Annika Kuhl
Stefan Rudolf
Arno Frisch
Regie: Isabelle Stever
Verleih: Movienet (24 Bilder)
Die 37-jährige Simone geht allein aus in der Silvesternacht und wacht am nächsten Morgen im Auto neben einem Fremden auf und schleicht sich weg. Sie stellt fest, dass sie schwanger ist, und als sie Hannes zufällig einige Wochen später wiederbegegnet, freut der sich spontan über den Nachwuchs. Sie ziehen zusammen in ein nettes Häuschen im Grünen. Hannes kauft ein, kocht und kümmert sich rührend um die werdende Mutter - eine glückliche Fügung, über die sich Simone eigentlich freuen sollte, doch ihre Unsicherheit und Angst wächst.

Nach einem One-Night-Stand wird eine junge Frau schwanger und zieht mit dem Kindsvater zusammen. Subtiler Alltagshorror à la Berliner Schule.
Lange Einstellungen, innere Leere, bedeutungsschwangeres Schweigen, Fragen ohne Antworten. Die Geschichte von innerer Verzweiflung und äußerem Glück beginnt trist: Da geht eine 37-Jährige allein in der Silvesternacht aus, wacht am nächsten Morgen im Auto neben einem Fremden auf und schleicht sich weg. Schwanger begegnet sie dem Mann zufällig einige Wochen später, der freut sich über den Nachwuchs, bald ziehen die beiden in ein nettes Häuschen im Grünen. Eine "glückliche Fügung". Der Palliativhelfer kauft ein, kocht und umsorgt die spröde Gefährtin, repariert das Fahrrad und überlässt ihr sogar das Auto. Statt Dankbarkeit zu zeigen, wird die immer unruhiger, beäugt eifersüchtig die Nachbarin, wünscht sich sehnlichst einen Rasenmäher und freut sich nicht wirklich auf die Geburt. Wenn in der letzten Einstellung genau ein Jahr nach der Zeugung Papa und Baby sanft vor sich hinschlummern, dämmert der Mutter, dass sie in der Familienfalle sitzt.
Als filmisches Ziel gibt Isabelle Stever an, den Horror aus der weiblichen Perspektive, der aus dem Nichts kommt, für den Zuschauer erlebbar zu machen. So ist das Gefühl der Bedrohung ständig spürbar, jeden Moment erwartet man das Schreckliches passiert, aber das Grauen manifestiert sich nur durch Normalität, in einer erdrückenden Harmonie, die wie Mehltau über nie ausgesprochenen Gefühlen liegt. Kontroverse Andeutungen enden im Nirgendwo. Beim emotional geschickt inszenierten Spiel mit Erwartungshaltungen irritieren seltsame Kameraeinstellungen, oft zeigen sie nur Ausschnitte, manchmal nicht ganz nachvollziehbar fehlen Kopf und Beine, fixiert sich die Kamera auf den Torso, auf dunkle Ecken oder Gegenstände wie ein Paar hingeworfene rote Schuhe. Die Kamerabewegungen verzichten auf jeden Schnörkel, der ablenkt, erlauben keine Nähe zu den Personen, das Lichtkonzept trennt die Protagonistin sogar von ihrer Umgebung, setzt sie ins Abseits. In surrealer Atmosphäre wecken die Figuren keine Sympathie. Stefan Rudolf spielt den freundlichen, partnerschaftlichen und integren Gutmenschen so beängstigend intensiv, dass man ihm nicht eine Sekunde über den Weg traut, Annika Kuhl verkörpert überzeugend Haltlosigkeit und Unberechenbarkeit eines Menschen am Abgrund. Fragen wie "Liebst du mich?" oder "Wenn alle Fische im See tot sind, ist der See dann auch tot?" bleiben offen - wie so vieles. mk.
| Darsteller: | Annika Kuhl | als Simone | |
|---|---|---|---|
| Stefan Rudolf | als Hannes | ||
| Arno Frisch | als Herbert | ||
| Maria Simon | als Susa | ||
| Juan Carlos López | als Helmut | ||
| Hanns Zischler | als Gynäkologe | ||
| Jana Thies | als Supermarkt-Angestellte | ||
| Anne Weinknecht | als Kindergärtnerin | ||
| Hans Christian Steyer | als Paketbote | ||
| Lawrence Davis | als Baby | ||
| Regie: | Isabelle Stever | ||
| Drehbuch: | Anke Stelling | ||
| Isabelle Stever | |||
| Produzent: | Anne Leppin | ||
| Sigrid Hoerner | |||
| Kamera: | Bernhard Keller | ||
| Musik: | Yoyo Röhm | ||
| Jupiter Moll | |||
| Louis Marioth | |||
| Kostüme: | Anette Guther | ||
| Maske: | Ljiljana Müller | ||
| Ton: | Bernd von Bassewitz | ||
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