Originaltitel: Poulet aux prunes
Frankreich/Deutschland/Belgien 2011
Mathieu Amalric
Edouard Baer
Maria de Medeiros
Regie: Marjane Satrapi, ...
Verleih: Prokino (Fox)
Im Teheran des Jahres 1958 geht beim heftigen Streit zwischen dem begnadeten Geiger Nasser Ali und seiner Frau das wertvolle Instrument zu Bruch. Ein Moment, in dem auch seine Seele in tausend Stücke zerspringt. Er macht sich auf die Suche nach einem Ersatz, aber selbst die angeblich von Mozart stammende Stradivari kann ihn nicht trösten. Seine Violine bedeutet ihm das Leben, wenn er sie zum Klingen brachte, war er seiner großen und unerfüllten Liebe ganz nah, sie erfüllte sich in der Musik. Nun will er sterben und lässt die wichtigsten Ereignisse noch einmal Revue passieren.

Anrührende Tragikomödie aus dem Teheran der 1950er Jahre nach der Graphic Novel von Marjane Satrapi.
Mit dem ambitionierten Animationsfilm "Persepolis" gelang dem Regie-Duo Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud ein Riesenerfolg - neben dem Preis der Jury in Cannes gab es u.a. noch eine Oscar- und eine Golden Globe Nominierung. Erneut operieren die beiden nach dem gleichen System wie bei dem witzig-politischen Rückblick auf Satrapis Kindheit im Iran. Wieder geht es um Familie, diesmal um einen Großonkel, die bewährte Mischung aus Ernsthaftigkeit und Humor bleibt, auch die schwebenden Jasminblüten finden sich wieder, ein Kino in Teheran heißt gar Persepolis. Statt auf schwarz-weiß setzen sie auf exzessive Farbenpracht und bedienen damit die Märchenhaftigkeit der romantischen Geschichte, umgarnen Herz und Hirn.
Ihr erstes Live-Action-Movie mit nur wenigen animierten Sequenzen spielt im Teheran des Jahres 1958. Beim heftigen Streit zwischen dem begnadeten Geiger Nasser Ali (Mathieu Almaric mit leichtem Hang zum Overacting) und seiner Frau geht das wertvolle Instrument zu Bruch. Ein Moment, in dem auch seine Seele in tausend Stücke zerspringt. Er macht sich auf die Suche nach einem Ersatz, aber selbst die angeblich von Mozart stammende Stradivari kann ihn nicht trösten. Seine Violine bedeutet ihm das Leben, wenn er sie zum Klingen brachte, war er seiner großen und unerfüllten Liebe Irâne ganz nah, sie erfüllte sich in der Musik. Nun will er sterben und lässt die wichtigsten Ereignisse noch einmal Revue passieren. Unter den Augen des Todesengels Azrael entwickelt sich die Tragödie eines Mannes mit gebrochenem Herzen, der sich in Selbstzerstörung flüchtet.
In diversen Kapiteln begegnen sich in der Erinnerung Vergangenheit und Gegenwart, verbunden durch die Sehnsucht nach der Einzigen und dem ihm verwehrten Glück. Das harmonisch inszenierte Vor und Zurück passt sich dem Fluss der Erzählung an. Satrapi und Paronnaud verlassen den Rahmen des Realistischen und führen bei der Erkundung des Imaginären in eine längst vergangene und vergessene Epoche, in der die vom westlichen Stil beeinflusste Mittelschicht nach ihren traditionellen Moralcodices handelt. Das in Babelsberg rekonstruierte Teheran atmet eine diffuse und nostalgische Atmosphäre von Hoffnung, Aufbruch und Restriktion, wirkt durch die (manchmal farblich gewagten) Bildkompositionen von Christophe Beaucarne wie verwunschen. Großer Kitsch, aber unwiderstehlich schön. mk.
| Darsteller: | Mathieu Amalric | als Nasser-Ali | |
|---|---|---|---|
| Edouard Baer | als Azraël | ||
| Maria de Medeiros | als Faringuisse | ||
| Golshifteh Farahani | als Irâne | ||
| Eric Caravaca | als Abdi | ||
| Chiara Mastroianni | als Lili, erwachsen | ||
| Mathis Bour | als Cyrus | ||
| Enna Balland | als Lili | ||
| Didier Flamand | als Musiklehrer | ||
| Serge Avedikian | als Irânes Vater | ||
| Rona Hartner | als Soudabeh | ||
| Jamel Debbouze | als Houshang / Der Bettler | ||
| Isabella Rossellini | als Parvine | ||
| Regie: | Marjane Satrapi | ||
| Vincent Paronnaud | |||
| Drehbuch: | Marjane Satrapi | ||
| Vincent Paronnaud | |||
| Koproduzent: | Dr. Carl Woebcken | ||
| Christoph Fisser | |||
| Henning Molfenter | |||
| Dr. Torsten Poeck | |||
| Adrian Politowski | |||
| Gilles Waterkeyn | |||
| Ausf. Produzent: | Hengameh Panahi | ||
| Buchvorlage: | Marjane Satrapi | ||
| Kamera: | Christophe Beaucarne | ||
| Schnitt: | Stéphane Roche | ||
| Musik: | Olivier Bernet | ||
| Produktionsdesign: | Udo Kramer | ||
| Kostüme: | Madeleine Fontaine | ||
| Maske: | Nathalie Tessier | ||
| Ton: | Gilles Laurent | ||
Nach "Persepolis" wagen sich Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud an eine Real-Verfilmung von Satrapis Graphic Novel "Huhn mit Pflaumen", eine herzzerreißende Liebesgeschichte und gleichzeitig die Geschichte ihres Großonkels. Auch das nächste Projekt spielt "en famille".
Vom Animationsfilm zum Realfilm - ein großer Schritt?
MARJANE SATRAPI: Wir mussten quasi wieder bei null anfangen, das war eine ziemliche Umstellung und gleichzeitig der Kick an "Huhn mit Pflaumen". Allein der Wechsel vom Buch zum Film forderte uns heraus. Ich musste mich daran gewöhnen, dass die geschriebene Sprache eine ganz andere ist als die kinematografische. Ein interessierter Leser ist aktiv, der Zuschauer mehr passiv. Da muss man sich überlegen, wie man ihn packen und bei Laune halten kann. Ob die anrührenden oder humorigen Szenen aus dem Buch auf der Leinwand funktionieren, weiß man im Voraus nicht. Unsere langen Diskussionen führten dazu, dass wir am ersten Drehtag super vorbereitet am Set standen. Im Schneideraum haben wir dann noch einiges dazugelernt. Mir gefällt die Arbeit mit Schauspielern, diese Energie in der Luft. Ein Animationsfilm erinnert mich an einen Marathon, Realfilm mehr an mehrere Kurzstrecken. Da kommt man schon mal aus der Puste.
Würden Sie "Huhn mit Pflaumen" als Märchen einordnen?
Wo sonst stirbt ein Mann aus unerfüllter Liebe zur Frau? Fantasy interessiert uns mehr als Realität. Heute entblößen sich die Menschen seelisch in jeder dummen Talkshow. Ich vermisse das Geheimnis, die Poesie, die Imagination und den Sinn für Schönheit. Das alles wollten wir einfangen.
Ihr Film ist auch eine Liebeserklärung an das Teheran der Fünfziger- und Sechzigerjahre.
Eine Zeit, in der mein Volk an einen Wandel glaubte und von Demokratie träumte. Der Film handelt auch von dem, was wir verloren haben. Wir haben uns sehr viele Dokus angeschaut, um eine authentische Atmosphäre zu schaffen. Ende der Fünfzigerjahre war der Iran sehr westlich ausgerichtet.
Wie teilen Sie sich die Arbeit mit Ihrem Koregisseur auf?
Das Drehbuch entwickeln und schreiben wir zusammen, gehen die ganze Vorbereitung gemeinsam an. Am Set kümmere ich mich mehr um die Schauspieler und Vincent um Kameramann und Bildgestaltung. Manchmal zanken wir uns so richtig.
Ermöglichte der internationale Erfolg von "Persepolis" Ihnen mehr Freiheit?
Man traut uns jedenfalls filmisch etwas zu. Nur erwartete man nach "Persepolis" einen weiteren Animationsfilm, unsere neuen Vorstellungen stießen auf Skepsis. Es dauerte eine Weile, die Leute zu überzeugen. Natürlich eröffnen sich neue Chancen, ich muss nicht jeden Cent umdrehen. Aber Geld ist nicht alles. Wenn ich unglücklich bin, macht mich Geld nicht glücklicher, wenn ich glücklich bin, kann Geld helfen, das Glück zu steigern. Die Oscar-Nominierung sollte man nicht überbewerten, ein schickes Schaulaufen. Auf dem roten Teppich fanden wir es ganz toll, dass alle Kameras auf uns gerichtet waren, und plötzlich merkte ich, nicht wir waren im Fokus, sondern John Travolta. Das war ziemlich ernüchternd und brachte uns auf den Boden der Tatsachen zurück.
Was hat Priorität - Bücher oder Film?
Die Bücher möchte ich nicht ganz aufgeben, aber nicht mehr unbedingt fürs Kino adaptieren. Filmemachen hat Priorität für uns. Jetzt warten wir ab, wie "Huhn mit Pflaumen" läuft. Dann gehen wir das nächste Projekt an.
Um was handelt es sich da?
Ich finde immer neue Themen in meiner großen Familie, niemand führt ein normales Leben, überall nur Chaos. Da geht mir der Stoff erst mal nicht aus.
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