Originaltitel: Hysteria
Großbritannien 2011
Maggie Gyllenhaal
Hugh Dancy
Jonathan Pryce
Regie: Tanya Wexler
Verleih: Senator
Ein junger Arzt verliert wegen seiner modernen Ansichten ständig seine Stelle, bis er bei einem Experten für Hysterie und Frauenleiden unterkommt, der bei seinen Patientinnen an intimen Stellen Hand anlegt und Erfolg mit dieser "Behandlung" hat. Bald stehen die Damen beim neuen Doktor Schlange. Als seine Arme schmerzen, verliert er seine Stelle und die Verlobte, das Töchterchen des Chefs. Dafür sprühen die Funken zwischen ihm und deren aufmüpfiger Schwester. Zur Freude der Frauen entwickelt der Medikus aus einem elektrischen Staubwedel den ersten Vibrator.

Von britischem Humor geprägte lockere Komödie über die Erfindung des Vibrators mit überragendem Schauspielensemble.
Was haben das viktorianische England, ein elektrischer Staubwedel und ein Freuden spendender Vibrator gemeinsam? Viel, wenn man Tanya Wexlers opulentem Kostümfilm glaubt. Ihre amüsante Mischung aus Zeitkolorit, frivoler Komödie und romantischer Liebesgeschichte hat alles, was in gute Stimmung versetzt. Der Untertitel hält, was er verspricht: "Noch nie hat es so viel Spaß gemacht, geheilt zu werden".
Zwischen zwei Seiten des viktorianischen Lebens um 1880 herum bewegt sich der junge Arzt Mortimer Granville. Da ist die würdevolle und gediegene von seinem gesellschaftlich anerkannten Chef Dr. Robert Dalrymple, und die aufmüpfige und der Veränderung zugewandte von dessen älterer Tochter, die sich der Arbeit mit Bedürftigen widmet. Erst einmal lernt Granville, der wegen seiner modernen Ansichten über Keimtheorie ständig seinen Job verliert, bei Dalrymple wie man "hysterische" Frauen heilt, nämlich über die natürlich medizinisch legitimierte und auf keinen Fall sexuelle Massage des weiblichen Intimbereichs. Bald stehen die Damen beim fingerfertigen Doktor Schlange, bis seine entzündeten Arme ihm den Dienst und den Ladies die Entspannung versagen, seine Laufbahn und die Verlobung mit der gesitteten jüngeren Tochter ein unbefriedigendes Ende finden. Wie gut dass sein Freund und Wissenschaftler justament einen elektrischen Staubwedel entwickelt, den der Medikus zum Batterie getriebenen Vibrator umwandelt.
Das Ensemble Hugh Dancy, Jonathan Pryce, Rupert Everett bildet ein wunderbar gegensätzliches Männertrio, dem Maggie Gyllenhaal und Felicity Jones in nichts nachstehen. Mit Ironie nimmt der Film die viktorianischen Moralvorstellungen unter die Lupe und entlarvt augenzwinkernd die frauenfeindliche und sexuelle Konnotation vermeidende Diagnostik als Prüderie, führt die männliche Idee von der Penetration als alleinigen Lustfaktor ad absurdum und das alles ohne die drei doch sympathischen Männer in die Pfanne zu hauen.
Die leicht verspielte Lektion über Wissenschaftsglaube, viktorianische Konventionen und gesellschaftlichen Wandel, Frauenemanzipation und Männerirrtümer überzeugt rundum, nicht zuletzt durch die bis ins Detail stimmige Ausstattung bis in die Länge der Gehröcke und Reifröcke hinein. Und das (vorhersehbare) Happy End zwischen Medizinmann und aufrührerischer Tochter macht den Zuschauer glücklich, der bei dieser cleveren Komödie wirklich in den besten Händen ist. mk.
| Darsteller: | Maggie Gyllenhaal | als Charlotte Dalrymple | |
|---|---|---|---|
| Hugh Dancy | als Mortimer Granville | ||
| Jonathan Pryce | als Dr. Dalrymple | ||
| Rupert Everett | als Edmund | ||
| Ashley Jensen | als Fanny | ||
| Sheridan Smith | als Molly | ||
| Felicity Jones | als Emily Dalrymple | ||
| Kate Linder | als Lady Cherwill | ||
| Kim Criswell | als Mrs. Castellari | ||
| Elisabet Johannesdottir | als Mrs. Pearce | ||
| Catherine Meunier | als Patientin | ||
| Leila Schaus | als Tess | ||
| Jules Werner | als Jack | ||
| Regie: | Tanya Wexler | ||
| Drehbuch: | Jonah Lisa Dyer | ||
| Stephen Dyer | |||
| Produzent: | Tracey Becker | ||
| Judy Cairo | |||
| Sarah Curtis | |||
| Koproduzent: | Bob Bellion | ||
| Jimmy De Brabant | |||
| Ausf. Produzent: | Kenneth Atchity | ||
| Claudia Bluemhuber | |||
| Eric Brenner | |||
| Stephen Dyer | |||
| Peter Fudakowski | |||
| James Gibb | |||
| Leo Joseph | |||
| Hakan Kousetta | |||
| Anouk Nora | |||
| Sandra Siegal | |||
| Michael A. Simpson | |||
| Kamera: | Sean Bobbitt | ||
| Schnitt: | Jon Gregory | ||
| Produktionsdesign: | Sophie Becher | ||
| Kostüme: | Nic Ede | ||
| Casting: | Gaby Kester | ||
Ein ungewöhnliches Thema erfordert ungewöhnliche Geschenke…
Kleine Präsente fürs Team zu Beginn langer anstrengender Dreharbeiten steigern die Motivation und gehören bei großen Filmen zum guten Ton. Besonders die gut verdienenden Hauptdarsteller sichern sich auf diesem Weg gern das Wohlwollen der Crew. Dabei soll das Geschenk natürlich möglichst zum Film passen, den man gemeinsam dreht.
Das brachte Maggie Gyllenhaal auf eine delikate Idee. Die Schönheit aus "The Dark Knight" und "Secretary" spielt in der neuen Komödie "Hysteria" eine Frau, die zwei Ärzte kennenlernt, die im prüden England der viktorianischen Zeit mehr oder weniger zufällig den Vibrator erfanden. Deshalb verschenkte Gyllenhaal zum Drehbeginn Dildos:
"In 'Hysteria' geht es nun mal um Vibratoren und weibliche Orgasmen", begründet Maggie Gyllenhaal ihre Wahl. "Ich glaube, über dieses Thema wird selten gesprochen, wir fühlen uns dabei immer noch unwohl und werden rot. Also habe ich allen - Schauspielern und Crew - zum Drehstart Mini-Vibratoren geschenkt. Das war ganz schön teuer!"
Dabei hat Maggie Gyllenhaal auf ihrer Einkaufstour durch London, wo "Hysteria" gedreht wurde, offenbar bei den Besitzern der Sex-Shops großen Eindruck gemacht: Sie schickten ihr unaufgefordert und kostenlos weitere Vibratoren aus deren Kollektion.
"Bis wir den Film abgedreht hatten, waren etwa 15 Pakete mit Vibratoren bei mir angekommen von Leuten, die in London einen Sexshop betreiben", berichtet Maggie Gyllenhaal. "Das war eine angenehme Überraschung!"
Das gilt übrigens auch für die Patientinnen, die in "Hysteria" von Hugh Dancy und Rupert Everett behandelt werden. Damals war die sexuelle Erregung eine anerkannte Therapie für "Hysterie" - einer Diagnose, unter der man verschiedene psychische Störungen zusammenfasste. Doch weil die beiden Ärzte es wegen der Vielzahl ihrer Patientinnen nicht mehr schafften, alle auf "klassischem" Weg zu behandeln, erfanden sie ein elektrisches Hilfsmittel.
Wie sich dieses delikate Thema auf der Leinwand macht, gibt es ab 22. Dezember zu erleben, wenn "Hysteria" in die deutschen Kinos kommt.
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