
Am Ende der Geschichte sind es insgesamt fünf Todesfälle. Und doch ist diese Adaption des zweiten Polonius-Fischer-Romans von Friedrich Ani alles andere als spekulativ oder gar blutrünstig: Erneut ist Matti Geschonneck große stille Krimikunst gelungen.
Bei Friedrich Ani ist der Tod ein eher stiller Teilhaber. Das Grauen schleicht sich unmerklich an, setzt sich dann aber um so wirkungsvoller fest. Kein Wunder, dass München mit seinen repräsentativen Fassaden der perfekte Schauplatz für die Krimis ist. Geschickt treibt Drehbuchautorin Hannah Hollinger diesen Gegensatz auf die Spitze, indem sie die Handlung des Ani-Romans "Hinter blinden Fenstern" aus dem sozialen Wohnungsbau in eine gutbürgerliche Stadtrandsiedlung verlegt. Hier haben Männer einen Verein gegründet, um in ihrem Viertel als "achtsame Mitmenschen" ein Auge auf die Umgebung zu haben. Allein dieser Einfall ist schon bittere Ironie, wie der Titel "Hinter blinden Fenstern" nahe legt.
Naturgemäß hat sich Hollinger bei der Adaption einige Freiheiten genommen. Dafür macht die behutsame Inszenierung Matti Geschonnecks um so deutlicher, wie dünn der Firnis ist, mit dem die Figuren der Handlung ihre düsteren Seiten kaschieren. Ausgangspunkt ist die Ermordung einer jungen Frau (Bernadette Heerwagen) im Olympiapark; kurz darauf wird ein toter Obdachloser bei den Müllcontainern ihres Wohnhauses gefunden. Nacheinander knöpfen sich die Mitglieder der Mordkommission die Hausbewohner vor, ausnahmslos Menschen, die ein Leben in stiller Verzweiflung führen; die einen tun es offenkundig, die anderen machen sich noch was vor. Dem analytischen Blick von Polonius Fischer aber, dem einstigen Mönch, den Hanns Zischler angemessen melancholisch verkörpert, entgeht nichts. In langen, nur durch wenige Schnitte unterbrochenen Monologen (Kamera: Carl F. Koschnick) reden sich die Leute um Kopf und Kragen; und das mitunter, ohne es zu merken.
Zischler führt in dieser Verfilmung von Anis zweitem Fischer-Roman ein bemerkenswertes Ensemble an. Den Schauspielern gelingt das Kunststück, eigentlich schillernde Figuren so zurückgenommen zu verkörpern, dass sie beinahe unscheinbar wirken. Maja Maranow zum Beispiel macht sich ganz klein als Nachtclub-Besitzerin mit Vorgeschichte. Die ermordete Joggerin war ihre Teilhaberin, beste Freundin und vielleicht sogar mehr als das. Jürgen Tarrach spielt einen arbeitslosen Seriendarsteller, der sich verbittert hinter seine geschlossenen Läden zurückgezogen hat. Aber die gruseligsten Gestalten in der Runde sind die Eheleute Soltenbusch, großartig gespielt von Johann Adam Oest und Johanna Bittenbinder. Gerade der Gatte repräsentiert die unangenehme Spezies jener "achtsamen Mitmenschen", die den Nachbarn hinterher schnüffeln, aber wegschauen, wenn Hinschauen und Eingreifen gefragt wäre. tpg.
| Darsteller: | Hanns Zischler | als Polonius Fischer | |
|---|---|---|---|
| Lisa Maria Potthoff | als Liz Sinkel | ||
| Sissy Höfferer | als Ann-Kristin Seeliger | ||
| Maja Maranow | als Clarissa Weberknecht | ||
| Bernadette Heerwagen | als Dinah Schmidt | ||
| Jürgen Tarrach | als Herr Madaira | ||
| Johann Adam Oest | als Rupert Soltersbusch | ||
| Johanna Bittenbinder | als Anita Soltersbusch | ||
| Adolfo Assor | als Josef Nest | ||
| Branko Samarovski | als Bert Gregorian | ||
| Stephan Zinner | als Georg Ohnmus | ||
| Thomas Limpinsel | als Dr. Justus Dornkam | ||
| Rainer Bock | als Neidhard Moll | ||
| Klaus Ofczarek | als Sylvester Wenningstedt | ||
| Anna Hausburg | |||
| Thomas Loibl | als Arthur Fallnik | ||
| Regie: | Matti Geschonneck | ||
| Drehbuch: | Hannah Hollinger | ||
| Produzent: | Reinhold Elschot | ||
| Buchvorlage: | Friedrich Ani | ||
| Kamera: | Carl-Friedrich Koschnick | ||
| Musik: | Jürgen Ecke | ||
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