Isabelle Huppert
Olivier Gourmet
Adélaïde Leroux
Regie: Ursula Meier
Verleih: Arsenal (Filmagentinnen)
Marthe und Michel leben mit ihren drei Kindern direkt an einer stillgelegten Autobahn. Als dort plötzlich wieder Lastwagen und Autos vorbeidonnern, ist es vorbei mit der beschaulichen Idylle. Doch die Familie will ihr Heim partout nicht verlassen, ist fest entschlossen, dem ewigen Lärm und Dreck zu trotzen und tagtäglich die anstrengenden oder lebensgefährlichen Überquerungen durch einen Tunnel oder über die Autobahn zu wagen. Jeder der fünf leidet auf seine eigene Weise und entwickelt Ticks.

Zehn Jahre lebt eine Familie in einem Häuschen an einer stillgelegten Autobahn. Als auf der wieder die Autos rollen, ist es aus mit der Idylle an der Leitplanke.
Es wirkt kafkaesk. Da steht mitten auf der leeren Autobahn ein Sessel, die Leitplanke dient als Schuhablage, daneben wird ein Pool gebaut und ein junges Mädchen aalt sich auf dem Liegestuhl. Wenn die Kinder zur Schule gehen, Freunde besuchen oder einkaufen, überqueren sie die ruhige Autobahn. Marthe (Isabelle Huppert) und Michel (Olivier Gourmet) machen es sich mit den drei Kindern gemütlich in ihrem einsamen Haus und der frei gewählten Isolation. Home sweet Home. Doch dann der Schock: Die Bauarbeiten werden nach einer Dekade wieder aufgenommen und bald donnern Lastwagen und Pkws nur wenige Meter entfernt vorbei. Durch einen Tunnel müssen die Familienmitglieder auf die andere Seite kriechen oder nachts unter Todesgefahr über die Verkehrsader flitzen. Die Familie muss Dreck, Abgase und Lärm, bei Stau Abfallberge im Vorgarten ertragen, irgendwann liegen die Nerven blank, das friedliche Familienleben entwickelt sich zur Hölle.
In Ursula Meiers preisgekröntem ersten Langspielfilm ist der Zuschauer mit einem fast unverständlichen und unvermeidlichen Willen konfrontiert, sich an die Lebensumstände anzupassen und an lieben Gewohnheiten festzuhalten, in der Hoffnung auf andauernde familiäre Harmonie. Da steht eine zusammengeschweißte Schicksalsgemeinschaft vor dem Zerbrechen. Jedes Familienmitglied leidet auf seine spezifische Weise; emotionale Ausbrüche, Abkapseln von den anderen und stiller individueller Wahnsinn wechseln sich ab, bis auf eine Situation nimmt die Kamera die Perspektive der Familie ein, die Autobahn mit den Fahrzeugen wird zur Projektionsfläche von Ängsten und Neurosen. Ein wichtiges Stilmittel bildet die Tonspur mit der Vielzahl der Geräusche auf der Autobahn, die im Verlauf der Handlung immer mehr anschwellen, eine brutale Melodie des Lärms, die sukzessive die Macht über die Kommunikation am Küchentisch erringt. Zwischen Absurdität, schwarzem Humor und Psychodrama pendelt der Film bis zum Ende, wo die Protagonisten die "Huis clos"-Stituation verlassen und aufbrechen, wohin auch immer. Die Schweizerin, Regieassistentin bei Alain Tanner, schafft es, Schwere und Schwerelosigkeit geschickt zu kombinieren, lässt auch kleine Ausbrüche zu, die einen Moment des Glücks vorgaukeln. mk.
| Darsteller: | Isabelle Huppert | als Marthe | |
|---|---|---|---|
| Olivier Gourmet | als Michel | ||
| Adélaïde Leroux | als Judith | ||
| Madeleine Budd | als Marion | ||
| Kacey Mottet Klein | als Julien | ||
| Renaud Rivier | als Copain Julien 1 | ||
| Kilian Torrent | als Copain Julien 2 | ||
| Nicolas Del Sordo | als Copain Julien 3 | ||
| Regie: | Ursula Meier | ||
| Drehbuch: | Ursula Meier | ||
| Antoine Jaccoud | |||
| Raphaëlle Valbrune | |||
| Gilles Taurand | |||
| Olivier Lorelle | |||
| Produzent: | Denis Delcampe | ||
| Denis Freyd | |||
| Elena Tatti | |||
| Thierry Spicher | |||
| Kamera: | Agnès Godard | ||
| Schnitt: | Susana Rossberg | ||
| François Gédigier | |||
| Nelly Quettier | |||
| Produktionsdesign: | Ivan Niclass | ||
| Kostüme: | Anne Van Brée | ||
| Maske: | Danièle Vuarin | ||
| Ton: | Luc Yersin | ||
| Franco Piscopo | |||
| Casting: | Brigitte Moidon | ||
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