Sophia Münster
Jana Münster
Hannelore Elsner
Regie: Christine Hartmann
Verleih: Universal
Die Zwillinge Hanni und Nanni haben es faustdick hinter den Ohren. Doch diesmal haben sie den Bogen überspannt, so dass die aufgeweckten Girls von ihren Eltern ins Internat Lindenhof geschickt werden. Nanni gelingt es schnell, in dem ungewohnten Umfeld erste Kontakte zu knüpfen. Hanni tut sich mit ihrer brüsken Art vergleichsweise schwer. Doch im Hockey-Team des Internats beweisen sich schließlich beide. Im entscheidenden Spiel treffen sie ausgerechnet auf die Mannschaft ihrer alten Schule. Jetzt müssen sie beweisen, ob sie wirklich zum Lindenhof gehören.

Enid Blytons Internats-Abenteuer um zwei charakterlich konträre Zwillings-Mädchen erleben nach rund 45 Jahren Buch- und Hörspielkarriere im Kino ihre Renaissance.
Und wieder ist eine Jugendbuchklassiker-Bastion der Leinwand zum Opfer gefallen. Diesmal hat es Enid Blytons legendäre Zwillings-Abenteuer "Hanni und Nanni" erwischt. Natürlich wurde das Paradebeispiel erfolgreicher Trivialliteratur, das ja ursprünglich in einem englischen Internat der 1940er Jahre spielt, entsprechend auffrisiert, modernisiert und - wie dies damals schon bei den Buchfassungen der Fall war - ordentlich eingedeutscht. Das spürt man schon beim Vorspann, wenn zu peppiger Popmusik im MTV-Stil geschnittene Berlin-Bilder des 21. Jahrhunderts die junge bis jugendliche Zielgruppe auf das Kommende einstimmen soll.
Mittendrin im Geschehen: Hanni (Sophia Münster), die gerade mit Hockeyschläger und Ball in einem Luxuskaufhaus einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufstellen will. Dies gelingt zwar, doch wird sie und ihre Schwester Nanni (Jana Münster) kurz darauf Opfer einer Intrige, die die Zwillinge als Diebinnen erscheinen lässt. Die Strafe folgt auf dem Fuß. Die auffällig gewordenen Mädchen werden von den empörten Eltern (Heino Ferch und Anja Kling) ins Internat Lindenhof, wo einst schon die Mama Mores lernte, strafversetzt. Dort angekommen werden die Zwillinge von der gestrengen Konrektorin Mägerlein (Suzanne von Borsody kommt kein Lächeln über die Lippen) schon einmal darauf eingestimmt, dass in dieser Anstalt die Pflichten im Vergleich zu den Rechten deutlich überwiegen. Doch weder die vorlaute Hockeyspielerin Hanni noch die schüchterne Cellistin Nanni lassen sich davon allzu sehr beeindrucken. Und als sie nach diversen Startschwierigkeiten zahlreiche Freundinnen finden, gelingt es dem Zwillings-Power-Duo nicht nur, das marode Hockeyteam auf Vordermann zu bringen, sie schaffen es sogar, das finanziell in Schieflage geratene Internat vor der drohenden Schließung zu retten.
Eitel Sonnenschein, viel gute Laune und ein paar lösbare Kleine-Mädchen-Probleme stellt Christine Hartmann, die bisher vor allem TV-Serien ("Tatort", "Polizeiruf 110", "Kommissar Stolberg") inszenierte, ins Zentrum ihres Kinoregiedebüts. Weniger Wert legt sie auf eine stringente Handlung, sie reiht vielmehr Episode an Episode - ob spektakuläres Matratzenrennen im Schulturm, witzige Pferdeentführung oder knallhartes Hockeytraining. Das nimmt dem Film etwas Spannung und Tempo, was aber durch sehenswerte Auftritte von Katharina Thalbach als Musiklehrerin Mademoiselle Bertoux mit wunderbarem französischen Akzent oder Sunnyi Melles als weltfremde wie stinkreiche Mutter einer Schülerin etwas aufgefangen wird. Die Münster-Zwillinge sind hübsch, süß und sympathisch, man merkt ihnen jedoch mangelnde Leinwanderfahrung an, Oliver Pochers Auftritt als Kaufhauspolizist ist weniger witzig als erwartet, wie überhaupt das Timing der Gags etwas zu wünschen übrig lässt und es dem Film ein wenig an Wärme und Herzlichkeit fehlt. Weil aber der Speisesaal dem aus Hogwarts ähnelt, Internatsleiterin Hannelore Elsner ein bisschen so aussieht wie Dumbledore ohne Bart und Ausstattung, Kostüme sowie Soundtrack genau das bedienen, was kleine Mädchen mögen, sollte einer glorreichen Renaissance von Blytons 45 Jahre alten Internatsgeschichten nichts im Wege stehen. lasso.
Mit der Verfilmung der berühmten "Hanni & Nanni"-Abenteuer gibt Christine Hartmann nach zehn Jahren TV-Arbeit ihr Debüt als Kinoregisseurin. Erfüllt "Hanni & Nanni" die Erwartungen, dürfte dies nicht Hartmanns letzter Leinwandausflug gewesen sein.
Sie erzielten mit "Todesbrücke" die höchste Einschaltquote eines "Tatort" seit 1993 und sind "Hanni & Nanni"-Fan. Was hat Sie mehr für diesen Job prädestiniert?
CHRISTINE HARTMANN: Als Regisseurin macht man ja gern unterschiedliche Sachen, und ich inszeniere gern "Tatorte", bei denen es mir weniger um den Krimi geht als um gute Themen, die man unter dem Siegel "Tatort" noch machen kann. Und ein Kinderfilm war mal etwas ganz anderes. Ich fand es schön, selbst wieder ein Stückweit Kind zu sein. Warum man mich dafür ausgewählt hat? Da müssen Sie die Produzenten fragen. Vielleicht wollte man eine Frau als Regisseur, jemand, der "Hanni & Nanni"-affin ist. Neben dem "Tatort" habe ich ja auch Komödien fürs Fernsehen gedreht.
Nach zehn Jahren TV-Regie folgt nun die erste Kinoarbeit.
Es war schon seit Längerem ein großer Traum von mir, endlich einen Kinofilm zu machen. Als Fernsehregisseurin ist es gar nicht so einfach, auf die Kinoschiene zu wechseln. Insofern ist das für mich etwas ganz Besonderes.
Die "Hanni & Nanni"-Bücher haben schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel. Musste viel an der Vorlage modernisiert werden?
Das Projekt begleitet mich seit drei Jahren, und beinahe so lange haben wir auch an dem Buch gearbeitet, um diesen Spagat zu schaffen, auf der einen Seite der Marke "Hanni & Nanni" gerecht zu werden, auf der anderen einen Film zu machen, der im Jahr 2010 spielt.
Was ist die Zielgruppe Ihres Films?
Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Das ist die Zeit, in der man sich noch für die Rettung eines Pferdes interessiert und Schuluniformen hübsch findet, auf jeden Fall die Zeit, bevor man anfängt, sich für Jungs zu interessieren.
Warum ist der Film episodenhaft angelegt?
Auch die Ursprungsbücher von "Hanni und Nanni" sind ja extrem episodisch. Es gibt da einen Band, der aus 20 ganz kleinen Geschichten besteht. Deshalb haben wir als Überbau Folgendes verwendet: Dass sich die Zwillinge in eine Gemeinschaft integrieren und ihre Individualität entdecken.
Gerade die erwachsenen Rollen sind hochkarätig besetzt.
Da die Kinder alle noch unbekannt sind, wollte man aufseiten der Erwachsenen ein paar Zugpferde wie Anja Kling und Heino Ferch haben. Aber es war uns wichtig, dass die Schauspieler - Name hin oder her - auch wirklich zu ihren Rollen passen.
Der Speisesaal sieht aus wie der von Hogwarts und Hannelore Elsner wie ein weiblicher Dumbledore.
Unser Lindenhof ist ein Internat zum Träumen, "Hanni & Nanni" ist kein realistischer Film, er ist ein bisschen wie "Harry Potter meets Fliegendes Klassenzimmer" angelegt.
Mit der ersten Kinoverfilmung der Marke "Hanni & Nanni" sind sicher große Erwartungen verknüpft. Spüren Sie den Druck?
Natürlich bin ich nervös. So ein Film ist wie ein eigenes Kind. Wenn er jetzt im Kino startet, dann ist das so, als wäre das Kind aus dem Haus. Ich kann keinen Einfluss mehr ausüben. Das ist für mich im Kinobereich auch alles ganz neu und sehr aufregend.
Gibt es dennoch auch ein Leben nach "Hanni & Nanni"?
Ich habe gerade einen Berliner "Tatort" gedreht, der am 26. September ausgestrahlt wird. X Filme hat das erste Mal fürs Fernsehen produziert, das Buch stammt von Beate Langmaack, der Titel heißt: "Die Unmöglichkeit, sich den Tod vorzustellen". Es ist ein sehr eigener Film geworden und es hat auch ganz gut getan, nach "Hanni & Nanni" wieder in die Erwachsenenwelt zurückzukehren.
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