Michael Fassbender
Liam Cunningham
Stuart Graham
Regie: Steve McQueen
Verleih: Ascot Elite (Fugu)
In den frühen 80er Jahren beginnt im berüchtigten nordirischen Gefängnis Maze eine Gruppe von aus verschiedenen Gründen inhaftierten IRA-Mitgliedern damit, die Forderung nach einem Status als politische Gefangene mit einer Reihe publikumswirksamer Widerstandsaktionen zu unterstreichen. Als verschiedene andere Verfahren nicht zu den gewünschten Verhandlungen sondern nur zu schlimmeren Repressalien führen, tritt eine Gruppe um den charismatischen Anführer Bobby Sands in den Hungerstreik. Mit tragischen Folgen.

Der Hunger rechtfertigt die Mittel im packenden Regiedebüt und Gewissensdrama des Namensvetters von Steve McQueen.
Als beeindruckende Geschichtslektion mit aktuellen Anspielungen auf den Krieg gegen den Terror führt das Regiedebüt des in Cannes mit der Caméra d'Or als Bester Erstlingsfilm ausgezeichneten Steve McQueen ins Jahr 1981 in den sechswöchigen Hunger- und Waschstreik der irischen Aktivisten im Maze Prison in Nordirland. McQueen widmet sein Werk, das wie eine forensische Studie funktioniert, dem Aktivisten Bobby Sands, überragend verkörpert von Michael Fassbender (Francois Ozons "Angel"). Sands war eine Schlüsselfigur der IRA, überzeugt von der Opposition gegen England, dem Glauben an ein vereintes Irland und dem mit Waffen geführten Kampf. Im Gefängnis benutzte er Körper und Leben als letztes Mittel und verlangte, als Kriegsgefangener behandelt zu werden. Das Schicksal von Sands inspirierte schon öfters Theater und Film, u.a. in "Some Mother's Son - Mütter & Söhne".
"Hunger" liefert einen bis zum letzten Kassiber lebendigen und bis zum letzten Exkrement detailgenauen Einblick in den, wegen seiner Form, H-Block genannten Gefangenentrakt des Maze Prison, wo die Inhaftierten sich weigern, Gefängniskleidung zu tragen und zu essen. Nur mit Handtüchern bekleidet und vollbärtige erinnern sie bald an Jesus-artige Knochengrippe. Währendessen schlagen und scheren die Wärter Köpfe. Für sie steht Raymond (Stuart Graham), der jeden Tag unter seinem Auto nach Bomben sucht und dessen blutig vernarbte Fingerknöchel nie heilen.
Zentrale Szene ist ein langes Gespräch zwischen Sands und Pater Dominic Moran (Liam Cunningham), bei dem die Kamera sich nicht bewegt und die einander am Tisch gegenübersitzenden Männer fixiert. Ein Ruhepunkt in der Halbzeit eines Films, der die lebende Hölle schildert, wo die mit Kot beschmierten Wände fast wie abstrakte Gemälde wirken. Da zeigt sich die visuelle Ausbildung des Turner-Preisträgers McQueen. Grandiose Bildkompositionen sind spürbar bei Schneefall, Reinigen des Korridors von Urinbächen und Sands' Agonie. Ein wuchtiger Film voll Power und Poesie, Pflichtprogramm für jedes politisch bewusste Arthouse-Kino. ger.
| Darsteller: | Michael Fassbender | als Bobby Sands | |
|---|---|---|---|
| Liam Cunningham | als Father Moran | ||
| Stuart Graham | als Ray Lohan | ||
| Laine Megaw | als Ray's Frau | ||
| Brian Milligan | als Davey | ||
| Liam McMahon | als Gerry | ||
| Karen Hassan | als Gerrys Freundin | ||
| Frank McCusker | als Direktor | ||
| Lalor Roddy | als William | ||
| Helen Madden | als Frau Sands | ||
| Des McAleer | als Herr Sands | ||
| Geoff Gatt | als Mann mit Bart | ||
| Rory Mullen | als Priester | ||
| Regie: | Steve McQueen | ||
| Drehbuch: | Enda Walsh | ||
| Steve McQueen | |||
| Produzent: | Laura Hastings-Smith | ||
| Robin Gutch | |||
| Ausf. Produzent: | Jan Younghusband | ||
| Peter Carlton | |||
| Linda James | |||
| Edmund Coulthard | |||
| Iain Canning | |||
| Kamera: | Sean Bobbitt | ||
| Schnitt: | Joe Walker | ||
| Musik: | David Holmes | ||
| Leo Abrahams | |||
| Produktionsdesign: | Tom McCullagh | ||
| Kostüme: | Anushia Nieradzik | ||
| Maske: | Jacqueline Fowler | ||
| Casting: | Gary Davy | ||
Sieht ganz danach aus, als hätte Hollywood ein neues Dreamteam.
Michael Fassbender ist auf dem besten Weg, einer der ganz Großen zu werden (Foto: Kurt Krieger)
Drei Jahre liegen zwischen "Hunger" und "Shame", den ersten beiden Filmen, die Michael Fassbender und Regisseur Steve McQueen miteinander gedreht haben. Zu viel vergeudete Zeit, dachten sich die zwei neuen Hollywood-Lieblinge, und machten gleich das nächste Filmprojekt fix. Anfang nächsten Jahres werden sie mit den Dreharbeiten zu "12 Years a Slave" beginnen, der schockierenden Lebensgeschichte von Solomon Northrup.
Northrup, ein New Yorker afro-amerikanischer Abstammung, wurde im Jahr 1841 gekidnappt und als Sklave in die Südstaaten verkauft. Chiwetel Ejiofor spielt die Hauptrolle des verheirateten Geigenspielers, der zwölf Jahre unter unmenschlichen Bedingungen auf Baumwollplantagen arbeiten musste und erst durch ein Gerichtsverfahren wieder in die Freiheit entlassen wurde. Welche Rolle Fassbender übernehmen wird, ist momentan noch ungeklärt. Produziert wird der Film von Brad Pitt und dessen Firma Plan B Entertainment.
Ebenso wie "Hunger" und "Shame" ist "12 Years a Slave" alles andere als leichte Kost. Die Schilderungen in Northrups 1853 veröffentlichter Autobiografie sind drastisch und brutal. Und so engagiert wie Fassbender und McQueen ihre bisherigen Projekte angegangen sind, dürfte auch dieser Film dem Zuschauer ordentlich unter die Haut gehen.
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