Originaltitel: Hidalgo
USA 2004
Viggo Mortensen
Omar Sharif
Adam Alexi-Malle
Regie: Joe Johnston
Verleih: Buena Vista
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählt der Halbindianer und Postkurier Frank T. Hopkins (Viggo Mortensen) auf seinem höchst eigenwilligen Pferd Hidalgo zu den zuverlässigsten Langdistanzreitern der Vereinigten Staaten. Ihre definitive Bewährungsprobe erleben Hengst und Herrchen jedoch auf der anderen Seite der Erdkugel, wo sich Hopkins im Pferderennen "Ocean of Fire", das sich über 3000 Meilen erstreckt, einen persönlichen Traum erfüllen will.
Joe Johnston, zuverlässiger Lieferant für familiengerechtes Abenteuerkino von "Rocketeer" bis "Jurassic Park III", entführt den Zuschauer auf einen bildgewaltigen Abenteuerurlaub in die Sahara.
Aus dem Wilden Westen in die Hölle des Orients: ein Mann und sein Pferd auf einem unglaublichen Trip in einem bildgewaltigen Abenteuer.
Aus Mittelerde in die Spuren des Lawrence von Arabien: Viggo Mortensen als legendärer Reiter (Foto: Buena Vista)
Es gibt Abenteuer im Leben, die sind noch viel aufregender als Kino. Dazu gehört die Geschichte des Frank Hopkins, der um 1890 mit seinem Hengst Hidalgo ein 3000-Meilen-Rennen durch die Sahara gewonnen haben soll. Kein Wunder, dass aus seinen Erlebnissen jetzt ein großer Hollywood-Film geworden ist.
Mit unbändiger Erzähllust breitet "Hidalgo" das Panorama eines einzigartigen Lebens aus: Im amerikanischen Westen wird Frank Hopkins Zeuge der Unterdrückung der Indianer. In seinem Job als Kurierreiter stellt er unwissentlich den Befehl für ein Massaker an den Sioux zu.
Selbst ein Halbindianer, versucht er seine eigene Herkunft und schlechtes Gewissen zu verleugnen und stürzt sich in den Suff. Sein Ruhm als größter Langstreckenreiter der USA beginnt zu verblassen, als er ein unglaubliches Angebot erhält: gegen die besten arabischen Reiter im legendären Rennen Ocean of Fire anzutreten.
Erst lehnt er ab, doch dann sieht er eine Chance, seiner indianischen Herkunft endlich gerecht zu werden: Die Armee droht die Pferde seiner Stammesgenossen zu töten, es sei denn, jemand kann den Kaufpreis bezahlen.
Als Gewinner des Rennens wäre Hopkins dazu imstande. Aber erstmal landet er in einer völlig fremden Welt, voll stolzer Araber, die auf den unzivilisierten Cowboy mit Verachtung herabsehen. Doch mit jedem Tag des Rennens durch mörderische Hitze und tödliche Sandstürme, verdient er sich mehr Respekt.
Als er in einem Indiana-Jones-reifen Zwischenspiel sogar noch die entführte Tochter eines Scheichs rettet, ist er der Held des Tages. Aber auch das Rennen selbst wird von Etappe zu Etappe aufreibender, denn einige Teilnehmer spielen falsch...
Ein Film über einen großen Wüstenritt beschwört natürlich den Vergleich mit Klassikern wie "Lawrence von Arabien" herauf. Tatsächlich gelingt es Kamerafrau Shelly Johnson, die gefährliche Schönheit der Wüste in grandiosen Bildern einzufangen.
Sie und Regisseur Joe Johnston ("Jumanji") zeigen Gespür für die feinen Nuancen dieser historischen Welten, anstatt sie mit dem Weichzeichner zuzukitschen. Drehbuchautor John Fusco, der sich schon mit "Spirit" als Experte für Pferdeabenteuer zeigte, ist es zu verdanken, dass aus "Hidalgo" kein hurrapatriotisches Pamphlet wurde.
Stattdessen zeigt der Film einen modernen Amerikaner, der sich selbst reflektiert und in der Begegnung mit fremden Kulturen Inspiration sucht. Dafür konnte es keinen passenderen Darsteller geben als Viggo Mortensen, der als Aragorn in "Herr der Ringe" einen neuen Typ des nachdenklichen Helden prägte.
Wird Frank das gefährliche, über 3000 Meilen führende Pferderennen "Ocean of Fire" gewinnen? (Foto: Buena Vista)
Einerseits strahlt er Sensibilität aus, andererseits ist er von seiner Physis her der ideale Actionstar. Sein Spiel wird ideal ergänzt von der überschwänglichen Emotionalität des Omar Sharif in der Rolle des Scheich Riyadh.
So bietet "Hidalgo" eine Ladung, die für zehn Filme reichen würde: Pferderomantik, exotische Abenteuer, historisches Flair, ungewöhnliche Charaktere und den Hauch von Liebe. Was will man mehr vom Kino?
| Darsteller: | Viggo Mortensen | als Frank T. Hopkins | |
|---|---|---|---|
| Omar Sharif | als Scheich Riyadh | ||
| Adam Alexi-Malle | als Aziz | ||
| Zuleikha Robinson | als Jazira | ||
| Louise Lombard | als Lady Anne Davenport | ||
| Saïd Taghmaoui | als Prinz Bin Al Reeh | ||
| Adoni Maropis | als Sakr | ||
| Elizabeth Berridge | als Annie Oakley | ||
| Frank Collison | als Texas Jack Omohundro | ||
| Peter Mensah | als Jaffa | ||
| J.K. Simmons | als Buffalo Bill Cody | ||
| Silas Carson | als Katib | ||
| Harsh Nayyar | als Yusef | ||
| Floyd Westerman | als Häuptling Eagle Horn | ||
| Victor Talmadge | als Rau Rasmussen | ||
| Jerry Hardin | als Nate Salisbury | ||
| C. Thomas Howell | als Preston Webb | ||
| Joshua Wolf Coleman | als Der Kurde | ||
| Steve Rimkus | als Leutnant | ||
| Chris Owen | als Soldat | ||
| Regie: | Joe Johnston | ||
| Drehbuch: | John Fusco | ||
| Produzent: | Casey Silver | ||
| Koproduzent: | Patricia Carr | ||
| Ausf. Produzent: | Don Zepfel | ||
| Kamera: | Shelly Johnson | ||
| Schnitt: | Robert Dalva | ||
| Musik: | James Newton Howard | ||
| Produktionsdesign: | Barry Robison | ||
| Troy Sizemore | |||
| Aurelio Crugnola | |||
| Kevin Constant | |||
| Luigi Quintili | |||
| Kostüme: | Jeffrey Kurland | ||
| Ton: | Mary Ellis | ||
| Casting: | Nancy Foy | ||
Als König Aragorn hat er seinen Platz auf dem Olymp der Filmgeschichte für alle Zeiten sicher. Doch das Multitalent Viggo Mortensen ist noch nicht zufrieden: Der Schauspieler, Poet, Musiker, Fotograf und Verleger aus Leidenschaft schwingt sich in "Hidalgo - 3000 Meilen zum Ruhm" erneut auf einen Pferderücken, um nach einer wahren Geschichte ein Langstreckenrennen zu bestreiten. Aber dem Menschen Mortensen geht es dabei um viel mehr...
» Sie haben nicht nur das Schwert Anduril aus "Der Herr der Ringe" gekauft, sondern jetzt auch T.J., ihr Filmpferd aus "Hidalgo". Wie geht's ihm?
VIGGO MORTENSEN: Er ist glücklich, gesund und richtig dick geworden.
» Haben Sie überhaupt Zeit für ein Pferd?
Klar, zur Premiere in L.A. habe ich T.J. einfach mitgenommen und bin über den Roten Teppich geritten. Das war toll. Es war allerdings ein recht anspruchsvoller Ritt, weil es an dem Tag wie aus Kübeln gegossen hat.
» Die Verantwortlichen waren da sicher nicht so begeistert...
Naja, anfangs war die Idee eigentlich nur als Scherz gemeint. Schließlich haben der Pferdetrainer Rex Peterson und ich es dann doch ernsthaft vorgeschlagen. Wann sieht man schließlich mal einen Schauspieler auf einem Pferd über den Hollywood Boulevard zur Premiere reiten? Die Journalisten waren echt geschockt, damit hatten sie absolut nicht gerechnet.
» Hatten Sie für die Reitszenen im Film einen Stuntman?
Klar, das verlangt schon die Versicherung. Er heißt Mike Watson und ist wirklich großartig. Aber nachdem ich gut reiten kann und schon als Junge angefangen hatte, durfte ich sehr viel selbst machen. Es gibt eine Szene, als Frank Hopkins von einer Mauer auf sein Pferd springt, die ich selbst drehen wollte - da konnte ich mich leider nicht durchsetzen. Aber selbst als wir die Anschlussszene filmten, für die ich nur von geringer Höhe in den Sattel sprang, hatten wir viel Glück, dass wir nicht verletzt wurden. Das Pferd ging nämlich durch und setzte über eine Ziegelwand - es landete auf der anderen Seite mitten in Kameras und Scheinwerfern.
» Haben Sie die Dreharbeiten am Ende unbeschadet überstanden?
Ja, mit "Hidalgo" hatte ich da wirklich Glück: Ich wurde nur ein paar mal beim Reiten ohne Sattel abgeworfen, aber nichts Schlimmes. Bei "Der Herr der Ringe" hat sich jeder mal etwas gebrochen. Das war einfach ein verdammt langer Dreh und jeden Tag gab es Action-Szenen - da erhöht sich schlicht die Wahrscheinlichkeit, dass etwas schief geht.
Bei "Hidalgo" hat es einen Stuntman erwischt, als wir den Start des großen Rennens in Marokko gedreht haben. Er wurde von einem Hengst überrannt und hat sich dabei das Genick gebrochen. Das Unglaubliche war: Er erholte sich im Krankenhaus und als wir fünf Monate später Nachdrehs filmten, war er schon wieder dabei!
Die Gefährten als Premierengäste: Dominic "Merry" Monaghan und Elijah "Frodo" Wood (Foto: Buena Vista)
» Das Pferd Hidalgo wurde von fünf verschiedenen Pferden gespielt...
Ja, weil die Belastung des Drehs für ein einzelnes Tier zu groß wäre. Aber bei den Großaufnahmen sieht man immer T.J., weil er so ausdrucksvolle Augen hat. Die anderen vier Pferde wurden geschminkt, damit sie dieselbe Zeichnung wie T.J. im Fell hatten. Es war ein ziemlich seltsamer Anblick, wenn am Morgen einer von den Makeup-Jungs mit Airbrush an den Tieren herumfuhrwerkte und T.J.'s Fell kopierte. T.J. war wirklich ein außergewöhnlicher Glücksfall und für den Film genauso wichtig wie Omar Sharif.
» Wie war die Arbeit mit einer Filmlegende wie ihm?
Großartig, lehrreich und sehr unterhaltsam. Er ist hochintelligent und hat ein unglaublich gutes Gedächtnis. Es war spannend, seine Geschichten zu hören und von seinen Erfahrungen zu profitieren: Wie es war, als erster Ägypter in einem Hollywoodfilm zu spielen und mit "Lawrence von Arabien" über 40 Jahre früher an den selben Drehorten zu arbeiten wie wir heute - natürlich unter viel schwierigeren Bedingungen. So etwas kann man nicht aus einem Buch lernen.
Dazu vereint Omar im wirklichen Leben die Verbindung von Ost und West, um die es im Film geht. Und natürlich schlägt er durch "Lawrence von Arabien" eine Brücke zwischen den Kulturen und von der Vergangenheit in die Gegenwart. Damit war Omar für uns und für den Film so etwas wie eine Symbolfigur.
Sie sollten sich übrigens unbedingt auch seinen Film "Monsieur Ibrahim" ansehen. Das ist hohe Schauspielkunst - nicht die mit großer Gestik und Dramatik, für die meistens Oscars vergeben werden - sondern feines, präzises, subtiles Darstellen, das so viel schwieriger und seltener ist. Omar hat die Fähigkeit immer voll im Moment zu sein, genau auf das zu reagieren, was passiert - und das ist es, worum es beim Schauspielen vor allem geht!
» Ist "Hidalgo" mit seiner Ost-West-Thematik ein politischer Film?
Es ist zumindest sehr ungewöhnlich, in einem großen Hollywoodfilm einen Helden zu haben, der als Amerikaner nicht deshalb in ein Dritte-Welt-Land fährt, um den Menschen dort beizubringen, wie man alles besser macht: Hopkins wurde zu diesem Rennen herausgefordert, ist dabei aber nicht besonders willkommen. Er weiß so gut wie nichts über diese Kultur, nur über Pferde. Aber auch wenn ihm die Menschen fremd erscheinen, so ist er doch neugierig und bereit zu lernen. Das finde ich ungewöhnlich und sehr schön an dieser Rolle - gerade in einem amerikanischen Film ist es fast subversiv zu nennen.
"Hidalgo" beschäftigt sich dazu ja auch mit den vermeintlichen Gegensätzen zwischen Pferderassen, Indianern, Weißen, westlich geprägten Menschen oder Arabern und entlarvt die Idee der wertvolleren reinblütigen Herkunft als absurd. Die Aussage ist: Alle Menschen sind einfach nur Menschen und alle Pferde sind einfach nur Pferde. Wie "Der Herr der Ringe" regt "Hidalgo" dazu an, statt nach Unterschieden lieber nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Gerade zurzeit ist es kein Wunder, dass die Menschen unzugänglicher werden und eine Art Verteidigungshaltung einnehmen. Da braucht es umso mehr Anstrengung und Mut, sich zu öffnen und den Austausch mit anderen Menschen zu suchen. Diese Geschichte sagt einem, dass sich das lohnt.
In der Presse gab es übrigens große Vorbehalte gerade auch von muslimischer und indianischer Seite. Es hat mich sehr gefreut, dass die meisten nach dem Film sagten, mit ihrer Kultur sei sehr respektvoll umgegangen worden.
» Was hat sie an der Figur des Frank T. Hopkins am meisten beeindruckt?
Dass er sich schon über 50 Jahre vor Monty Roberts, der durch "Der Pferdeflüsterer" berühmt wurde, für dieselben sanften Trainingsmethoden für Pferde eingesetzt hat: Hopkins war nicht nur für seine Siege bei Langstreckenrennen bekannt, sondern sogar noch mehr dafür, dass seine Mustangs in einem extrem guten physischen Zustand ankamen. Nachkommen verschiedenster Indianerstämme erzählen sich heute noch Geschichten über ihn, seine Pferde und dieses Rennen auf einem fremden Kontinent.
Die Hauptdarsteller: Mortensen, T.J., Zuleikha Robinson und Omar Sharif in L.A. (Foto: Buena Vista)
» Sie haben mit ihrem Verlag "Perceval Press" den Bildband "Miyelo" herausgebracht, der sich auf ein einschneidendes Erlebnis von Frank Hopkins bezieht. Was hat es mit dem Buch auf sich?
Es ist eine Art Tribut an die wahre Geschichte, auf der "Hidalgo" basiert. Frank Hopkins, in dessen Adern ja selbst indianisches Blut floss, wurde 1890 nicht nur Zeuge eines unglaublichen Massakers an Sioux-Indianern, er überbrachte als Kurier der US-Armee sogar unwissentlich den Befehl, der dazu führte. Eigentlich sollte der Stamm am Wounded Knee Creek in South Dakota demnach zwar nur entwaffnet werden. Doch die Soldaten missverstanden den spirituellen Tanz der Sioux als aufständische Geste und metzelten den gesamten Stamm nieder. Für Hopkins wurde die Zerrissenheit wegen seiner Herkunft dadurch schier unerträglich.
Im März 2003 haben Lakota-Indianer diesen spirituellen Tanz im Gedenken an das Massaker wieder aufgeführt. Ich hatte die Möglichkeit dieses wirklich historische Ereignis mit den Fotos zu dokumentieren, die sie jetzt im Buch "Miyelo" finden.
» Was bedeutet das Wort "Miyelo"?
Soviel wie "Ich bin es." Es ist der Titel eines alten indianischen Liedes, eine Formel der Selbstfindung, mit der sich die Indianer auf ihre kulturellen und spirituellen Wurzeln besinnen. Auch für Frank Hopkins gewinnt es in "Hidalgo" im Moment der größten Krise existenzielle Bedeutung. So wird dieser Wendepunkt eine Chance zur Selbstfindung - wie das eigentlich bei jeder Krise der Fall ist, wenn man damit umgehen kann.
» Können Sie das selbst auch?
Nicht von Anfang an. Aber das Leben bietet genügend Gelegenheiten, es zu lernen.
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