respektlose Verulkung der tuntig-affektierten Manierismen des Protagonisten könnte manchen politisch korrekten Kinogängern säuerlich aufstoßen. Doch tatsächlich wird die heuchlerische Bigotterie der Gesellschaft bloßgestellt und ohne lauttönende Polemik die Wichtigkeit von aufrichtiger (Selbst-)Akzeptanz unterstrichen. ara.
| Darsteller: | Kevin Kline | als Howard Brackett | |
|---|---|---|---|
| Tom Selleck | als Peter Malloy | ||
| Joan Cusack | als Emily Montgomery | ||
| Matt Dillon | als Cameron Drake | ||
| Debbie Reynolds | als Berniece Brackett | ||
| Wilford Brimley | als Frank Brackett | ||
| Bob Newhart | als Tom Hallwell | ||
| Deborah Rush | als Ava Blazer | ||
| Lewis J. Stadlen | als Ed Kenrow | ||
| Gregory Jbara | als Walter Brackett | ||
| Shalom Harlow | als Sonya | ||
| J. Smith-Cameron | als Trina Paxton | ||
| Kate McGregor-Stewart | als Tante Becky | ||
| Shawn Hatosy | als Jack | ||
| Zak Orth | als Mike | ||
| Lauren Ambrose | als Vicky | ||
| Alexandra Holden | als Meredith | ||
| Regie: | Frank Oz | ||
| Drehbuch: | Paul Rudnick | ||
| Produzent: | Scott Rudin | ||
| Koproduzent: | G. Mac Brown | ||
| Ausf. Produzent: | Adam Schroeder | ||
| Kamera: | Rob Hahn | ||
| Schnitt: | Dan Hanley | ||
| Johnny Jympson | |||
| Musik: | Marc Shaiman | ||
| Produktionsdesign: | Ken Adam | ||
| Charles v. Beal | |||
| Kostüme: | Ann Roth | ||
| Ton: | Danny Michael | ||
"Night and Day" könnte man Cole Porters Melodien vor sich hin trällern. "I Get A Kick Out Of You" betört noch heute unzählige Damen, von "I've Got You Under My Skin" mal ganz zu schweigen.
Frank Sinatra, Shirley MacLaine und Fred Astaire sind durch seine Lieder zu Weltstars geworden. Ohne ihn hätte es nie solch wundervolle Musicals wie "Kiss Me Kate", "Can-Can" und "Broadway Melodie" gegeben.
Da wird es höchste Zeit, dass sein Lebenswerk mit einem Biopic gewürdigt wird! Glücklicherweise kam Irwin Winkler auf diese hervorragende Idee. Und weil er in "Life as a House" Kevin Klines Talent für wirklich jede Rolle zu schätzen gelernt hat, traut er ihm auch die des Cole Porter absolut zu.
"De-Lovely" wird das Filmmusical heißen, benannt nach einem von Porters Hits aus der Show "Red, Hot and Blue". Natürlich dürfen dabei die größten Ohrwürmer des amerikanischen Komponisten nicht fehlen, die verschiede Stationen seines Lebens markieren.
Doch es geht nicht nur um Musik in diesem Film. Hauptsächlich will Irwin Winkler die ungewöhnliche Beziehung zwischen Cole Porter und seiner Gattin Linda erzählen. Der homosexuelle Musiker schaffte seinen Durchbruch erst, als er Linda geheiratet hatte. Die beiden hatten eine Art Deal abgeschlossen, in dem eine platonische Beziehung zu Gunsten beider vereinbart wurde: Er bekam Ruhm und Ansehen, sie gesellschaftliche und finanzielle Sicherheit. Ein Leben frei nach dem Motto: "Anything Goes"!
"I Love Paris", dachte sich Kevin Kline, als er "French Kiss" drehte, und zitierte dabei einen Song des Musical-Meisters. Außerdem dürfte er sich in der Rolle ziemlich wohl fühlen, denn seit "In & Out" weiß er bestens Bescheid über die Art, wie Männer küssen. Damit ist er hervorragend gerüstet für den Drehbeginn im Mai.
Er pendelt erfolgreich zwischen Theater und Film, wechselt ernste mit komischen Rollen ab und hat seit 1983 ("Der große Frust") fünf Mal für...
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