Originaltitel: Hereafter
USA 2010
Cécile de France
Thierry Neuvic
Cyndi Mayo Davis
Regie: Clint Eastwood
Verleih: Warner
Die französische Fernsehjournalistin Marie wird beim Urlaub in Thailand vom Tsunami überrascht, von der Flutwelle mitgezogen und ertrinkt - bis sie nach mehreren Minuten ins Leben zurückgerissen wird. Die Zwillinge Marcus und Jason in London müssen ihr Leben in London meistern, weil ihre alleinerziehende Mutter sie zwar liebt, aber wegen ihrer Drogenabhängigkeit nicht dazu in der Lage ist - bis ein Unfall ihre Existenz völlig auf den Kopf stellt. Der Fabrikarbeiter George in San Francisco kann von Kindesbeinen an mit den Toten kommunizieren, was es ihm unmöglich macht, normale Beziehungen zu führen. Auf verblüffende Weise streben die Figuren aufeinander zu.

So also sieht es aus, wenn sich Clint Eastwood dem Jenseits annimmt, wenn sich das Urgestein des amerikanischen Erzählkinos dem Genre des fantastischen Films annähert.
Er fängt mit einem großen Knall an - in der vermutlich komplexesten Effektszene seiner Laufbahn - und lässt sich danach nicht mehr aus der Ruhe bringen, ohne Tricks und doppelten Boden, immer ganz nah dran an den Protagonisten, deren Suche nach einer Erklärung für ihre Erlebnisse ihnen keine Ruhe lässt. Nach einem Drehbuch von "Die Queen"-Autor Peter Morgan folgt er parallel drei Menschen in drei Ländern, die nach Erfahrungen mit dem Jenseits nicht mehr zu Ruhe kommen und nach Katharsis streben. Mit wunderbarer Kratzbürstigkeit widersteht Eastwood dem Druck, im Verlauf der Geschichte noch ein Kaninchen aus dem Hut zu zaubern. Der Gimmick ist, dass es keinen Gimmick gibt, höchstens ein paar Zufälle und ein gewisser Glaube an Vorbestimmtheit, vor allem aber ein Gespür dafür, dass das Bedürfnis nach einer Auseinandersetzung gerade in turbulenten Zeiten wie diesen, in denen die Angst vor Naturkatastrophen und Terrorismus die Menschen beschäftigt und verstärkt die Auseinandersetzung mit dem Tod suchen lässt. Hauptdarsteller Matt Damon sagte, dass "Hereafter" Eastwoods "europäischer Film" sei - und meint damit nicht nur die Locations, sondern den erzählerischen Ansatz, dessen Mangel an Effekthascherei einem so zu Herzen geht.
Wie auch nicht? Was seine Figuren erlebt haben, muss sie zwangsläufig aus der Bahn werfen: Da ist der Fabrikarbeiter George in San Francisco, gespielt von Damon, der seit seiner Kindheit die Gabe besitzt, mit den Toten zu kommunizieren, aber an dieser Fähigkeit zu zerbrechen droht, weil es ihm unmöglich ist, andere Menschen zu berühren. In London muss ein zehnjähriges Zwillingsbrüderpaar den Alltag mit einer zwar liebenden, aber drogenabhängigen Mutter meistern, bis ein Unfall ihr Leben auf grausame Weise auf den Kopf stellt. Und schließlich ist da die erfolgreiche französische Fernsehreporterin Marie, dargestellt von Cecile de France, mit deren Geschichte "Hereafter" mit einem großen Knall beginnt: Sie ist 2004 im Urlaub in Thailand, als der Tsunami ihren Urlaubsort verwüstet. Sie selbst wird von der Flutwelle mitgerissen, eine Straße entlanggespült und schließlich bewusstlos geschlagen. Sie ertrinkt, ist tot, mehrere Minuten lang, erlebt das Jenseits, bis sie wieder ins Leben zurückgerissen wird. Weil sie von diesem Erlebnis nicht mehr losgelassen wird, lässt sie ihre Karriere und ihr altes Leben in Paris zurück und begibt sich auf die Suche - wie auch die beiden anderen Hauptfiguren. Viel Zeit verbringt Eastwood mit seinen Figuren, folgt ihnen durch ihren Alltag, zeichnet ihre wachsende Verzweiflung und Frustration auf, keinen Platz mehr im Alltag zu haben. Bis sich ausgerechnet Charles Dickens als vereinendes Bindeglied ihrer Odyssee erweist.
Eastwood wäre nicht Eastwood, wenn er sich wirklich für Antworten auf Fragen über das Jenseits interessieren würde. In seiner Charakterstudie geht es schließlich um Katharsis und Erlösung, um einen Ausweg aus dem Chaos. Das rückt den stilistisch und inhaltlich so anderen Film dann doch wieder ganz nah an Eastwood-Filme wie "Gran Torino" oder "Million Dollar Baby", die auf ihre Weise auch Reflektionen über das Sterben waren. Weil "Hereafter" zwar nach Resolution strebt, aber auf einen leicht verdaulichen und bequemen emotionalen Höhepunkt verzichtet, fühlt sich der Film auf faszinierende Weise unfertig an: Schließlich geht es um eine einfache Berührung und nicht mehr. Aber wie Eastwood sich mit 80 Jahren als Regisseur noch einmal auf Terra incognita bewegt, wie er Neues ausprobiert und sich nicht mit dem Erreichten zufrieden gibt, bestätigt einmal mehr, dass er in seiner eigenen Liga spielt. ts.
| Darsteller: | Cécile de France | als Marie LeLay | |
|---|---|---|---|
| Thierry Neuvic | als Didier | ||
| Cyndi Mayo Davis | als Hotelangestellte | ||
| Matt Damon | als George Lonegan | ||
| George McLaren | als Marcus/Jason | ||
| Frankie McLaren | als Marcus/Jason | ||
| Jay Mohr | als Billy | ||
| Bryce Dallas Howard | als Melanie | ||
| Marthe Keller | als Dr. Rousseau | ||
| Charlie Holliday | als Union Rep | ||
| Stéphane Freiss | als Guillaume Belcher | ||
| Mylène Jampanoi | als Reporter Jasmine | ||
| Lyndsey Marshal | als Jackie | ||
| Joe Bellan | als Tony | ||
| Jenifer Lewis | als Candace | ||
| Sean Buckley | als Dr. Meredith | ||
| Selina Cadell | als Mrs. Joyce | ||
| Derek Jacobi | als Derek Jacobi | ||
| Regie: | Clint Eastwood | ||
| Drehbuch: | Peter Morgan | ||
| Produzent: | Clint Eastwood | ||
| Kathleen Kennedy | |||
| Robert Lorenz | |||
| Ausf. Produzent: | Frank Marshall | ||
| Tim Moore | |||
| Peter Morgan | |||
| Steven Spielberg | |||
| Kamera: | Tom Stern | ||
| Schnitt: | Joel Cox | ||
| Gary Roach | |||
| Produktionsdesign: | James J. Murakami | ||
| Kostüme: | Deborah Hopper | ||
| Casting: | Fiona Weir | ||
Die Geschichte, die sich Clint Eastwoods langjähriger Kollege ausgedacht hat, scheint dem Star sehr zu gefallen.
Eigentlich wollte Clint Eastwood nicht mehr schauspielern - nun hat er seine Meinung geändert (Foto: Kinowelt)
Eigentlich sollte "Gran Torino" Clint Eastwoods letzter Leinwandauftritt sein. Doch nun sieht es so aus, als ob sich der Star erneut vor die Kamera stellt: Das Drehbuch zum Drama "Trouble With the Curve" von seinem langjährigen Produzenten und Kollegen Robert Lorenz scheint es Eastwood so angetan zu haben, dass er die Hauptrolle übernehmen möchte.
Die Geschichte handelt von einen alternden Baseball-Scout, der langsam erblindet und eine letzte große Scout-Reise mit seiner Tochter nach Atlanta unternimmt - eine weitere maßgeschneiderte Rolle für Clint Eastwood. Dies wäre dann auch seit langem ein Clint Eastwood-Film, bei dem "Dirty Harry" nicht selbst Regie führt. Das überlässt der Meister vertrauensvoll Regie-Debütant Lorenz, der schon viele Jahre für Eastwood als Produzent gearbeitet hat und unter anderem "Blood Work", "Hereafter - Das Leben danach", "Flags of Our Fathers" oder den kommenden "J. Edgar" produzierte.
Hinzu kommt, dass Clint Eastwood auch gerade Platz im Terminkalender hatte: Seine Neuverfilmung von "A Star Is Born" liegt derzeit auf Eis, da sich Hauptdarstellerin Beyoncé wegen Schwangerschaft abgemeldet hat. Die Umstände könnten also nicht besser sein und nun darf sich die Kinowelt auf einen weiteren - nun aber sicher wirklich letzten - wunderschönen Film mit dem "Million Dollar"-Mann freuen.
Mit seinem besten Freund Ben Affleck schrieb Matt Damon das Drehbuch zu "Good Will Hunting", in dem er das junge, rebellierende Mathematik-Genie...
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.