Martin Scorseses erster Kinderfilm und erster Film in 3D: Das zwölfjährige Waisenkind Hugo, das in den Mauern einer Pariser Metrostation lebt, wird aus seiner Anonymität gerissen, als er ein Mädchen kennenlernt und diversen Geheimnissen auf die Spur kommt. http://images.kino.de/flbilder/max12/auto12/auto02/12020209/b150x150.jpg Hugo Cabret

Filmdetails

Hugo Cabret 3D-Kino

Martin Scorseses erster Kinderfilm und erster Film in 3D: Das zwölfjährige Waisenkind Hugo, das in den Mauern einer Pariser Metrostation lebt, wird aus seiner Anonymität gerissen, als er ein Mädchen kennenlernt und diversen Geheimnissen auf die Spur kommt.


Hugo Cabret
Start: 09.02.2012

Originaltitel: Hugo

Drama / Fantasy

USA 2011
Laufzeit: 126 Min.
FSK: ab 6 Jahre

Sir Ben Kingsley
Sacha Baron Cohen
Asa Butterfield

Regie: Martin Scorsese
Verleih: Paramount

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Inhalt

Anfang der Dreißigerjahre hilft Hugo seinem trunksüchtigen Onkel als Gehilfe dabei, sämtliche Uhren des Pariser Bahnhofs zu warten. Er lebt quasi auf sich allein gestellt in dem labyrinthartigen Gebäude und hält sich mit kleineren Diebereien über Wasser. Dort lernt er auch den schwermütigen Ladenbesitzer Georges Méliès und dessen Patenkind Isabelle kennen. Deren Halskette mit einem herzförmigen Schlüssel kann den antiken Roboter seines verstorbenen Vaters zum Laufen bringen. Und auch Méliès scheint ein Geheimnis mit sich herumzutragen.


Kritik

Hugo Cabret

Ausnahmeregisseur Martin Scorsese macht seinen ersten Abstecher in sowohl Familienunterhaltung als auch 3D-Format und gestaltet dies visuell virtuose Verbeugung vor der frühen Filmgeschichte.

Als Vorlage für die Drehbuchadaption diente John Logan ("Aviator" und "Sweeney Todd") Brian Selznicks Bestseller-Bilderroman "The Invention of Hugo Cabret". Der Protagonist ist ein zwölfjähriger Waisenjunge namens Hugo (Asa Butterfield aus "Der Junge im gestreiften Pyjama"), der Anfang der Dreißigerjahre innerhalb des labyrinthartigen Pariser Bahnhof Montparnasse Gare lebt. Dort landet er, als er nach dem Tod seines Vaters für seinen trunksüchtigen Onkel als Gehilfe für die Wartung sämtlicher Bahnhofsuhren arbeiten muss. Alsbald ist Hugo traditioneller Charles-Dickens-Manier gemäß vollkommen auf sich allein gestellt und hält sich mit kleinen Diebereien über Wasser. Auf diese Weise macht der einsame Junge Bekanntschaft mit dem schwermütigen Ladenbesitzer Georges Méliès (Ben Kingsley geht ganz in der Rolle des tragischen Filmpioniers auf), dessen tatsächliche Identität eines der Geheimnisse ist, die es für Hugo zu entdecken gilt. Desweiteren strebt der technisch hochbegabte Junge den antiken Roboter seines verstorbenen Vaters wieder zum Funktionieren zu bringen. Nur ein herzförmiger Schlüssel kann das Rätsel entschlüsseln - und genau so einen trägt ausgerechnet Melies' Patenkind Isabelle ("Kickass"-Göre Chloe Grace Moritz) an ihrer Halskette. Die beiden Kinder freunden sich schnell an und gehen Melies aufregender Lebensgeschichte gemeinsam auf den Grund. Gleichzeitig ist Hugo gezwungen sich vor dem Bahnhofsinspektor (Sacha Cohen Baron in einem slapstickhaften Part) zu verstecken, um nicht ins Waisenhaus gesteckt zu werden.

Scorsese läuft mit dieser bezaubernden Familienfantasie zu neuer Höchstform auf, was bereits eingangs mit einer atemberaubend langen Kamerafahrt über die Dächer von Paris hinein in die Bahnstation belegt wird. Dies ist lediglich der Auftakt für ein nahezu konstant aufrecht erhaltenes visuelles Feuerwerk, das meisterhaft 3D und CG-Effekte integriert. Tiefsatte Farben sowie ein ausgefeiltes Licht- und Schattenspiel kreieren ein märchenhaftes Ambiente, in dem auch Dante Ferrettis originelles Produktionsdesign besonders gut zur Geltung kommt. Die passend emotionale musikalische Untermalung wird von Howard Shore beigesteuert, der bereits die "Herr der Ringe"-Trilogie mit zeitlosen Klängen versah. Zeitlos ist auch Scorseses Verehrung für die Pioniere des Films. Neben seiner detaillierten Hommage an den hyperkreativen Méliès, die eine Rekreation dessen berühmten Trickfilms "Die Reise zum Mond" und eine Rekonstruktion seines Kinotheaters umfasst, verneigt sich der Oscargewinner direkt oder indirekt vor einer Reihe der Schrittmacher der Filmgeschichte. So zeigt Scorsese einen Ausschnitt aus dem Zug-Film der Lumiere Brüder und die berühmte Uhr-Szene aus "Ausgerechnet Wolkenkratzer" mit Harold Lloyd, die er später nachstellt. Uhren und Getriebe sind ein dominantes Motiv in dieser fantasiereichen Fabel voller Verlust, Sehnsucht und Hoffnung, die darauf hindeuten, dass es für den Protagonisten letztlich darum geht, seinen Platz im Lebensgetriebe zu finden. ara.

Hugo Cabret

Darsteller:  Sir Ben Kingsley   als Georges Méliès
  Sacha Baron Cohen   als Stationsvorsteher
  Asa Butterfield   als Hugo Cabret
  Chloë Grace Moretz   als Isabelle
  Ray Winstone   als Onkel Claude
  Emily Mortimer   als Lisette
  Helen McCrory   als Mama Jeanne
  Christopher Lee   als Monsieur Labisse
  Michael Stuhlbarg   als René Tabard
  Frances de la Tour   als Madame Emilie
  Richard Griffiths   als Monsieur Frick
  Jude Law   als Hugos Vater
 
Regie:  Martin Scorsese  
Drehbuch:  John Logan  
Produzent:  Martin Scorsese  
  Johnny Depp  
  Tim Headington  
  Graham King  
Ausf. Produzent:  Emma Tillinger  
  David Crockett  
  Georgia Kacandes  
Buchvorlage:  Brian Selznick  
Kamera:  Robert Richardson  
Schnitt:  Thelma Schoonmaker  
Musik:  Howard Shore  
Produktionsdesign:  Dante Ferretti  
  Francesca Lo Schiavo  
Kostüme:  Sandy Powell  
Ton:  Philip Stockton  
  Eugene Gearty  
  Tom Fleischman  
  John Midgley  
Casting:  Ellen Lewis  

Oscars: "The Artist" und Meryl Streep große Sieger

Ich habe einen Oscar! Ich … ich habe meine Dankesrede vergessen!

Großansicht Von der Academy mehrfach gewürdigt: Das Stummfilm-Kunstwerk "The Artist" und Meryl Streeps "Die Eiserne Lady". (Foto: ©A.M.P.A.S)

Von der Academy mehrfach gewürdigt: Das Stummfilm-Kunstwerk "The Artist" und Meryl Streeps "Die Eiserne Lady". (Foto: ©A.M.P.A.S)

Regisseur Michel Hazanavicius ging es wie den Helden seines Films - er war sprachlos! Sein Filmkunstwerk "The Artist" um eine Liebe in den letzten Tagen des Stummfilms ist von der Academy überraschend mit 5 Oscars zum meistprämierten Film gekürt worden - darunter Preise in allen drei "Königskategorien": Bester Film, Beste Regie und Bester Hauptdarsteller!

Doch der Franzose mit litauischen Vorfahren fand seine Sprache bald wieder, hielt eine überschwängliche Dankesrede und endete mit Worten, so poetisch wie sein Filmkunstwerk: "Im Film geht es um das Leben. Und an manchen Tagen ist das Leben wunderbar. Heute ist solch ein Tag. Danke! Danke!"

Ebenfalls fünf Oscars gingen an Martin Scorseses Verfilmung des Kultkinderbuchs "Hugo Cabret". Allerdings gab's die Goldjungs ausnahmslos in Bereichen, die in Hollywood eher zu den Nebenkategorien gezählt werden: Kamera, Visual Effects (hier stach man etwas überraschend den Blockbuster "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2" aus), Ausstattung, Ton und Tonschnitt. Damit war Martin Scorsese eher einer der Verlierer des Abends.

Die Veteranin als heulender Backfisch

Ganz anders Academy-Liebling Meryl Streep. Auch sie hatte zu den Oscar-Favoriten gezählt, doch ihr Traum erfüllte sich auch: Streeps fast schon gespenstisch gute Leistung als britische Ex-Premierministerin Margaret Thatcher in "Die Eiserne Lady" brachte ihr bei der siebzehnten (!) Nominierung erwartungsgemäß endlich den dritten Oscar nach "Kramer gegen Kramer" und "Sophies Entscheidung".

Überraschenderweise verlor die Veteranin auf der Bühne des Kodak Theatre nach einem launigen Einstieg in ihre Dankesrede ("Ganz Amerika denkt sich jetzt 'Oh nein, nicht sie schon wieder'"!) komplett die Fassung und brach - unter stehenden Ovationen - in Tränen aus: "Ich werde wahrscheinlich nicht noch einmal hier oben stehen, also danke an Euch alle!" Trotz ihrer überragenden mimischen Leistung dankte Meryl Streep auch ihren Maskenbildnern, die ebenfalls einen Oscar erhielten.

Charmanter Franzose, geschasste US-Superstars

Kollege Jean Dujardin, der als Stummfilmstar in "The Artist" wirklich alle darstellerischen Register zieht, machte es dagegen kurz: "Ich liebe Euer Land!", schmeichelte er französisch-charmant dem Auditorium in Los Angeles, das eher mit George Clooney als Sieger für seine Rolle als überforderter Vater in "The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten" gerechnet hatte. Clooney durfte sich aber zumindest über einen Drehbuch-Oscar für "The Ides of March" freuen.

Eine herbe Enttäuschung war die Oscar-Verleihung sowohl für Steven Spielbergs Kriegspferd-Epos "Gefährten" wie auch "Moneyball" mit Brad Pitt als revolutionärem Baseball-Coach. Trotz sechs Nominierungen gingen beide Filme komplett leer aus -weil in den entsprechenden Kategorien zumeist entweder "Hugo Cabret" oder "The Artist" punkteten.

Lange Gesichter in Deutschland

Auch aus deutscher Sicht boten die 84. Academy Awards keinen Grund zum Feiern. Für den Auslands-Oscar war der deutsche Vorschlag "Pina" gar nicht erst nominiert worden, hier machte erwartungsgemäß erstmals ein iranischer Beitrag das Rennen, "Nader und Simin - Eine Trennung". Aber als beste Doku war Wim Wenders' lyrisches 3D-Juwel um das Schaffen der verstorbenen Choreographie-Legende Pina Bausch nominiert und als Sieg-Kandidat gehandelt worden. Hier machte aber der US-Beitrag "Undefeated" um den Aufstieg eines erfolglosen Football-Teams das Rennen.

Die deutsche Kostümbildnerin Lisy Christl ("Anonymus") musste sich den Oscar-Abonnenten Dante Ferretti und Francesca Lo Schiavo für "Hugo Cabret" geschlagen geben und der deutsche Kurzfilm "Raju" zog gegen "The Shore" um eine Freundschaft im Nordirlandkonflikt den Kürzeren. Zumindest waren aber die deutschen Effektkünstler Alex Henning und Ben Grossmann von der Frankfurter Firma Pixomondo am Visual-FX-Oscar für "Hugo Cabret" beteiligt.

82 Jahre Übung für eine Dankesrede

Als ältester Schauspieler aller Zeiten gewann Christopher Plummer einen Oscar als Nebendarsteller in "Beginners". Der 82-Jährige erlebt im Film von Mike Mills zum Erstaunen seines Sohnes (Ewan McGregor) ein spätes Coming Out. Die Dankesrede des Veteranen zählte zu den absoluten Highlights der diesjährigen Academy Awards. Mit Blick auf die Oscar-Statue in seinen Händen begann Christopher Plummer:

"Mann, Du bist nur zwei Jahre älter als ich, wo warst Du nur die ganze Zeit?!?" Dann wandte er sich ans Publikum: "Wisst ihr, schon als ich aus der Gebärmutter meiner Mutter kam, habe ich diese Dankesrede einzuüben begonnen. Zu Eurem Glück ist das jetzt so lange her, dass ich sie inzwischen vergessen habe. Also: Danke!"

Feucht wie einst Halle Berry

Den Preis für die beste weibliche Nebenrolle überreichte Batman Christian Bale an Octavia Spencer, die in "The Help" eine mutige schwarze Haushaltsgehilfin spielt. Die Gewinnerin nutzte die Chance für einen Flirt: "Danke, dass ihr mich neben den heißesten Typen im Raum gestellt habt!" Spencers Dankesrede ersoff dann aber fast komplett in einer Tränenflut, die Halle Berry alle Ehre machte. Die letzten Worte "Danke… Welt!" konnte man nur noch erahnen.

Zum besten Animationsfilm wurde erwartungsgemäß "Rango" gekürt - eine besondere Genugtuung für Regisseur Gore Verbinski, der in Hollywood wegen seiner drei "Fluch der Karibik"-Filme als Popcorn-Filmemacher verschrien gewesen war. Er dankte überschwänglich Johnny Depp, der im Original dem titelgebenden Wildwest-Chamäleon seine Stimme leiht.

Trapez- und Sprach-Akrobatik

Als großes Highlight war eine Performance der legendären Artisten des Cirque du Soleil angekündigt worden - auch, weil mit 50 Künstlern die größte Truppe für einen Einzelauftritt der Truppe bereit stand. Die Hommage an Filmklassiker wie Hitchcocks "Verdacht" oder "King Kong" wirkte aber recht konventionell, trotz hoch in der Kuppel des Kodak Theatre schwebender Trapeze.

Erwartet souverän agierte Moderator Billy Crystal, der nur Notnagel war, nachdem das eigentlich vorgesehene Duo von Moderator Eddie Murphy und Produzent Brett Ratner wegen rassistischer Entgleisungen Ratners gehen musste. So kündigte Crystal den von seiner Krebserkrankung sichtbar erholten Michael Douglas als Präsentator für den Regie-Oscar mit den Worten an: "He occupied Wall Street, long before that was cool - Er besetzte die Wall Street, lange bevor das als cool galt!"

Und Crystal, der schon zum neunten Mal Oscar-Gastgeber war, lieferte den besten Trost für alle Verlierer des Abends, indem er die Bedeutung der Preisverleihung mit den ironischen Worten relativierte: "Nichts lenkt einen besser von den Wirtschaftskrisen in aller Welt ab, als einem Haufen Millionäre dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig goldene Statuen in die Hand drücken…"

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