Ben Stiller
Greta Gerwig
Rhys Ifans
Regie: Noah Baumbach
Verleih: Tobis
Der alleinstehende New Yorker Roger Greenberg ist zwar um die 40 Jahre alt, kann aber nicht wirklich auf etwas Geleistetes im Leben zurückblicken. Resigniert kündigt er seinem einzigen Freund an, er wolle ab jetzt gezielt nichts tun. Alles weitere soll sich von allein ergeben. Eine Gelegenheit bietet sich, als sein erfolgreicher Bruder ihm anbietet, er könne sechs Wochen lang dessen Haus in Los Angeles hüten. Er sucht Kontakt zu alten Freunden und lernt die Assistentin seines Bruders kennen, die er mehr und mehr ins Herz schließt. Ob allerdings mehr daraus werden kann, ist unsicher.

Mit feinem Witz erzählt Noah Baumbach von der Selbstfindung eines lächerlichen Mannes, den der gegen den Strich besetzte Ben Stiller vorzüglich zum Leben erweckt.
Eigentlich, so betont er, sei er ja ein umgänglicher Kerl, dennoch scheint seine Haupttätigkeit darin zu bestehen, lange Beschwerdebriefe zu verfassen. An Fluggesellschaften schreibt er, an Supermarktketten und Tiertaxibetreiber. Von New York hat es den Schreiner Roger Greenberg nach Los Angeles verschlagen, ein Nervenzusammenbruch hat den 41-Jährigen aus der Bahn geworfen, nun will er in der Villa seines erfolgreichen Bruders wieder zu sich finden. Nach seinem Titelhelden benennt Noah Baumbach, Sohn des Schriftstellers Jonathan Baumbach und der Filmkritikerin Georgia Brown, seinen neuesten Film und setzt sich dabei erneut mit dem Themenkomplex Familie und Neurosen auseinander. Biographisch gefärbt war sein "Der Tintenfisch und der Wal", eine Hommage an Eric Rohmer "Margot at the Wedding", als Art Nabelschau darf man nun "Greenberg" lesen.
Nichts will Nervensäge Roger fortan tun, außer das Haus hüten und für den Hund des Bruders, der mit Frau und Kindern geschäftlich in Japan weilt, eine Hütte zimmern. Um Greenberg wiederum soll sich Zugehfrau Florence (sympathisch: Greta Gerwig) kümmern, ein zurückhaltendes, multitaskingfähiges Organisationstalent, das von einer Karriere als Folksängerin träumt und alles auf die Reihe kriegt nur nicht das eigene (Liebes-)Leben. Keine Frage also, dass die beiden verlorenen Seelen sich zueinander hingezogen fühlen, aber nicht richtig zusammen kommen. Der erste Sex ist ein verstolpertes Desaster, Greenberg redet sich um Kopf und Kragen, Florence, Mitte 20, schaut betroffen, gibt sich verständnisvoll und leidet leise. Die strahlenden Erfolgsmenschen Hollywoods kommen hier nur ganz am Rande vor. Die (Anti-)Helden sind Durchschnittsverbraucher, die es zu nichts gebracht haben, in der Vergangenheit leben und immer noch Jeans, Turnschuhe und Kapuzenpullis tragen.
"Zoolander" Ben Stiller, sonst gerne quengelnder, ewig zappelnder Treibauf gefällt hier als differenzierter Schauspieler. Einem brodelnden Vulkan gleicht er, droht stets zu explodieren - doch traut er sich dann doch nicht. Die Annäherungsversuche bei der Ex - cool interpretiert von Noah Baumbach Ehefrau Jennifer Jason Leigh - verpuffen im Nichts, seinen einzig verblieben Freund, den Ex-Bandkollegen Ivan (zerzauster Gutmensch: Rhys Ifans), stößt er immer wieder rüde vor den Kopf. Nein, Greenberg, diesen Pedanten und Besserwisser, diesen Aufschneider und unlustigen Spießer muss man nicht mögen - und doch beginnt man, sich für ihn zu interessieren, wie für den ganzen Film, der merkwürdig mäandert, sich nicht entscheidet, ob er nun Komödie oder Soziogramm, Drama oder Tragödie sein möchte. Wenn man so will hat der Regisseur und Drehbuchautor ein neues Genre kreiert, eine Art Mainstream Home Movie mit dem Zuschauer in der Rolle des passiven Familienmitglieds - man kann die eigene Mischpoke nicht leiden und dennoch nicht von ihr lassen. geh.
| Darsteller: | Ben Stiller | als Roger Greenberg | |
|---|---|---|---|
| Greta Gerwig | als Florence Marr | ||
| Rhys Ifans | als Ivan Schrank | ||
| Jennifer Jason Leigh | als Beth | ||
| Brie Larson | als Sara | ||
| Juno Temple | als Muriel | ||
| Chris Messina | als Phillip Greenberg | ||
| Susan Traylor | als Carol Greenberg | ||
| Mark Duplass | als Eric Beller | ||
| Merritt Wever | als Gina | ||
| Regie: | Noah Baumbach | ||
| Drehbuch: | Noah Baumbach | ||
| Produzent: | Scott Rudin | ||
| Jennifer Jason Leigh | |||
| Ausf. Produzent: | Lila Yacoub | ||
| Kamera: | Harris Savides | ||
| Schnitt: | Tim Streeto | ||
| Produktionsdesign: | Ford Wheeler | ||
| Kostüme: | Mark Bridges | ||
| Maske: | Fionagh Cush | ||
| Ton: | Felix Andrew | ||
| Casting: | Francine Maisler | ||
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