Steffi Kühnert
Gabriela Maria Schmeide
Thorsten Merten
Regie: Andreas Dresen
Verleih: Delphi
Die Imbissbude "Halbe Treppe" ist für ihren Besitzer, den Mittdreißiger Uwe aus Frankfurt an der Oder (Axel Prahl), längst zur zweiten Heimat geworden: Unter der Plastikplane auf dem Parkplatz vergisst er den trostlosen Alltag mit Ehefrau Ellen (Steffi Kühnert) und den beiden Kindern. Auch Chris (Thorsten Merten) und Katrin (Gabriela Maria Schmeide) haben einander nicht mehr viel zu sagen. Als sich die beiden Ehepaare kennenlernen und einander bei Dia-Abenden näher kommen, setzt ein Partnertauschreigen ein, der alle auf neue Gedanken bringt.
Noch ein glänzend beobachtetes Alltagsportrait vom diesbezüglich hochverdienten Andreas Dresen ("Nachtgestalten", "Die Polizistin"). Ausgezeichnet mit dem Großen Preis der Jury bei der Berlinale 2002.

Der Große Preis der Jury der Berlinale 2002 ist die verdiente Bestätigung der Filmarbeit von Andreas Dresen, der die in "Nachtgestalten" (Silberner Bär 1999 für Hauptdarsteller Michael Gwisdek; Deutscher Filmpreis 1999) und "Die Polizistin" (Grimme-Preis 2001) begonnen realistischen, liebe- und humorvollen Blicke auf die bittersüßen Probleme kleiner Leute mit Plattenbau-Gestalten aus Frankfurt/Oder fortsetzt und mit Digitalkamera, kleiner Crew, weitgehend improvisiertem Drehbuch und vier hervorragenden Schauspielern beste Ergebnisse erzielte.
Die titelgebende "Halbe Treppe", Imbissbude unter Plastikzelt auf einem Parkgang, gehört Uwe (Axel Prahl), der über der Arbeit Ehefrau Ellen (Steffi Kühnert), die in einer Parfümerie jobbt, und die Kinder vergisst. Die beiden sind befreundet mit dem kinderlosen und ebenfalls Mittdreißigerehepaar Chris (Thorsten Merten), Radiomoderator im Funkturm, und Katrin ("Polizistin" Gabriela Maria Schmeide), die an der Grenze nach Polen Trucks auf ihre Stellplätze einweist, und die sich im Bett nicht mehr viel zu sagen haben. Man amüsiert sich bei typisch deutschen Dia-Abenden, jagt dem entflohenen Wellensittich nach und hat sich mehr oder weniger in der "Hälfte des Lebens" auf halber Treppe abgeschliffen. Als Chris mit Ellen fremdgeht, hat der Seitensprung ungeahnte Folgen, führt zu Verletzungen, neuen Sichtweisen, Bilanzen und spurtet ohne Happy End zu neuen Anfängen unter anderen Vorzeichen.
Wie in den vorherigen Filmen ist Dresens Milieugenauigkeit stupend, ist sein Blick für die Szenen zweier Ehen zwischen Spülsteinrealismus, Ikea-Möbeln und Eisbeinstücken in der Badewanne prägnant und leider nur zu stimmig. Der Wortwitz kommt aus der guten alten Kaurismäki-Schule für geborene Verlierer und deren Sprachlosigkeit, die Komik mit eingebauter Tragik produziert: echt lebensnah. Dresen folgt den Krisengebeutelten hautnah per Digitalvideo und schafft lauter Wiedererkennungsmöglichkeiten. Ungleichgewichte in der Sympathieverteilung werden durch die Wirklichkeitsnähe aufgehoben, und das Inflagranti-Erwischen ist selten so kurios gefilmt worden. Der Preis für das vitale Stück deutschen Kinos, ehrlicher als der verstiegen exponierte "Felsen" und nicht so kunstgewerblich wie "Heaven", sollte Dresen über die Arthaus-Programmierung hinaus helfen. Mit der Berliner Folk-Gruppe 17 Hippies (Töne irgendwo zwischen Balkan und Schottland) gibt es zudem einen herrlichen musikalischen Running Gag. ger.
| Darsteller: | Steffi Kühnert | als Ellen | |
|---|---|---|---|
| Gabriela Maria Schmeide | als Katrin | ||
| Thorsten Merten | als Christian | ||
| Axel Prahl | als Uwe | ||
| Julia Ziesche | als Julia | ||
| Jens Graßmehl | als Jens | ||
| Mascha Rommel | als Mascha | ||
| Gregor Ziesche | als Gregor | ||
| Christine Schorn | als Frau i.d. Parfümerie | ||
| Miro De Vittoris | als Bauunternehmer | ||
| Eberhard Urban | als Eberhard | ||
| Ralf Schönknecht | als Schöni | ||
| Doris Schlingmann | als Doris | ||
| Knut Elstermann | als Knut | ||
| André Schneider | als Nachrichtensprecher | ||
| Janko Brett | |||
| Torsten Thiem | |||
| Martina Pach | |||
| Frank Fuhrmann | |||
| Joanna Zaremba | |||
| Jaqueline Röstel | |||
| Carmen Engler | |||
| Martin Stoffer | |||
| Regie: | Andreas Dresen | ||
| Drehbuch: | Andreas Dresen | ||
| Produzent: | Peter Rommel | ||
| Kamera: | Michael Hammon | ||
| Schnitt: | Jörg Hauschild | ||
| Musik: | 17 Hippies | ||
| Produktionsdesign: | Susanne Hopf | ||
| Kostüme: | Sabine Greunig | ||
| Ton: | Peter Schmidt | ||
| Casting: | Janina Bukowski | ||
Auch das Publikum kann Preise vergeben: Die diesjährigen Kandidaten für den Deutschen Filmpreis.
Minister Julian Nida-Rümelin, der aus seiner Vorliebe für die deutsche Kinokultur kein Hehl macht, gab am Freitag den 19. April im Berliner Hotel Adlon die Nominierungen bekannt. Durch den Abend führte die Leipziger Darstellerin Manon Straché.
Der kürzlich verstorbene Billy Wilder wurde von Journalist und Schriftsteller Hellmuth Karasek und von Regisseur Volker Schlöndorff mit einem persönlichen Nachruf bedacht.
Ganz heiß - der Publikumspreis: Am 26. April startet das Gewinnspiel um die beiden Auszeichnungen "Deutscher Kinofilm des Jahres" und "Schauspielerin bzw. Schauspieler des Jahres". Einsendeschluss ist der 1. Juni 2002, mitmachen kann man unter www.deutscherfilmpreis.de.
Die Nominierungen
Bester Spielfilm: "Bella Martha", "Halbe Treppe", "Heaven", "Nirgendwo in Afrika", "Das weiße Rauschen" und "Wie Feuer und Flamme".
Bester Dokumentarfilm: "Black Box BRD", "A woman and a half - Hildegard Knef"
Bester Kinder- und Jugendfilm: "Hilfe, ich bin ein Fisch", "Das Sams"
Beste Hauptdarstellerin: Karoline Eichhorn für "Der Felsen", Martina Gedeck für "Bella Martha", Juliane Köhler für "Nirgendwo in Afrika"
Bester Hauptdarsteller: Daniel Brühl für "Nichts bereuen", "Das weiße Rauschen" und "Vaya con dios". Ulrich Noethen für "Das Sams". Antonio Wannek für "Der Felsen" und "Wie Feuer und Flamme".
Beste Nebendarstellerin: Anabelle Lachatte für "Das weiße Rauschen", Eva Mattes für "Das Sams". Marie-Lou Sellem für "Mein Bruder, der Vampir", " Nichts bereuen" und "Hilfe, ich bin ein Junge!".
Bester Nebendarsteller: Martin Feifel für "Was tun, wenn's brennt?", Remo Girone für "Heaven" und Matthias Habich für "Nirgendwo in Afrika"
Beste Regie: Andreas Dresen für "Halbe Treppe", Dominik Graf für "Der Felsen" und Caroline Link für "Nirgendwo in Afrika".
2,815 Millionen Euro stehen gesamt als Prämien für die 16 Preise aus - 10.000 davon gehen sicher an Michael "Bully" Herbig für "Der Schuh des Manitu": Er wird für seinen Erfolg mit einem Sonderpreis der Jury geehrt, dem Filmpreis in Gold.
Die 52. Verleihung des Deutschen Filmpreises findet am 14. Juni 2002 im Berliner Tempodrom am Anhalter Bahnhof statt. Die Zusammenfassung der Gala zur Verleihung des Deutschen Filmpreises wird am 16. Juni 2002 von Sat.1 um 20.15 Uhr ausgestrahlt.
Der gefragte Theatermime Thorsten Merten schaffte 2001 in Andreas Dresens mehrfach ausgezeichneter Tragikomödie "Halbe Treppe" den Sprung...
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.