Herbert Achternbusch hat einen neuen Film gemacht. Das ist an sich nichts Besonderes, schafft er es doch nun schon seit zwei Dekaden, mit geringstmöglichen finanziellen Mitteln mindestens ein Werk pro Jahr fertigzustellen. Das Besondere an "Hades" ist vielmehr, daß er im Wettbewerbsprogramm der Berlinale zu sehen ist. Das bayerische Allroundtalent leistet mit "Hades" seinen Beitrag zum Thema Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit. Seine kritische Auseinandersetzung mit dem Deutschland von heute wird nicht nur bei der Berlinale, sondern vor allem auch bei der späteren Auswertung in den Programmkinos für Diskussionsstoff sorgen. Der Besitzer des Bestattungsunternehmens Hades hat sich auf Beerdigungen der originellen Art spezialisiert. Hier kann der Kunde individuell bestimmen, wie er zu Grabe getragen werden will. Doch obwohl die Geschäfte mit dem Tod gut gehen, ist Hades, der das Institut von seinem ungeliebten Vater, einem ehemaligen Stalingradkämpfer, übernommen hat, alles andere als glücklich. Schreckliche Bilder aus der Vergangenheit holen ihn immer wieder ein. Bilder aus dem Warschauer Getto, in dem seine Mutter, eine Jüdin, und seine Schwester umkamen - und er sieht auch sich selbst, wie er als kleiner Junge durch Zufall dem Tod durch die Schergen der Nationalsozialisten entkommen konnte. Achternbusch, der als Regisseur, Drehbuchautor und in der Hauptrolle in Erscheinung tritt, beschränkt sich bei seiner Inszenierung auf das Wesentliche. Da hört man von Bombendrohungen auf jüdische Einrichtungen, sieht man hirnrissige Radikale mit Hakenkreuzfahnen im Gleichschritt durch München marschieren und ausländische Frauen mit angstverzerrtem Gesicht vor eben diesen Typen davonrennen. Doch niemand scheint davon Notiz zu nehmen, die Polizei nicht, die Bürger nicht, niemand. Achternbusch setzt diese Szenen von heute in direkten Zusammenhang mit der Vergangenheit, zeigt Dokumentaraufnahmen aus dem Warschauer Getto, die in ihrer Wahrhaftigkeit weitaus beklemmender sind, als es ein Spielfilm je zu erreichen in der Lage wäre. "Hades" ist ein provozierender Film, der Stellung bezieht, eine persönliche Antwort auf "Schindlers Liste", die dem Betrachter jedoch nicht die sichere Position aus der Distanz einräumt, sondern direkt auf ihn zielt. lasso.
| Darsteller: | Herbert Achternbusch | ||
|---|---|---|---|
| Rosel Zech | |||
| Irm Hermann | |||
| Thomas Holtzmann | |||
| Jens Harzer | |||
| Simone Katz | |||
| Regie: | Herbert Achternbusch | ||
| Drehbuch: | Herbert Achternbusch | ||
| Produzent: | Steffen Kuchenreuther | ||
| Thomas Kuchenreuther | |||
| Kamera: | Adam Olech | ||
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