Originaltitel: Eu tu eles
Brasilien 2000
Regina Case
Lima Duarte
Stênio Garcia
Regie: Andrucha Waddington
Verleih: Columbia Tristar
Schwanger und unruhig zieht Darlene aus, um verheiratet zu werden. Immer noch ledig kehrt sie drei Jahre später rechtzeitig zurück, um ihre Mutter zu Grabe zu tragen, den patriarchalischen Nachbarn zu heiraten und ihm einen weiteren Sohn zu gebären. Als dessen zärtlicher Bruder einzieht, beginnt sie auch mit ihm eine Affäre. Fehlt zum Glück eigentlich nur noch ein junger, feuriger Liebhaber.

Eine Frau und drei Männer im Macholand Brasilien: Andrucha Waddington fabuliert in seinem zweiten Spielfilm eine heiter amouröse Geschichte über Liebe, Leidenschaft und die vitale Kunst, in Freundschaft einfach zu leben. Der heiter leichte Erzählton dieses ganz entspannten und auch ebenso anzuschauenden Films hat viel Latino-Charme und Poesie, ohne den Kontakt zur Realität zu verlieren. Vom Geheimtip könnte sich der Film zum Arthouse-Renner entwickeln.
Was eine Frau will und Männer mögen, könnte mehr als nur eine utopische Lebensform sein. Zu solchen Gedankenfantasien jedenfalls gibt Andrucha Waddingtons liebevoll und mit zärtlich-trotzigem Humor inszenierter Film Gelegenheit. Bereits vor 25 Jahren gab es einen inzwischen längst zu den Klassikern zählenden brasilianischen Film über eine erotisch leidenschaftlich unkonventionell lebende Frau: "Dona Flor und ihre zwei Ehemänner" von Bruno Barreto. Doch während Dona Flor noch ihre Fantasie bemühen musste, um den verstorbenen Gatten wieder herbeizuzaubern, macht Waddingtons Darlene es viel direkter, konkreter. Ihr erstes Kind bekommt sie unehelich fern von ihrem Heimatdorf. Als sie nach drei Jahren mit dem kleinen Sohn heimkehrt, um ihm den Segen ihrer Mutter geben zu können, kommt sie gerade rechtzeitig zu deren Beerdigung. Darlenes Vitalität, die offene Erotik, die sie ausstrahlt, gefallen dem alten Osias, der ihr seine Hütte anbietet, wenn sie ihn heiratet. Derlene denkt pragmatisch, sagt zu und sieht sich schon bald mit den typischen Macho-Unsitten konfrontiert. Osias lungert nur in der Hängematte herum und schickt sie zur Arbeit auf das Feld, zum Wasserholen an den Fluss und zum Kochen an den Herd. Lange lässt Darlene sich das natürlich nicht bieten. Sie hat den Vorteil, dass sie aus dem Haus geht, bei der Arbeit Leute kennen lernt, mit denen sie trotz härtester Anstrengung lachen und sie selbst sein kann.
Andrucha Waddington, der nach einer ähnlichen, wahren Geschichte mit Elena Soárez die Story entwickelte, stattet seine Hauptfigur voller Sympathie mit einer ganz unkomplizierten Lust am Leben aus und einer Würde, wie sie im Armen-Ambiente noch eher zu finden ist als in den Großstadtpalästen. Trotzdem steuert Waddington stilsicher am Elendmilieukitsch vorbei, weil er nicht Realismus anvisiert, sondern sich eher in die balladeske Form der Fabel begibt. Grandios ist da auch die Besetzung, allen voran Hauptdarstellerin Regina Casé, die in ihrer temperamentgeladenen, kreatürlich erotischen deftigen Körperlichkeit an die junge Anna Magnani und auch an die aufregende Mexikanerin Katy Jurado ("High Noon") erinnert. Aber auch die Männer, Lima Duarte als Oasis, Sténio Gracia als der nette Zezhino und Luiz Carlos Vasconcelos als der junge leidenschaftliche Ciro sind spannend und von den Rollen her keine simplen Pappkameraden. Mit allen dreien lebt Darlene schließlich in Oasis' Hütte zusammen und hat wieder drei Söhne, den allerersten hatte sie vorher bereits zu seinem Vater gebracht. Waddingtons Film ist eine intelligente Komödie, weil sie einen zum Spaß am Leben beschwingt. fh.
| Darsteller: | Regina Case | als Darlene | |
|---|---|---|---|
| Lima Duarte | als Osias | ||
| Stênio Garcia | als Zezinho | ||
| Luiz Carlos Vasconcelos | als Ciro | ||
| Nilda Spencer | als Raquel | ||
| Regie: | Andrucha Waddington | ||
| Drehbuch: | Elena Soarez | ||
| Produzent: | Leonardo M. De Barros | ||
| Pedro B. De Hollanda | |||
| Andrucha Waddington | |||
| Flavio R. Tambellini | |||
| Kamera: | Breno Silveira | ||
| Schnitt: | Vicente Kubrusly | ||
| Musik: | Gilberto Gil | ||
| Produktionsdesign: | Toni Vanzolini | ||
| Kostüme: | Claudia Kopke | ||
| Ton: | Mark A. van der Willigen | ||
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