
Es ist durchaus bemerkenswert, dass der Bayerische Rundfunk diesen Film um 21.45 Uhr und damit zu einer vergleichsweise frühen Uhrzeit ausstrahlt; andere Sender zeigen ihre Erstlingswerke in der Regel deutlich später. Und dass "Hanna und die Bankräuber" ein Debüt ist, merkt man schon allein an der fröhlich gegen den Strich gebürsteten Geschichte.
Ständig nimmt die Handlung einen anderen Verlauf als erwartet; mitunter auch, als es die Logik diktieren würde. Die Komödie wird ohnehin nicht jedermanns Sache sein; und das nicht bloß, weil gleich zu Beginn jemand auf brutale Weise einen Finger verliert. Zum Ausgleich wird sich später rausstellen, dass ein vermeintlicher Mord gar keiner war, so wie sich auch der dilettantische Bankraub gewissermaßen als Leergeschäft entpuppt: weil ein anderer cleverer und schneller war.
All das aber sind genau genommen bloß Randerscheinungen, die der Titelheldin das Leben schwer machen. Eigentlich möchte Hanna (Inka Friedrich) nur schwanger werden, aber Freund Robert (Karsten Kaie) hat nach diversen vergeblichen Versuchen keine Lust mehr auf "Eisprungsex". Als Hanna ihn dann auch noch mit einer offenkundigen Prostituierten erwischt, lässt sie ihn sitzen, will das gemeinsame Konto plündern und wird unfreiwillig beteiligte Zeugin, wie der Förster vom Silberwald, die Geierwally und ein riesiges Küken eine Bank ausrauben.
Schon mit der zweispurigen Einführung zu ihrem ersten Drehbuch für einen Langfilm führt Autorin Simone Zahn fröhlich in die Irre. Welchem Broterwerb Roberts Partnerin auf der Sexschaukel nachgeht, bleibt offen, aber er will keineswegs ihren Körper, sondern eine Auskunft: Er hat als Anwalt einen Juwelendieb (Michael Brandner) vertreten und will sich just vor dessen Entlassung die 1,5 Millionen Euro schwere Beute greifen. Die Ganoven wiederum sind drei harmlose Burschen, die sich das nötige Kleingeld für die Eröffnung ihres Tattoo-Shops beim Falschen geliehen haben: Gangster Ricky (Stephan Zinner), der Gliedmaßenkiller, nötigt sie zum Raubzug, weil es sich nun mal schlecht tätowieren lässt, wenn man nicht mehr alle Finger hat. Und da Hanna nicht bloß die Handlungsebene wechselt, sondern auch zunehmend Gefallen an den drei Hautkünstlern (Marc Hosemann, Martin Butzke, Eckard Preuß) findet, wandelt sich die Komödie kaum merklich zur Romanze. Spannend bleibt sie trotzdem, denn nicht nur Ricky, sondern auch ein etwas selbstverliebter Polizist (Django Asül) ist dem zum Quartett gewordenen Trio auf den Fersen; zumal es zufällig auch noch in den Besitz der Diamanten gekommen ist.
Die Inszenierung durch Carolin Otterbach wirkt mitunter etwas ungeschliffen, aber das passt zur Geschichte. Gleiches gilt für den fröhlichen Reggae von Werner Ponikowski; an den richtigen Stellen ist die Musik von hartem Rock und ruhigen Passagen durchsetzt. Mancher Einfall von Simone Zahn wirkt mutwillig grotesk, etwa die schräge Verkleidung der Tätowierer beim Bankraub, aber es macht trotzdem Spaß, dem Titelgespann zuzuschauen. tpg.
| Darsteller: | Inka Friedrich | als Hanna | |
|---|---|---|---|
| Karsten Kaie | als Robert | ||
| Marc Hosemann | als Ben | ||
| Martin Butzke | als Tobi | ||
| Eckhard Preuß | als Georg | ||
| Michael Brandner | als Kupizki | ||
| Brigitte Hobmeier | als Jackie | ||
| Stephan Zinner | als Ricky | ||
| Django Asül | als Kommissar Schneider | ||
| Thomas Loibl | als Andreas Meyer | ||
| Julia Gschnitzer | als Oma Vroni | ||
| Christian Heiner Wolf | als Bernd | ||
| Martin Thaler | als Rudi | ||
| Butz Buse | als Thiel | ||
| Regie: | Carolin Otterbach | ||
| Drehbuch: | Simone Zahn | ||
| Ausf. Produzent: | Martin Bach | ||
| Kamera: | Marcus Marschall | ||
| Schnitt: | Vera van Appeldorn | ||
| Musik: | Werner Ponikowski | ||
| Produktionsdesign: | Ina Kirchhoff | ||
| Kostüme: | Birgitta Lohrer-Horres | ||
| Ton: | Peter Preuß | ||
| Casting: | Franziska Aigner | ||
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